Auf den Algorithmus getriebenen Plattformen merkt man, dass Mehrdeutigkeit und Zwischentöne nicht favorisiert werden.

Das hat Hartwin Maas sinngemäß im Podcast von Maja Göpel gesagt. Dem würde ich nicht widersprechen. Spannend finde ich, dass auch hier, ganz ohne Algorithmus, das gleiche zu merken ist. Aber irgendwoher muss der Algorithmus es ja haben, dass wir Zwischentöne nicht gerne sehen wollen. Es sollte mich also weniger erstaunen als es das kurz tat.

@fuzzyleapfrog Gehört, glaube ich, in eine ganze Reihe von Dingen – ebenso wie z.B. sich in Filter-Bubblen einzuigeln – die Menschen gerne „dem Algorithmus“ oder den „kommerziellen Plattformen“ vorwerfen, die aber zu einem sehr großen Teil einfach menschlich sind.
@HeptaSean @fuzzyleapfrog 'der Algorithmus' maximiert Engagement mit der Plattform - in unzähligen A/B Tests immer wieder kleiner Anpassungen ausprobiert.
@HeptaSean @fuzzyleapfrog Daher: Zwischentöne führen zu weniger Engagement. Vielleicht sind sie schwerer zu erfassen, vielleicht reicht bei manchen die Lesekompetenz nicht zum Verständnis, vielleicht gehen sie neben eindeutigen Texten unter...
@mainec In wie weit erklärt das die Erfahrung, dass auch hier Zwischentöne ungern gesehen/gehört werden? @HeptaSean
@fuzzyleapfrog @mainec Das, was in „den Algorithmus“ eingeht – dass Menschen (im Schnitt, nicht alle) Zwischentöne aus Faulheit, Unfähigkeit oder Widerwilligkeit nicht so mögen – ist ja hier auch so, wird halt nicht durch einen intransparenten Algorithmus verstärkt, sondern „nur“ durch Wegscrollen, Nicht-Boosten, Nicht-Antworten und eventuell Entfolgen/Muten/Blocken.
@HeptaSean @fuzzyleapfrog Danke fürs neu formulieren meines zweiten Satzes, anscheinend war der zu indirekt, um ihn als plattformunabhängige Erklärung zu verstehen
@mainec @fuzzyleapfrog Wahrscheinlich mache ich das auch zu oft. Selbst in Bereichen, in denen ich Zwischentöne schätze, interagiere ich, fürchte ich, immer noch intensiver mit den Nicht-Zwischentönen, fast egal ob durch Widerspruch oder durch „Endlich sagt's mal einer!“-Boost.

@HeptaSean @fuzzyleapfrog spannend wäre: sind Zwischentöne allgemein etwas, was Menschen eher weg blättern - und wenn ja, warum

Oder ist bei Fediverse clients ein ux pattern übernommen, dass zu diesem Effekt führt?

@mainec @fuzzyleapfrog Was es, glaube ich, schon immer gab: Zwischentöne neigen dazu, ein bisschen dröge, ein bisschen langweilig zu sein. Klare Kante gibt dem Tag Struktur, auch wenn sie nur eine Halbwahrheit ist.

Was, glaube ich, in den letzten paar Jahr(zehnt)en schlimmer geworden ist: In ganz vielen Bereichen werden Zwischentöne als verdecktes Agieren für die jeweilige „Gegenseite“ wahrgenommen – und das auch noch oft zu recht.

Bei einem Zwischenton, der in Richtungen wie „not all men“, „not all AfD-Wählers“ oder „not all Corona-Schwurblers“ geht, fehlt mir auch oft einfach nur die Lust herauszufinden, ob das jetzt ein ehrlicher Zwischenton oder einfach nur Derailing ist.

In jedem Fall: Ich glaube kaum, dass das UX/Technik ist. Das ist 90% Mensch.

@fuzzyleapfrog

Ich denke Mehrdeutigkeit, Zwischentöne oder feine Ironie sind oft für die Lesenden nicht eindeutig, zumindest wenn man den Schreibenden nicht kennt. Wenn einem das Thema nicht wichtig ist scrollt man einfach weiter. Und boostet weniger weil man nicht weiß, wie die Empfänger die Message verstehen.

Insofern passt was @mainec @HeptaSean geschrieben haben und Algorithmen verstärken menschliches Verhalten und sind nur auf „verwertbares“ Engagement aus.

Aber Vorteil hier ist, dass Beiträge auch ohne „Likes“ in der Timeline landen während Algorithmen nur die einfachen, „klickbaren“ Inhalte ausspielen. Weniger boosts und damit Verbreitung sind natürlich auch hier ein Thema, aber man sieht halt nicht, wieviele Menschen sich einen Beitrag angesehen haben und sich vielleicht still über Zwischentöne gefreut haben oder über die Mehrdeutigkeit nachgedacht haben. Ich nehme aus Beiträgen mit ein/zwei Favs oft mehr mit als von solchen mit >100 Engagements, die auch genauso auf Insta stehen könnten.

@ThorstenMunk Ich beobachte eher, dass Menschen mit Zwischentönen hier wenig willkommen sind. @mainec @HeptaSean

@fuzzyleapfrog @ThorstenMunk @mainec Ich fürchte, das kommt sehr auf den konkreten Zwischenton an. Und das auch bei mir. Bei uns?

Ein „Vielleicht ist das Fediverse gar nicht _so_ geil, wie Ihr glaubt?“-Zwischenton bekommt in meiner Bubble relativ viel Zuspruch, lockt aber manchmal dann auch die Bros an.

Ein „Vielleicht haben Männers es ja doch ganz schwer?“-Zwischenton muss auch bei mir schon eine ziemliche Hürde nehmen, um nicht angewidert weggescrollt zu werden (oder schlimmeres).

Zwischentöne zu Israel/Palästina sind mir persönlich und meinem Eindruck nach auch größeren Teilen meiner Bubble sehr willkommen, aber da gibt es natürlich auf beiden Seiten sehr viele, die sehr sofort sehr harsch reagieren.

usw. usf.

@HeptaSean Absolut und ich denke, dass wir uns selbst da, genau wie die Algorithmen, trainiert haben. Das ist ja auch durchaus nützlich, so menschlich betrachtet. Und so ist es eben wirklich schwer sie doch zuzulassen und anzuhören. @ThorstenMunk @mainec
@fuzzyleapfrog @ThorstenMunk @mainec @HeptaSean Woran machst Du das fest? Also, wie definiert sich „willkommen“? Zwischentöne brauchen etwas mehr Aufmerksamkeit als plakative einfache oder gar provokante Standpunkte. Tu eine Menge Menschen in einen Raum, was passiert? Es bilden sich Kleingruppen, die sich auf ein Thema/Diskurs oder eine Weltanschauung einigen können. Zwischentöne kann man vermutlich nur innerhalb dieser Gruppen hören, nicht als Vorbeilaufende:r.
@Optimisc An den Reaktionen darauf. Es wäre sehr spannend das wissenschaftlich zu untersuchen, also wie viel ist am Eindruck dran. @ThorstenMunk @mainec @HeptaSean
@fuzzyleapfrog @Optimisc @ThorstenMunk @HeptaSean Hmmm, "Menschen mit Zwischentönen" - ich glaube dafür brauche ich ein Beispiel. Ich ging von "Posts mit Zwischentönen" aus. Spannend wäre auch, welche Zwischentöne und inwiefern das im realen Leben oder in anderen Medien anders ist
@mainec Ich glaube, da hier jetzt nur ein Missverständnis vorliegt was "mit" meint. Also eine Person kann mit einer Meinung unterwegs oder vertreten sein, die zwischen den Polen einer Debatte liegt. Nicht, dass der Zwischen eine Eigenschaft der Person ist. @Optimisc @ThorstenMunk @HeptaSean

@fuzzyleapfrog das ändert für mich den Blick auf die ursprüngliche Aussage deutlich und erinnert spontan an manche Schulhöfe: "bist du nicht mit mein Freund, gehörst du nicht mehr zur Clique"

Sind einfache Narrative allgemein bei Menschen populärer - oder steht einer differenzierten Diskussion die Kürze der toots im Weg?

@Optimisc @ThorstenMunk @HeptaSean

@mainec Ist, glaube ich, nicht nur die Kürze der Posts. Die sind ja gar nicht so kurz und können zumindest durch Threads beliebig erweitert werden. Außerdem passiert das ja nicht nur auf Microblogging-Plattformen, sondern quasi überall im Internet und eigentlich auch außerhalb.

Ja, wahrscheinlich sind einfache Narrative populärer, möchten Menschen bei all den multiplen Krisen, die sie umgeben, zumindest klare Positionen am besten mit klaren Schuldigen und klarer Richtung für den eigenen Wunsch nach Aktivismus haben.

Faktor könnte auch sein, dass sie ein paar mal zu oft von denjenigen beschissen wurden, die „Ja, aber so einfach ist das alles nicht und man muss auch die andere Seite betrachten.“ sagen.

@fuzzyleapfrog @Optimisc @ThorstenMunk