Wir reden ja gerne von der notwendigen media literacy - war am Überlegen, ob es nicht auch oder noch mehr eine Art democracy literacy geben müsste.

Turns out: Haben andere auch schon gedacht, democratic literacy ist das Stichwort.

Gut so.

Ich habe über die Rolle der Medien in der Demokratie und das Problem mit der Unterhaltung nachgedacht. Ist länger geworden. Hier entlang bitte:

#rp26 #DemocraticLiteracy #Beteiligung #Demokratie

https://procial.tchncs.de/notes/amls1qgyi1r701n6

Funkvolk (@funkvolk)

Ich hatte die Gelegenheit, das Panel zum Thema „Einigkeit ist keine Neuigkeit“ auf der Republica26 zu verfolgen. Ich hätt gern ne Frage dazu gestellt, aber es kam nicht dazu und wahrscheinlich war das für alle Beteiligten besser, denn es wäre eines der gefürchteten Co-Referate geworden. Deswegen jetzt hier: Es ist halt leider wirklich so: Medien erzählen Geschichten, und der Kern einer Geschichte ist ein Konflikt. Ohne Konflikt keine Veränderung, die erzählt werden könnte. Das ist nicht böse gemeint, das ist einfach schlichtes Handwerk, denn Menschen lesen in ihrer Freizeit selten Einkaufszettel oder Telefonbücher, sondern sie lesen/hören/schauen Geschichten, in denen jemand ein Problem hat, das er/sie versucht zu lösen mit mehr oder weniger Erfolg. So funktioniert Unterhaltung. Und ohne Unterhaltung braucht man heutzutage niemandem mehr kommen, auch nicht in den politischen Nachrichten. Früher™ dachte man, man könne den Menschen die Sachinfos unter dem Zuckerguss der Unterhaltung unterjubeln. Infotainment war das Stichwort. Heute haben wir vor allem Tainment und kaum mehr Infos. Oder, wie es die Kolleg*innen auf dem Panel so schön formuliert haben, ich zitiere aus dem Gedächtnis: „Den Sachkack liest halt niemand.“ Und damit endet dann meist die Diskussion. Im Kampf um den nächsten Dopamin-Kick wendet sich das durchschnittliche Leser*/Hörer*/Zuschauer*innen-Hirn eher nicht den Details des neuesten Koalitionsvertrags oder den klügsten Vorschlägen zur Steuergesetzgebung zu, sondern den tausend dopaminhaltigeren Angeboten. Die Info-Medien versuchen mitzuhalten und in all dem dann wenigstens noch einen schönen Konflikt zu finden. Und dann wundern sich alle und sind genervt weil überall nur noch Streit zu sein scheint. Das Kernproblem aus meiner Sicht ist dabei ein Rollenproblem: Die Medien schreiben und senden für ein Publikum. Die Gesellschaft konsumiert als Publikum. Ein Publikum, das völlig zu Recht unterhalten werden möchte. Was wir dabei allesamt übersehen: Das Publikum hat auch eine andere Rolle, nämlich die Rolle der Bürger*innen. Und in dieser Rolle, oder wenn man sich vor dem Handy oder dem Fernseher mehr in dieser Rolle sähe, dann wäre der Unterhaltungsaspekt sicher nicht weg, aber er wäre weniger wichtig. Ich denke, wir müssen damit anfangen, dass Nachrichten-Medien ihr Publikum bewusst als Bürger*innen sehen. Daraus ergibt sich die Aufgabe, die Menschen in ihrer Rolle als Bürger*innen zu briefen. Und die Bürger*innen müssen das dann halt leider auch lesen/hören/ anschauen, sonst funktioniert dieses ganze Demokratie-Ding nicht. Wie wir das gemeinsam am besten hinkriegen, darüber sollten wir reden. https://re-publica.com/de/session/einigkeit-ist-keine-neuigkeit-oder-doch-was-denken-und-wie-berichten-journalistinnen-ueber #rp26 #DemocraticLiteracy #Journalismus #Politik #Demokratie #Beteiligung

tchncs
@funkvolk Kluger Text. Lesenswert. Und bedenkenswert.
@funkvolk Der letzte Absatz bringt es auf den Punkt. Sehe ich genauso.