"Befürchten Sie, dass Ihre Gedanken Sie dazu verleiten könnten, etwas Schreckliches zu tun? Oder werden Sie von dem Gedanken geplagt, dass Sie ohne es zu merken bereits etwas Schlimmes getan haben? Oder glauben Sie, dass es etwas zu bedeuten hat, wenn Sie auf solche Gedanken kommen? Oder bringt ein Gedanke Sie schier um den Verstand, weil Sie ihn einfach nicht aus Ihrem Kopf herauskriegen? Oder graut Ihnen davor, dass diese bizarren, abstoßenden oder brutalen Szenen, die sich immer und immer wieder in Ihrer Vorstellung abspielen, ein Zeichen dafür sein könnten, dass Sie total verkorkst sind und sich deswegen schämen müssten? Hoffen und beten Sie, diese Gedanken mögen niemals mehr wiederkehren? Aber sie kehren wieder und hören nicht auf, Sie zu bedrängen. Sie haben sich in Ihren Kopf hineingebohrt und stecken fest.“

"Unsere erste Botschaft lautet: Sie sind nicht allein."

-- Sally M. Winston & Martin N. Seif: Tyrannen in meinem Kopf. Zwangsgedanken überwinden - ein Selbsthilfeprogramm

https://www.junfermann.de/titel/tyrannen-in-meinem-kopf/1148

Tyrannen in meinem Kopf | Junfermann Verlag

Junfermann Verlag, Paderborn. Der führende Fachbuchverlag für alle Bereiche der angewandeten Psychologie.

"So denken friedliebende, liebenswürdige Menschen, die Sanftmut schätzen, andere rücksichtsvoll behandeln, ein ruhiges Leben führen und Gewalt richtiggehend verabscheuen, geradezu zwanghaft an Gewaltszenen. Werden sie von dem Gedanken überfallen, andere zu verletzen, bekämpfen sie ihn natürlich mit allen Mitteln - weshalb er sich festsetzt.

Szenen, bei denen Kinder missbraucht, Katzen aus dem Fenster geschleudert oder Babys fallen gelassen werden, sind wiederum vorzugsweise Thema der Gedanken von Menschen, die sich für die Schwachen unserer Gesellschaft einsetzen.

Religiöse Menschen werden von Gott lästernden Einflüsterungen und Glaubenszweifeln geplagt.

Und bei allen gilt dasselbe Prinzip: Je heftiger man sich gegen die Gedanken wehrt, desto hartnäckiger schlagen sie zurück - und bohren sich fest."

https://www.junfermann.de/titel/tyrannen-in-meinem-kopf/1148

Tyrannen in meinem Kopf | Junfermann Verlag

Junfermann Verlag, Paderborn. Der führende Fachbuchverlag für alle Bereiche der angewandeten Psychologie.

Die Artenvielfalt aufdringlicher Gedanken

2.1 Unmoralische Gedanken

Die erste Art belastender aufdringlicher Gedanken dreht sich um Inhalte, die als moralisch verwerflich gelten, wie zum Beispiel: anderen oder sich selbst zu schaden, Sex, religiöse Tabus sowie alles, was das hygienische oder ästhetische Empfinden stört und Ekel hervorruft. […]

2.2 Gedanken über „die wichtigen Fragen des Lebens“

Das Problem bei dieser Kategorie von Gedanken ist, dass man unaufhörlich nach Antworten auf Fragen sucht, für die es letztendlich keine gibt. Meistens drehen sie sich um den Sinn des Lebens, darum, dass es für nichts eine Garantie gibt, keine Gewissheit. Oder sie beschäftigen sich mit der Frage, was eigentlich Wirklichkeit ist und woher man weiß, ob der eigene Glaube oder die Gefühle echt sind. Es sind vielschichtige Fragen, die einem am Herz liegen und auf die es keine definitiven Antworten gibt. […]

2.3 Absurde Gedanken

Die dritte Art aufdringlicher Gedanken sind die anscheinend absurden. Ständig wird man von Zweifeln geplagt und muss gedanklich alles immer wieder durchgehen und einer strengen Kontrolle unterziehen. […]

2.4 Übertriebene Gewissenhaftigkeit

Hier kreisen die Gedanken – auf religiöser oder nichtreligiöser Ebene – um rechte und unrechte Verhaltensweisen, Intentionen oder Charaktereigenschaften. Man verlangt ein hohes Maß an Korrektheit, Gerechtigkeit, Tugendhaftigkeit, Güte oder Großzügigkeit und geht mit sich selbst und anderen streng ins Gericht. […]

2.5 Sexuelle Orientierung und Identität

Hierbei kreisen die aufdringlichen Gedanken um die Befürchtung, dass man womöglich ein Leben führt, das nicht der wahren sexuellen Identität oder Orientierung entspricht. […]

2.6 Aufdringliche bildhafte Vorstellungen

Man kann mit Worten denken, also eine Art inneres Selbstgespräch führen. Man kann aber auch in Bildern oder Vorstellungen denken. Viele aufdringliche Gedanken werden als störende „Selbstgespräche“ erlebt, doch es gibt auch solche, die beinahe ausschließlich aus bildhaften Vorstellungen (Brewin et al. 2010) bestehen. Vielleicht haben Sie das schon bei sich selbst festgestellt.

Aufdringliche bildhafte Vorstellungen können aus statischen „Fotos“, aber auch aus „Kurzfilmen“ bestehen. Manche sind an Erinnerungen an tatsächliche Erlebnisse geknüpft, andere ein Produkt der Fantasie.“ […]

2.7 Besorgnis

Jeder Mensch kennt dieses beklemmende Gefühl namens Besorgnis, von der es zwei Arten gibt: die produktive und die giftige (Leahy 2005). Letztere zählen wir zu den belastenden aufdringlichen Gedanken.

Die produktive Art, sich Sorgen zu machen, beginnt mit einem Problem, trifft auf eine Lösung und endet in einem Plan, der dann ausgeführt wird. Außerdem – und dies ist wichtig – hört die Sorge an diesem Punkt auf. Nehmen wir als ganz einfaches Beispiel folgende Situation. Stellen Sie sich vor, Sie fahren Auto, Ihr Blick fällt auf die Benzinuhr, und Sie stellen fest, dass der Tank fast leer ist. Besorgt fragen Sie sich, ob es reichen wird. Ihre Lösung: Tanken. Ihr Plan: Sofort zur nächsten Tankstelle fahren. Sie tanken und sind die Sorge los.

Giftig wird es, wenn Sie sich über Themen mit ungewissem oder unklarem Ausgang den Kopf zerbrechen, zu keiner Lösung finden und nicht planen können. Dann kehrt die Sorge zurück, und der ganze Prozess beginnt von vorn. Er endet in der Sackgasse. Giftige Besorgnis beginnt mit der Frage „Und wenn nun ...?“ und mündet in eine Endlosschleife unbefriedigender „Lösungen“. Alle Versuche, sich mithilfe von Problemlösungen zu beruhigen, scheitern.

2.8 Gedanken, die nicht ausschließlich belastend und aufdringlich sind

[…]
Rache
Trauer
Liebeskummer
Feindseligkeit
[…]

2.9 Persönlicher Verlust, Versagen oder Fehler

Auch frühere oder zukünftige Fehler können Thema belastender aufdringlicher Gedanken sein. Diese werden zwar als „irrational“ und übertrieben wahrgenommen, aber trotzdem ist da dieses ungute Gefühl, einen schrecklichen und niemals wiedergutzumachenden Fehler begangen zu haben, das an den Nerven zehrt. Es ist völlig egal, ob es sich um die vage Ahnung, etwas Wichtiges übersehen oder vergessen zu haben, oder um eine echte Erinnerung handelt. […]

2.10 Somatosensorische Intrusionen

Bei manchen Menschen äußern sich Intrusionen nicht auf der gedanklichen oder bildlichen Ebene, sondern auf der körperlichen, d.h. in Form von Empfindungen. […]

-- gekürzte Auszüge aus: Sally M. Winston & Martin N. Seif: Tyrannen in meinem Kopf. Zwangsgedanken überwinden - ein Selbsthilfeprogramm

https://www.junfermann.de/titel/tyrannen-in-meinem-kopf/1148

Tyrannen in meinem Kopf | Junfermann Verlag

Junfermann Verlag, Paderborn. Der führende Fachbuchverlag für alle Bereiche der angewandeten Psychologie.

Überschriften des 3. Kapitels:

3. Was Gedanken bedeuten – Fakt versus Fiktion

3.1 Wir haben unsere Gedanken unter Kontrolle – Fiktion Nr. 1

3.2 Man ist, was man denkt – Fiktion Nr. 2

3.3 Die Gedanken offenbaren das Innenleben eines Menschen – Fiktion Nr. 3

3.4 Das Unbewusste bestimmt unser Tun – Fiktion Nr. 4

3.5 Wenn man etwas denkt, wird es wahrscheinlich auch passieren – Fiktion Nr. 5

3.6 Wenn man etwas denkt, wird es wahrscheinlich nicht passieren – Fiktion Nr. 6

3.7 Wer aufdringliche Gedanken hat, muss krank sein – Fiktion Nr. 7

3.8 Jeder Gedanke ist es wert, gedacht zu werden – Fiktion Nr. 8

3.9 Wiederkehrende Gedanken müssen wichtig sein – Fiktion Nr. 9

https://www.junfermann.de/titel/tyrannen-in-meinem-kopf/1148

#Zwangsgedanken

Tyrannen in meinem Kopf | Junfermann Verlag

Junfermann Verlag, Paderborn. Der führende Fachbuchverlag für alle Bereiche der angewandeten Psychologie.