Muttertag - ein Rant
(ich bin so aufgebracht, dass ich mich gerade an den Rechner setze und die folgenden Zeilen schreibe, anstatt das Bad zu reinigen, ein Geburtstagsgeschenk für den Kindergeburtstag zu kaufen, die Küche zu reinigen, den Garten zu jäten was jetzt eigentlich an der Reihe wäre)
Die SZ hat heute einen Artikel im 'Thema der Woche': "Muttertag - Care-Arbeit ist immer noch Frauensache".
Ungeachtet dessen, dass es vielfach wahr ist was dort geschrieben steht: Es ist vorhersagbar
dass es zu Muttertag bzw. zum Weltfrauentag in diversen Magazinen und Zeitungen einen Artikel gibt und das Thema dann die restlichen 363 Tage wieder verschwunden ist. Okay, immerhin gibt es mal Artikel dazu. Besser als nichts.
Trotzdem bleibt der fade Beigeschmack, dass Mütter (= Frauen mit Familienverantwortung, Mütter als Begriff für Frauen die Care-Arbeit übernehmen) in diesem Land sehr viel leisten. Dass sie sich um das Klein-Klein des Tages und der Organisation kümmern und gleichzeitig dazu
gezwungen sind, sich um ihre finanzielle Zukunft zu kümmern. Bevor es jetzt einen Aufschrei gibt: Nein, ich möchte nicht zurück in die Zeit als Frauen das Eigentum von Männern waren. Auch wenn es bei so einigen Vertretern der männlich gelesenen Menschen immer noch so gewünscht ist. Ich möchte, dass Männer ihren fairen Anteil an der Organisation und der Care-Arbeit übernehmen. Ohne stolz darauf zu sein, mal den Müll rauszubringen. Sondern dass sie sich einbringen, indem sie freiwillig den
Elternabend übernehmen. Oder die Kinder ins Bett bringen. Oder... oder oder. Denn "Männer haben beim Übernehmen von Care-Arbeit nicht so viel aufgeholt, wie Frauen bei der Erwerbsarbeit." (aus dem Artikel)
Mütter werden auch nicht gesehen, obwohl auf ihren Schultern die Zukunft unserer Gesellschaft ruht: Sie ziehen die Kinder auf, hindern im besten Falle die Mädchen daran magersüchtig zu werden und die Jungs daran sich mit einem Hammer die Gesichtsknochen zu zertrümmern. Sie reiben sich zwischen
Kita-Notbetreuung und Firmen-Meeting auf, werden dabei noch nach ihrem äußeren beurteilt (siehe Magersucht) und sehen zu dass es im Elternbeirat von Schule oder Kindergarten weiter läuft. Nebenbei wird versucht, den Kindern als Aushilfslehrkräfte den Schulstoff nahezubringen (siehe Corona). Ach ja, und hab ich erwähnt dass das alles mit einem Lächeln auf den Lippen passieren soll? Und es egal ist, dass der Hamster zum Tierarzt müsste, der Kühlschrank leer und die nächste Klassenfahrt ansteht
- dabei ist Monatsende und man froh sein kann, wenn jetzt nicht auch noch der Tank leer (sofern man ein Auto besitzt) ist oder die Waschmaschine platzt. Weil Mieten, Lebensmittel- und Energiekosten alles auffressen, und wehe es kommt etwas dazwischen. Mütter haben ein erhöhtes Risiko arm zu werden. Mütter sind diejenigen, die weniger Rente beziehen - entweder weil deren "systemrelevanten" Jobs nicht adäquat bezahlt werden oder weil sie aufgrund der Kita-Betreuungszeiten Teilzeit arbeiten.
Lifestyle-Teilzeit also?
Dass Mütter dann einfach keine Zeit mehr haben politisch sichtbar zu werden wundert mich nicht. Denn der Alltag frisst alle Zeit und Energie. Und wenn man dann für Wege noch die dreifache Zeit braucht, weil die Busse nicht zu einander passen oder der Zug ausfällt ist Frau echt geküsst. Frauen haben aufgrund der Care-Arbeit andere Bewegungsmuster als die meisten Männer: Nicht geradlinig sondern verwoben. Von zu Hause zur Kita von dort zur Apotheke zur Arbeit zum
inkaufen zur Kita zum Kinderarzt zum Kinderturnen zum Spielplatz nach Hause.
Aber Frauen werden unter anderem reduziert auf das Gebären von Kindern und alles was danach kommt wird übersehen - denn es ist ja selbstverständlich.
Und wehe die Geburtenrate sinkt. Dann schreien wieder so einige (r)echte Männer, dass es mehr Kinder geben muss. Und dass die "Biodeutschen" in die Unterzahl gelangen könnten. Und kaum ist das Geschrei noch nicht verklungen, kommt der Regierungschef -
der mit den "Töchtern" und meint am Sozialstaat rumkürzen zu müssen oder was von "lifestyle-Teilzeit" zu erzählen. Dinge, die Mütter direkt betreffen (siehe Armutsgefahr). Dass dabei dann wieder die Gruppe belastet und gebasht wird, die keine Lobby hat und deren Arbeit essentiell für die Gesellschaft ist - geschenkt. Denn das Patriarchat gibt nicht auf, die Veränderungen die anstehen bedrohen das Weltbild einiger sehr einflussreicher Männer.
Die Männer die die Welt verbrennen. Die genug Geld haben um sich Politik und Meinungen zu kaufen.
Um mit etwas positiverem abzuschließen:
Ich wünsche mir, dass mehr Männer auf die Seite der Frauen wechseln, ohne sich auf "Töchter" berufen zu müssen. Ich wünsche mir, dass wir Frauen beieinander stehen und ungeachtet der unterschiedlichen Meinungen für unsere Rechte einstehen und dabei auch andere marginalisierte Gruppen mitnehmen - zusammen und nicht allein.
Und vor allem ist es endlich angebracht, dass sich alle (und wirklich alle) nach ihrem Vermögen an der Gesellschaft beteiligen: Eine Erbschafts- und Vermögenssteuer wieder einzusetzen ist angebracht. Und die ganze Steuerhinterziehung mal konsequent zu ahnden anstatt nach der Maxime zu verfahren "die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen".
Btw: Heute ist in Berlin Demo zum Muttertag: 100000 Mütter.
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