Wir alle kommen zur Welt und erst einmal wird davon ausgegangen, dass wir der allgemeinen Norm entsprechen - und genau so werden wir erzogen. Da wir entsprechend davon ausgehen müssen, dass wir daher auch ebendieser Norm entsprechen und uns entsprechend anpassen, kann es manchmal ein sehr schwieriger und langwieriger Prozess sein zu erkennen, dass wir eben nicht dieser Norm entsprechen.
So. Jetzt kommst du ins Spiel.
Es wird immer wieder gesagt, es wäre übergriffig, einer Person zu sagen/unterstellen, dass sie beispielsweise Autist*in sei oder der Verdacht bestehe, dass sie sich eventuell in einem anderen Geschlecht besser fühlen würde.
Ja. Aber.
Wenn du mit der Verdachtsperson gut befreundet oder gar verwandt bist, wenn ihr euch wirklich gut kennt, dann sprich doch bitte die Verdachtsperson mal vorsichtig darauf an. "Die Person soll es selbst herausfinden" kann schon mal ein halbes Leben dauern und wenn du nach dieser Findung zu ihr sagst "Hätte ich dir auch vor 25 Jahren sagen können", dann ist das relativ erniedrigend und gemein, da der Person viele Jahre an mentaler Folter hätten erspart bleiben können.
Stell es dir vor wie einen Autounfall: Die verunfallte Person steht unter Schock, ist verwirrt und aufgrund der Umstände nicht wirklich in der Lage sich vollständig zu spüren und die Situation von Außen zu betrachten. Würdest du der Person mitteilen, dass sie sich doch kurz hinsetzen und auf den Krankenwagen warten soll, weil ihr noch ein Stück vom Airbag in der Stirn steckt - oder aus "Rücksicht" lieber vor ihr verschweigen - sie wird es ja schon selbst herausfinden....?
Also: Ihr dürft bitte freundlich und behutsam gewisse Optionen und Möglichkeiten in den Raum stellen, ohne eine Diagnose erheben zu wollen - aber bitte ignoriert keine Anzeichen, die aus der Warte der anderen Person eventuell nicht zu sehen sind aus vermeintlicher Rücksicht. Danke.

