Bezüglich Neurodiversitäten / Egg Cracking / "Hinterm Busch halten"

Wir alle kommen zur Welt und erst einmal wird davon ausgegangen, dass wir der allgemeinen Norm entsprechen - und genau so werden wir erzogen. Da wir entsprechend davon ausgehen müssen, dass wir daher auch ebendieser Norm entsprechen und uns entsprechend anpassen, kann es manchmal ein sehr schwieriger und langwieriger Prozess sein zu erkennen, dass wir eben nicht dieser Norm entsprechen.

So. Jetzt kommst
du ins Spiel.

Es wird immer wieder gesagt, es wäre übergriffig, einer Person zu sagen/unterstellen, dass sie beispielsweise Autist*in sei oder der Verdacht bestehe, dass sie sich eventuell in einem anderen Geschlecht besser fühlen würde.

Ja. Aber.

Wenn
du mit der Verdachtsperson gut befreundet oder gar verwandt bist, wenn ihr euch wirklich gut kennt, dann sprich doch bitte die Verdachtsperson mal vorsichtig darauf an. "Die Person soll es selbst herausfinden" kann schon mal ein halbes Leben dauern und wenn du nach dieser Findung zu ihr sagst "Hätte ich dir auch vor 25 Jahren sagen können", dann ist das relativ erniedrigend und gemein, da der Person viele Jahre an mentaler Folter hätten erspart bleiben können.

Stell es dir vor wie einen Autounfall: Die verunfallte Person steht unter Schock, ist verwirrt und aufgrund der Umstände nicht wirklich in der Lage sich vollständig zu spüren und die Situation von Außen zu betrachten. Würdest du der Person mitteilen, dass sie sich doch kurz hinsetzen und auf den Krankenwagen warten soll, weil ihr noch ein Stück vom Airbag in der Stirn steckt - oder aus "Rücksicht" lieber vor ihr verschweigen - sie wird es ja schon selbst herausfinden....?

Also: Ihr dürft
bitte freundlich und behutsam gewisse Optionen und Möglichkeiten in den Raum stellen, ohne eine Diagnose erheben zu wollen - aber bitte ignoriert keine Anzeichen, die aus der Warte der anderen Person eventuell nicht zu sehen sind aus vermeintlicher Rücksicht. Danke.
@daswarkeinhuhn
Ganz viel ja!
Es soll ja niemand durch die Welt laufen und Diagnosen stellen, aber jemanden darauf hinzuweisen, dass ich einen Verdacht habe und das begründen ist ja etwas ganz anderes.

@daswarkeinhuhn Gilt auch in Bezug auf wahrgenommene problematische Partnerschaften.

Erst nach der Scheidung darauf angesprochen werden, war deutlich zu spät und dann so gar nicht mehr hilfreich.

@daswarkeinhuhn meh ... weiß nicht ob das ne universalie ist :/

@daswarkeinhuhn Bei ganz viel geh ich mit. Auch die Themenausweitung in den Kommentaren. Kritisches Ansprechen von Wahrnehmung ist wichtig in jeder sozialen Beziehung.

Daraus folgt aber auch eine gewisse Verantwortung. Sowas einfach droppen und der betroffenen Person hinschieben geht nicht. Mindestvorraussetzung ist Bereitschaft ne Antwort/Gegenposition zu hören und idealerweisse sollte man Bereitschaft und Kapazitäten haben zu helfen/unterstützen.

@daswarkeinhuhn das ist der wohl wichtigste Beitrag des heutigen Tages.

Danke

@daswarkeinhuhn Das ist jetzt einmal ein Datenpunkt aus meinem Leben, wo ich schon lange versucht habe in BDSM-Gruppen aufgenommen zu werden

Dort wurde oft wörtlich gesagt "wenn wir dir nicht Antworten und dich nicht in unsere Treffen einladen, dann geh in dich hinein und finde heraus was du ändern mußt"

Was ich sagen will ist, je sozial höher die Leute sind desto stärker pflegen sie eine Abehnung von allem was sie als unpassend empfinden, statt Menschen verstehen und integreieren zu wollen

@crazy_pony es gibt kaum etwas arroganteres als so ein Gatekeeping 🙄