Es ist in meiner klinischen Erfahrung kaum zu verhindern, dass *jeder* mit einem Sternchen beim Vitamin D auf dem Laborbefund eine Substitution bekommt.

Große Metaanalyse zeigt jetzt, dass die Einnahme von Kalzium, #VitaminD oder einer Kombination aus beiden so gut wie keinen Nutzen zur Vorbeugung von Knochenbrüchen oder Stürzen hat.

(Wichtig: Personen mit einer nachgewiesenen Osteoporose oder andere Personengruppen mit einer speziellen Indikation für Vitamin D wurden hier nicht inkludiert.)

> Calcium, vitamin D, or combined supplementation to prevent fractures and falls: systematic review and meta-analysis

https://www.bmj.com/content/393/bmj-2025-088050

Calcium, vitamin D, or combined supplementation to prevent fractures and falls: systematic review and meta-analysis

Objective To assess the effect of calcium, vitamin D, or combined supplementation on fractures and falls in adults. Design Systematic review and meta-analysis. Data sources Trials included in systematic reviews from 2014, three databases (Medline, Embase, CENTRAL) to 19 February 2025, clinical trial registries, abstracts from scientific meetings, and references from included studies. Eligibility criteria Randomised controlled trials comparing calcium, vitamin D, or combined supplementation with placebo or no treatment in adults (≥18 years) not receiving drug treatment for osteoporosis. Data extraction and synthesis The primary outcome was the risk of any fracture. Secondary outcomes included the risk of hip fracture, non-vertebral fracture, vertebral fracture, and falling, as well as the total number of falls. Pairs of reviewers independently screened trials, extracted data, and assessed risk of bias using the second version of Cochrane’s risk of bias tool. Findings were synthesised using random effects meta-analyses and appraised using Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation, with application of thresholds for absolute effects considered important. Results This review included 69 trials involving 153 902 participants. Participants in most of the trials were community dwelling (87%) and not at high risk of fractures or falls (73%). For the primary outcome of any fracture, little to no effect was found from use of calcium supplements (11 trials, 9067 participants; risk ratio 0.91, 95% confidence interval 0.81 to 1.01; moderate certainty), vitamin D supplements (36 trials, 92 045 participants; 1.00, 0.95 to 1.06; high certainty), or combined supplementation (15 trials, 51 126 participants; 0.91, 0.84 to 0.99; high certainty). Calcium, vitamin D, or combined supplementation appeared to have little to no effect on other fracture and fall outcomes, based largely on moderate to high certainty of evidence. The findings remained robust after an extensive exploration of heterogeneity across multiple subgroup analyses. Evidence for high risk patients or those requiring residential care was limited for many outcomes for calcium monotherapy and for combined supplementation. Conclusion Based on absolute risk reductions and thresholds considered clinically meaningful, this review found little to no benefits from use of calcium, vitamin D, or combined supplementation on the prevention of fractures and falls. Systematic review registration PROSPERO CRD42023483915. All the data are available on Borealis at <https://doi.org/10.5683/SP3/N98FVW>. If you experience difficulties accessing the data or require clarification, please contact the corresponding author.

The BMJ
@docjosiahboone
Oh, das ist sehr interessant.
Mir wurde in Bezug auf die Wechseljahre kommuniziert (Podcasts, Frauenärztin, Hausarzt), Östrogen, VitaminD und Kalzium wären die drei Dinge, die es für die Knochendichteerhaltung braucht.
Gibt’s Erkenntnisse in Bezug auf Alter und Geschlecht?

@lijepasam
Vitamin D wird halt allgemein als Wundermittel angepriesen, ist recht billig und hat kaum Nebenwirkungen, wenn man es nicht überdosiert.

Aber in der Studie wurde eben kein Nutzen gefunden. Frauen und Männer wurden verglichen, bei beiden brachte es nichts. Eine eigene Subgruppenanalyse bei älteren Frauen gab es aber nicht.

Frühere Studien zeigen meines Wissens nur bei Hochrisikopersonen einen gewissen Nutzen, also bei alten Frauen, die die Wohnung kaum mehr verlassen. Und natürlich bei Osteoporose.

@docjosiahboone Bin ich jetzt der einzige der sich fragt welchen Erkenntnisgewinn das bringt?
Also sozusagen: wenn <etwas> nicht brennt und auch nicht droht zu brennen hilft es nichts wenn man Wasser drauf schüttet.

Ja, ich weiss, nicht alles was hinkt ist ein Vergleich.

@RecoveredExpert
Vitamin D wird sehr viel verschrieben.
Die Patientys wollen es, die Ärztys geben es. Seit vielen Jahren.

@docjosiahboone Verschrieben wird das in D eher selten, die GKV zahlt es nur in bestimmten Fällen.

Mein Problem mit der D3 „Industrie“: es wird viel geld damit verdient. Nahrungsergänzungsmittel. Seit Jahren auch im TV beworben, am besten als Kombipräparat mit 3-4 anderen „Vitaminen“ & co.
Was ich als Folge sehe: die meisten seriösen Mediziner wollen das Thema nicht einmal mit der Kneifzange anfassen. Von Industrie gesponserten bis zu schlecht gemachten Studien alles da.

@docjosiahboone Mein Labborwert vor Jahren: 9 ng/ml 25(OH)D

Mal von den (eher diffusen) Folgen abgesehen: Es interessiert niemanden woher der extreme Mangel kommt. Mein HA würde das gerne rausfinden, aber Fachärzte interessieren sich nicht dafür und die GKV zahlt auch nicht für die Suche nach dem Grund.

@RecoveredExpert
Abgesehen von zu wenig Sonne sind die häufigen Ursachen eh Erkrankungen der Leber und der Nieren, außerdem schwerere Darmerkrankungen (Malabsorption). Außerdem Rauchen, Übergewicht, Alter und einige Medikamente.

Wenn es all das nicht ist, fällt mir nichts mehr ein.

Aber 9ng/ml sehe ich gar nicht selten, v.a. vor dem Sommer.

@docjosiahboone @RecoveredExpert Aber Vitamin D hat doch noch andere Funktionen, nicht nur irgendwas mit Knochen? Immunsystem usw?

@docjosiahboone Das weiss ich auch alles, hab (zwangsweise) viel dazu gelesen. Per Würfel die Ursache zu bestimmen bringt nix und für mehr bräuchte es Willen bei GKV und (Fach)Ärzten.

Klar, Übergewicht. Da schalten Fachärzte schon ab, weil das ja sicher der Grund ist. Auch beliebt für 0815-Diagnosen sind Medikamente die ich aktuell nehmen muss. Ignoriert wird dabei gerne: der erste Laborwert ist aus der Zeit vor irgendwelchen Medikamenten.
1/

@docjosiahboone
Dann das beliebte Thema „Sonne“. Nur ist der Laborwert selbst 3-6 Monate nach viel Sonne zuhause und 6 Wochen US Wüsten mit fast den ganzen Tag draußen und viel Sonne nicht über 20 gewesen. Bin Anfangs einige Jahre 2-3x im Jahr (auf eigene Rechnung) zum HA und hab den Wert bestimmen lassen um nicht raten zu müssen.

Keine Ahnung wie das in AT ist, aber hier in DE ist Vitamin D3 eine Sache der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
2/

@docjosiahboone Einschließlich der „Empfehlung“ zur max. Dosierung: 4000 IE. Wenn ich nicht von Oktober bis März 5000 IE/Tag nehme komme ich beim Test im Januar/Februar selten über 20 ng/ml.
3/

@docjosiahboone Das Wissen vieler Ärzte zu D3 ist auch erschreckend. Der HA meiner Schwiegereltern hat ihnen zu Anfang 20.000 IE empfohlen, aber vergessen zu erwähnen das sie das nur 1x die Woche nehmen sollen. Ich mein, wen interessiert schon Hyperkalzämie… 🙄
Mal ganz davon abgesehen, dass 20.000 IE/Woche nicht unumstritten ist.

Mich regt das fehlende Wissen bei Ärzten genau so auf wie die Scharlatanerie der Ergenzungsmittelhersteller und in Folge der Medien.