"blitzte ab", "Verkaufskampagne", "hartnäckig", "Überwachungstechnologie", "Jagd auf Migranten", "Mediensprecher", "Optimierung der Tötungskette" "Bewegungsmuster"

So absurd es den meisten scheint: aber wir mussten effektiv um diese Begriffe kämpfen. Diese verteidigen.

Nochmals auf alle Dokumente und Fundstellen hinweisen. Hunderte von Originalzitate der Palantir-Kaderpersonen aufführen, die allesamt öffentlich sind. Auf Aussagen, die in amtlichen Dokumenten 1:1 drinstehen.

Es ging insgesamt um 23 Passagen. Doch wer sich das Urteil und die Schriften anschaut, stellt fest: viele Passagen enthalten mehrere Behauptungen, die absolut an den Haaren herbeigezogen waren. Worte, die uns in den Mund gelegt worden sind. Und wir mussten jeden einzelnen Satz auseinandernehmen.

Und wer die Duplik und Triplik liest, stellt auch fest: Plötzlich mussten wir beweisen, dass Palantir eine militärische Zusammenarbeit mit Israel hat. Oder mit der Ukraine. Fakten, die Palantir selber auf ihrer Website veröffentlichte! Mit denen Alex Karp selber öffentlich prahlt!

Es war eine typische Klage "American Style". Und eine Verschwendung unserer Zeit...

Juristische Kenner des Gegendarstellungsrechts sagten mir: diese Forderungen entsprechen nicht mal ansatzweise des in den 80er Jahren eingeführten Gegendarstellungsrechts, mit klaren Kriterien:

Keine Knappheit, keine unmittelbare persönliche Betroffenheit, keine Herabsetzung, und vor allem enthielten unsere Artikel zulässige Werturteile basierend auf wahren und sauber recherchierten Tatsachenbehauptungen.

Nun stellt sich die Frage: zieht das Unternehmen das Urteil weiter?

Bei jedem anderen Tech-Konzern mit einem professionellen PR Management und klarer Strategie würde ich klar sagen: Nein, sicher nicht.

Aber ganz ehrlich: hier kann ich es nicht ausschliessen.

Palantir verrennt sich seit einem halben Jahr von Desaster zur Desaster im Umgang in dieser Sache.

Begonnen hat das mit unsäglichen LinkedIn-Kommentaren und Blogposts gegen uns (und auch gegen mich) im Dezember.

Die Integration meiner LinkedIn-Postings in die Duplik als Beweismittel spricht für sich selbst.

Es zeigt sich: Die Schweizer Palantir-Anwälte David Hug und Nicolas Capt haben wirklich zu "interessanten" Argumentationsmitteln gegriffen. Weil wir keine Angriffsfläche boten mit unseren Recherchen.

Und nachdem wir das Urteil mittags erhalten haben, jubelten und in Ruhe alles lesen wollten (und noch niemandem irgendwas mitteilten), kontaktierten mich Journalist:innen: eine Agentur namens Rubicom GmbH meldete sich im Namen von Palantir bei ihnen & verkaufte den Zürcher Entscheid als Sieg.

Sie verschickten eine Email mit paar Punkten. Ohne Anhang! Und ohne Urteil.

Ein typisches Trumpismus-Manöver.

Wir haben viele Stunden investiert in die Verteidigung investiert. Die Gegendarstellungsforderung von Palantir scheiterte vor allem in erster Linie an sich selbst.

Das Gericht hat das Manöver von Palantir und seiner Anwälte durchschaut und anhand der obigen Kriterien gemessen & beurteilt.

Noch nie war ich so froh über die unabhängige Judikative in diesem Land...

Ich bin wirklich gespannt wie das weitergeht...

@adfichter Ja, und wir müssen Cyberfaschismus alla Palantir benennen und abstrafen!

#Cyberfaschismus #Palantir