Was einem niemand sagt, wenn man jahrelang pendelt: Man entwickelt eine Beziehung zum System. Man hört auf, dagegen anzukämpfen. Man lernt seine Stimmungen kennen, seine schlechten Tage, seine versteckten Vorzüge. Man baut sich ein mentales Modell von Störungszonen, Ausweichrouten und den tragenden Menschen darin.
Und irgendwann merkt man, dass das Bordrestaurant freitagabends um 21 Uhr zwischen Hamburg und Frankfurt einer der still zivilisiertesten Orte Europas ist: müde Berufspendlerinnen und Berufspendler, die Romane lesen und überteuerte Suppe essen – und dass man das gegen keinen Flug tauschen möchte.
Die DB wird dich enttäuschen. Aber sie wird dich auch öfter, als das Internet glauben macht, mit acht Stunden ununterbrochener Denkzeit bei 250 km/h quer durchs Land transportieren, dich in Laufweite zum nächsten Termin absetzen und dich gelegentlich als Entschuldigung bei Abendsonne den linken Rhein entlang umleiten.
Der Trick besteht darin, das Erste einzuplanen und das Zweite zu genießen. (14/15)