„Papa, du bist doch nicht behindert! Behindert bedeutet, dass man dumm ist."
Mein Sohn. Elf Jahre. Wächst täglich mit mir auf — ich bin im ♿.

Ich hab kurz geschluckt. Und dann nachgedacht.
Nicht weil er böse war — er wollte mich verteidigen. Sondern weil er dafür unbewusst ein Bild übernommen hat, das mich ausgrenzt.

Dieses Bild steckt in unserer Sprache. „An den Rollstuhl gefesselt." „Trotz seiner Behinderung." „Leidet an." Klingt harmlos — verrät aber eine Grundhaltung: Behinderung ist Mangel. Abweichung. Etwas, das man trotzdem überwindet.

Das ist Ableismus. Und er sitzt tief — auch dort, wo man ihn am wenigsten erwartet.

Im neuen Artikel schreibe ich darüber, was das Wort „Sonderschule" wirklich bedeutet, warum gut gemeinte Advocacy das falsche Bild transportieren kann — und was ich meinem Sohn am Küchentisch geantwortet habe.

🔗 https://rollingsohn.substack.com/p/papa-du-bist-doch-nicht-behindert

#Inklusion #Ableismus #BarrierenImKopf #rollingsohn

Papa, du bist doch nicht behindert!

Warum dieses Wort als Schimpfwort funktioniert — und was das über uns sagt

RollingSohn | Willkommen am Abgrund 🖤
@RollingSohn Das erinnert mich an eine Situation mit meiner Mutter. Wir, ich 17, warten mit einer Busladung Bildungsbürger an der Hotelrezeption auf die Zimmerschlüssel. Muttern im Rolli wartet brav in der Schlange. Sagt so eine Gutmenschen-Trulla "Wer gibt ihr denn jetzt den Schlüssel und erklärt ihr das?" 💣💥☠️ "Meine Mutter sitzt im Rollstuhl, aber sie ist nicht dämlich!!!"
[Ich liebe es eh wenn man in der 3.Person von Anwesenden spricht.]

@nschotschi absolut furchtbar, ja - Menschen mit Behinderung nicht direkt ansprechen und in der 3. Person über sie reden, wenn sie daneben stehen, geht gar nicht!!!

Passiert leider immer noch viel zu oft 😞

@RollingSohn

Absolut, wir dürfen nicht aufhören die Barrieren im System statt im Individuum aufzuzeigen!
Danke für das Teilen ♥️🌈💐

@RollingSohn ich denke, dass die Aussage auch seine Wahrnehmung trifft. Du kannst/machst (auch dank technischer Hilsmittel) vermutlich viel; was nicht geht, lasst Ihr bleiben. Er erlebt nicht, wenn du behindert bist/wirst.

Wenn er mit Geistig/Emotional Behinderten zu tun hat, erlebt er anderes. Die verstehen (seine) Konzepte/Kommunikation nicht, können sich nicht organisieren, ... "sind dumm". Und werden, da Inklusion oft von unserem Verhalten und nicht von Technik abhängt, mehr behindert.

@dancing_goblin Spannende Beobachtung - ja. Im Fussballstadion stehen wir immer bei Jakob, einem jungen Mann mit Mehrfahrbehinderung. Also schwerer E-Rollstuhl, undeutliche Sprache, eingeschränkte Mobilität in den Armen ... da war mein Sohn am Anfang schon "eingeschüchtert" ... aber auch hier gilt, sobald er ihn kennen gelernt hat, war es auch schon wieder ganz normal! Unter anderem darum finde ich inklusive Schule so wichtig - für ALLE Kinder. Vor allem eben auch für die ohne Behinderung. Weil sie nur dort die "Berührungsängste" verlieren!