RE: https://legal.social/@malteengeler/116602269912605372

Dieser Text ist nicht radikal, er ist ehrlich. Ich erlebe diese schleichende Selbstzensur in meinen Gesprächen mit NGO-Menschen und ich lese sie zwischen den Zeilen ihrer Presseerklärungen. Ich schreibe das nicht als Vorwurf. Ich schreibe das vor allem ratlos. Wir alle erleben gerade gemeinsam, wie progressive Positionen als "extrem" markiert werden. Und ich sehe praktisch keinen Widerstand. Ich sehe stummes Anpassen und Sich-Fügen.

@malteengeler glaube die Antwort kann nur sein, dass alle die es sich leisten können radikal linkere Positionen vertreten müssen und keine Angst haben dürfen vorm anecken. Das lässt die anderen automatisch gemäßigter wirken.
@sonjalemke @malteengeler
@alineblankertz

Der @LordCaramac schrieb neulich mal (in ähnlichem Kontext):
"Es müsste eine radikale linke Partei geben, die immer maximale Forderungen stellt."

Der Beitrag war länger, ich krieg das nicht mehr zusammengefasst.
Vielleicht mag er das hier nochmal ausführen?

Ich fand es sehr lesens- und nachdenkenswert!
@fasnix @alineblankertz @malteengeler @sonjalemke Diese Nacht vermutlich nicht mehr.
@fasnix @alineblankertz @malteengeler @sonjalemke Es braucht nicht unbedingt eine neue Partei, aber es braucht neue Leute. Es braucht mehr Frechheit von linker Seite, mehr linksradikale Unverschämtheit, mehr Provokation. Anstatt einfach nur bekannte alte sozialdemokratische Texte abzuspulen, braucht es Linke, die Maximalforderungen stellen. Radikale Umverteilung, maximal mögliche Arbeitszeitverkürzung, volle Gleichberechtigung für alle. Die radikale Rechte hat jahrzehntelang das Overton Window verschoben durch derartige Provokationen, hat den gesamten öffentlichen Diskurs nach rechts verschoben. Es braucht radikale Linke, die die Grenzen des Sag- und Denkbaren hart nach links verschieben. Kein Kuscheln mit Konservativen oder Liberalen, kein Anbiedern an Seeheimer-SPDler, die schon lange nicht mehr sozialdemokratisch sind, stattdessen ganz offen darüber reden, die Strukturen des Kapitalismus, des Nationalismus, der Heteronormativität, der konservativen Kultur und Tradition auseinanderzunehmen. Je mehr die Öffentlichkeit sich das Maul darüber zerreißt, desto besser. Nicht versuchen, auf die anderen Parteien zuzugehen, sondern über die andere Welt reden, welche möglich wäre, wenn die Bourgeoisie weg wäre und das Kapital demontiert. Nicht versuchen, Bürgys an die Wahlurnen zu bringen, sondern Autonome, Punker, Bohemiens, radikale Unzufriedene. Nicht die kulturell konservativen Proletarier zu umgarnen versuchen, die gegen ihre materiellen Interessen AfD wählen, weil sie Schwuchteln und Transen hassen, sondern deren aus der Familie verstoßene queere Kinder.
@LordCaramac

Gegenthese:

Es ist nicht zielführend die provokative Diskursverschiebung nachzuahmen, dazu gegen FakeNews-Schleudern und  Bot-Armeen anzukrakelen, und im Duell gegen die extreme Rechte damit ausgerechnet jene Waffe zu wählen, die sie perfekt beherrscht, und ideologie-immanent maximal bevorteilt.

Gute (im Sinne von erfolgreiche) antifaschistische Praxis am Vorabend der 2.Machtergreifung durch Faschisten in DE nimmt a) die absolute Notwendigkeit der Anschlussfähigkeit an bürgerlich-liberale Milieus als Grundvoraussetzung zum Erfolg zur Kenntnis, und schafft es b)  unter Verzicht auf verbrannte Codes und durch die Entwicklung einer gemeinsamen Sprache selbst so anschlussfähig zu werden, dass sich vorher passive und lethargisch e Menschen plötzlich aktiv für z.B. "demokratische Resilienz" engagieren, denen "Antifa(schismus)" entweder zu krawallig klingt, und/oder die aus anderen Gründen nicht in klass. AFA-Stukturen passen, und sei es weil sie sich dort warum-auchi-mmer nicht wohl fühlen.

Hier in Dresden/Sachsen komme ich mit diesem Wörterbuch Antifa/Bürgy Bürgy/Antifa jedenfalls seit Monaten weiter als in den 25 Jahren zuvor mit "Pirantifa", Revolutionsfolklore und.. haste-nicht-gesehen. 🤷

Ja, es ist nicht immer einfach den eigenen Wunschzetteln *nicht* zum Maß der Dinge zu machen, aber seit ich den Aktionsrahmen und Duktus möglicher Allies nicht nur respektiere, sondern als wichtigste Kenngröße behandle, klappt's auch mit den Nachbarn. 😁

@fasnix @alineblankertz @malteengeler @sonjalemke