„ADHS, Autismus...: Warum sind auf einmal alle neurodivergent?“
Hörenswerte Folge mit Judith Holofernes, Mark und Ines Benecke und Prof. Dr. André Frank Zimpel.
https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:episode:ea13e277bd690d41/

Podcast: #119 ADHS, Autismus…: Warum sind auf einmal alle neurodivergent?
Gefühlt fast über Nacht haben die Stressigen eine Diagnose bekommen: ADHS. Und jetzt? Ist eine ADHS-Diagnose sowas wie die Bahncard 100 fürs Dazwischenreden und alles liegenlassen? Eine Ausrede für unbezahlte Rechnungen und die nächste 5 in Mathe? Na, wenn wir das hier so provokant fragen, wahrscheinlich nicht. Eine Diagnose ist schon einmal einer Erleichterung. Viele neurodivergente Menschen fühlen sich ständig fehl am Platz und scheitern beim Versuch sich anzupassen. Leute mit ADHS gelten als faul, Autist:innen als kalt und unempathisch. Turns out: Das Gegenteil ist der Fall. Kaum jemand entspricht den ADHS-Klischees so wenig wie Judith Holofernes: Die „Wir sind Helden“-Sängerin ist so ziemlich der liebenswerteste, unkomplizierteste, bodenständigste Popstar unter Gottes Sonne. Sie hat scheinbar alles im Griff. Aber seit ihrer Kindheit muss sie sich ihr ihr unkompliziertes Auftreten hart erarbeiten, Vor 4 Jahren hat Judith ihre Diagnose bekommen. Seitdem ist sie viel nachsichtiger mit sich selbst und findet: Auch die anderen können sich mal anpassen! Ihre ADHS-Geschichte erzählt sie nah wie selbstironisch in ihrem Roman „Hummelhirn“. Aber beim Schreiben sind auch schon einige Tränen geflossen, erzählt Judith in dieser Flexikonfolge. Mark und Ines Benecke setzen sich für ein Autismus-freundliches Umfeld ein. Der Kriminalbiologe verortet sich selbst im Autismus-Spektrum, seine Frau ist diagnostizierte Autistin. Ines zieht einem Vorurteil schon mal zu Beginn des Gesprächs den Stecker: Autist:innen seien gefühlskalt. Im Gegenteil, sagt sie. Sie sind sogar außergewöhnlich gefühlsbetont. Sie bauen nicht selten sogar Bindung zu einem Gegenstand auf, und kaufen die letzte Dose Tomatenmark damit sie nicht so einsam ist. Prof. Dr. André Frank Zimpel kann diese Einschätzung nur unterschreiben. Autist:innen sind nach dem aktuellen Forschungsstand sehr wohl empathisch, sagt der Leiter des Zentrums für Neurodiversitätsforschung an der Uni Hamburg. Es ist nur diese ständige Reizüberflutung, die viele autistische Menschen dazu zwingt, sich zurückzuziehen. In neurodivergenten Menschen steckt so viel Potential, die meiste Kraft verschwenden sie allerdings dabei, sich an gesellschaftliche Normen anzupassen. Es lohnt sich, mal darüber nachzudenken, ob es nicht deutlich besser wäre, wenn sich die Gesellschaft an die Neurodivergenten anpasst. Auf diesem Wege ist immerhin schon mal die Linkshänderschere erfunden worden. Hier alle Links: https://www.hkk.de/presse/pressemitteilungen/2026-04-01-autismus https://adhs-deutschland.de/adhs-adhs-ads/haeufigkeit https://www.adhs-zentrum.de/article/789-statistik-zu-adhs1neudiagnosen1-praevalenz-und-trends-erkla… https://www.white-unicorn.org/ https://benecke.com/pdf/wellbeing_praesentation_autismus_kinder_schule_pdf_HU.pdf Und zu Deutschland3000 – jetzt mit Bild: https://youtu.be/VMgAJ5eJk1U?si=3ht_UqHsgN7Ug_44 oder ohne: https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:episode:642a6ee1c1a1f871/ [email protected]