merz ist der denkbar schlechteste bundeskanzler, der uns in dieser lage hätte passieren können. er ist das paradebeispiel des im 20. jahrhundert hängengebliebenen konservativen, der seine vorstellung von wirklichkeit gegen jede realität durchprügelt. er ist strukturell zu nichts anderem fähig.

aber vermenschlichen wir merz einmal und gestehen zu, dass es allgemein und für uns alle schwierig ist, von einer liebgewonnen wirklichkeit loszulassen. dafür braucht es nicht nur aufmerksamkeit und offenheitheit, sondern auch bereitschaft für schmerz.

merz ist emotional *investiert* ins transatlantische bündnis und er (und die meisten anderen auch und zu einem teil auch wir selbst) können nicht einfach loslassen.

mir scheint, dass sich transformationsforschung zu wenig mit schmerz befasst.

ich glaube wirklich, dass das problem tiefer geht und merz nur eine besonders netzwerkzentrale ausprägung dieser kollektiven krankheit ist.

denn den selben mechanismus sehen wir beim fossilismus, dem macho-maskulinismus, dem patriarchat, der white suremacy, der vorstellung von ewigem wachstum und der idee der "autonomie des individuums".

und deswegen erheben sich all diese wegschwimmenden wirklichkeiten nochmal zu einer einzigen faschistischen realität.

ich denke, wenn die analyse "verdrängungsgesellschaft" gültigkeit hat, dann brauchen wir eine materialistische und d.h. nicht kognitivistische/psychologische theorie der verdrängung.

eine theorie, die nicht von der prämisse ausgeht, dass wir individuen sind, sondern versteht, dass wir pfade sind. dass wir alle an einem ort sind und von einem ort kommen und dass unser "handeln" und "denken" daher pfadabhängig von unseren infrastrukturen funktioniert.

so wird klar, dass das leben aus investitionen in pfadgelegenheiten besteht und das, was wir leben nennen, immer im kontext dieses portfolios passiert und dass ein pfadwechsel deswegen immer mehr braucht, als eine "rationale entscheidung".

pfadbewertungen passieren immer unter unsicherheit und daher kommt unser inhärenter strukturkonservativismus. pfadwechselvermeidungs-strategien haben durchaus ihre berechtigung, weil sie den pfad der bekannt ist, vor dem pfad der ungetestet ist, präferieren.

und weil wir dividuen sind, die sich ständig aneinander orientieren, kann man die persönlichen wirklichkeitspfade durch wechselseitige erlaubnis gegen jede realität aufrechterhalten, wenn nur genügend leute im umfeld mitmachen.

und dabei spielt macht eine zentrale rolle.

so funktioniert das "reality distortion field", dass steve jobs und elon musk umsichtragen, so funktioniert x auf unsere politiker und journalist, so funktioniert die llm als massensprechaktwaffe, so funktioniert der wahnsinn

der wahnsinn der organisierten verdrängung ist ein materiell semantischer komplex. er hat riesige milliardenschwere materielle infrastruktur, die von den jeweiligen interessen dahiner finanziert werden. sie haben aber eben auch eine nachwievor hegemoniale – wenn auch im rückzug begriffene – semantische infrastruktur, die sie erfolgreich leveragen, um einen kulturkrieg gegen die realität zu führen.

aber was die propaganda-maschenerie am erfolgreichsten leveraged ist der uns inhärente pfadkonservatisismus.

turns out: man kann den menschen den größten bullshit auftischen, wenn er ihnen nur hilft, ihre angestammte wirklichkeit nicht verlassen zu müssen.

all diese bullshiterzählungen in der rechten sind in wirklichkeit im kulturkampf eskalierte varianten von verdränungs-erlaubnisstrukturen, oft aufgegleist von den propagandakanälen der rechten und ihren thinktanks.

wir müssen aufhören einfach zu seufzen, dass die menschen halt "verdrängen" und dass das eben so ist, sondern wir müssen begreifen, dass es eine konkrete verdrängungsindustrie gibt, die wir attackieren können.

weil, wär doch schön, wenn das mit dem leben auf der erde auch nach uns weitergehen könnte?

@mspro (oder eine eigene verdrängungsalternative aufbauen, die verdrängung zum aufwecken nutzt ? hmm. just thinking aloud.)

@mspro

Starres Beharren auf bestimmten Mustern gibt es nicht nur im rechten Spektrum.

@mspro Ist das nicht die klassische Strategie seit ehedem von Konservatismus und juste milieu, den Diskurs möglichst zu entleeren? Je weniger überhaupt diskutiert und damit in den Streit von Orthodoxie und Heterodoxie kommt, desto besser, denn umso mehr bleibt im Unbefragten (so habe ich Bourdieu wenigstens in Erinnerung). Der fantasy-industrial complex, den @Noupside analysiert, funktioniert mit seinem medialen Dauerfeuer aber ja doch noch anders.
@mspro (irre wie das alles in sprichtwörtern zu finden ist/scheint)