Ui. Der neue International Mister Leather ist nicht-binär.

James Heath-Clark, alias Hunter Davenport, Drag Queen, Sänger*in, Schauspieler*in, Drag Show host und Aktivist*in, war 2019 als Honey Davenport Kandidatin bei RuPaul's Drag Race und hat wohl erst relativ spät den Weg in die Leder-/Kink-Szene gefunden. Jetzt wurde they aus ca. 70 Kandidaten /*innen zum 48. International Mister Leather gewählt.

"Leather is drag to me, drag is a kink."

Ich könnte mir vorstellen, dass ein paar Ledermänner, die ihre Männlichkeit furchtbar ernst nehmen, nicht so begeistert sind. Meiner Erfahrung nach gibt es aber in der Lederszene viele (ich hoffe, viel mehr), die mit den szeneüblichen überoptimalen Gender-Markierungen und ihrer eigenen Geschlechtsidentität vor allem spielerisch und ironisch umgehen. Sie haben jetzt eine ausgesprochen würdige Repräsentation gefunden.

Herzlichen Glückwunsch!

https://en.wikipedia.org/wiki/Honey_Davenport

https://www.queer.de/detail.php?article_id=58119

#InternationalMisterLeather #NichtBinär #Drag

Honey Davenport - Wikipedia

Ich habe inzwischen ein bisschen unsystematisch recherchiert und ich finde ausschließlich positive bis begeisterte Reaktionen auf die Wahl. Zwei Personen erwähnen Kritik, um James / Honey / Hunter dagegen in Schutz zu nehmen. Was genau manche Leute stört, kann ich also nicht zitieren.

Jetzt bin ich indirekt doch über eine Kritik gestolpert. Die Vorwürfe sind in diesem Fall:

- Die Wahl habe sich sich den kruden Diversitätsanforderungen externer Sponsoren unterworfen.

(Als hätte die Jury keine authentische eigene Haltung oder valide Kriterien. Als könne diese Entwicklung nur von außen aufgestülpt sein und auf gar keinen Fall eine konsequente Weiterentwicklung der Kink-Szene selbst.)

- Maskuline Ledermänner würden aus der Community verdrängt.

(Wegen einer einzigen Wahlentscheidung? Erinnert mich irgendwie an den "Großen Austausch" in schwul).

- Man habe immer gegen den Vorwurf (!) gearbeitet, alle Schwulen seien "Sissies". Jetzt werde dieses homophobe Klischee bestätigt: Alle (!) würden tatsächlich nur noch (!) durch "Sissies" (!) repräsentiert.

(Uff, wo soll man da anfangen?)

- Man könne heute kein stolzer männlicher Ledermann mehr sein, weil man dann sofort als transfeindlich angefeindet werde.

(Irgendwie ist es überall dasselbe verdrehte Herumgeopfer.)

Kurz gesagt, alles ist genau so vorhersehbar und ignorant wie erwartet. Das einzig interessante ist für mich, wie am rechten politischen Rand offenbar überall dieselben Narrative und Fehlargumente herum wandern, sogar in der Fetischszene.

@der_zaunfink

Ich finde es immer erstaunlich zu sehen, dass Menschen glauben, man käme mit nur einer Haupteigenschaft zur Welt und die ist dann auch unveränderlich für immer.
Gibt es in deren Welt keine Schnittmengen? Was ist, wenn ich Rollenspielerin und lesbisch bin? Verdränge ich dann die Heten aus dem Rollenspiel? Oder die Tennis spielenden Lesben? Und was, wenn ich nebenbei sogar noch eine andere Hautfarbe als weiß habe und Dachdeckerin bin?
Meine Fresse, wird das dann kompliziert.

@Schwester_Philomena
„Die Welt wird durch mehr Perspektiven komplizierter. Aber in der Astrophysik sagt man ja auch nicht, das ist so komplex, das lassen wir jetzt.“
- Alice Hasters