Ich hatte vor vielen Jahren ein Schlüsselerlebnis. Ich ging nachts nach Hause und träumte vor mich hin. Die Frau, die vor mir ging und der ich zufällig in gleichbleibendem Abstand gefolgt war, bemerkte ich erst, als sie anfing zu laufen. Ich hab erst nicht kapiert, dass sie vor mir weglief, und mich dann ewig gefragt, was ich falsch gemacht habe. Erst viel später wurde mir klar: Gar nix. Frauen haben nachts einfach Angst vor Männern.

Was für eine krasse Shice.

#Misogynie #Patriarchat #Gewalt

@junior42 Leider nicht nur nachts, aber da besonders.
@junior42 Und das krasseste an der Shice ist: sie haben das nicht einfach so sondern idR weil sie entsprechende Erfahrungen angesammelt haben im Laufe ihres Lebens.
@MarjaKatz
Genau das meine ich ja damit. Ich hoffe das kam auch so rüber durch die Hashtags, sonst muss ich es nochmal klarstellen.
@junior42 Ich glaube, Du hast das gut formuliert und brauchst nichts klarstellen.
@junior42 schaue das ich generell Menschen Nachts nicht Folge. Im Zweifelsfall bieg ich irgendwo ab, oder ich warte ne Minute.
@DerSchulze @junior42 Die Awareness haben leider nicht viele Dudes.
@schattenspringer @junior42 finde das selbst unangenehm, vielleicht daher die awareness.
@DerSchulze @junior42 Eben. Wer nicht?
@schattenspringer @DerSchulze @junior42 und die eigentlich spannende Frage ist: was fängt man mit dieser Erkenntnis an? Was kann Mann tun, damit sich Frau NICHT ängstigt? Oder noch besser: was kann Mann tun, damit Frau sich sicherer fühlt?
@Reinald @schattenspringer @DerSchulze @junior42
Das Problem ist, dass sich genau diese Frage fast nur Männer stellen, die nicht wirklich das Problem sind...
@speybridge @schattenspringer @DerSchulze @junior42 und dennoch sind die Antworten wichtig: manche wollen Distanz und alleine gehen (also Abstand geben), manche freuen sich über eine Ansprache (also ins Gespräch gehen), manche freuen sich, wenn man fragt, was sie brauchen um weniger/keine Angst zu haben, manche finden schon die Frage creepy.
@Reinald @schattenspringer @DerSchulze @junior42
Ja klar, das wollte ich gar nicht in Abrede stellen.
Es ist bei dieser Frage nur halt so wie bei vielen anderen wichtigen, dass der Personenkreis, den sie wirklich betreffen, sich den Kopf leider gar nicht erst machen.
@speybridge @Reinald @DerSchulze @junior42 Stimme ich zu. Wie man den Typen beikommt, denen diese Reflexionsfähigkeit abgeht, ist mir ein Rätsel.
@schattenspringer
Denen vielleicht gar nicht mehr. Es ist eine Generationenaufgabe, die wahrscheinlich nur durch Hartnäckigkeit und das stöndige Verteidigen und offensive Kommunizieren und Vorleben von Werten gelöst werden kann, und in den Kontext fallen natürlich auch soziale Sanktionen, sprich Leuten Arschloch-Sachen nicht mehr durchgehen lassen. Wenn sie auf immer mehr Widerstand und immer weniger Beifall treffen, macht das langfristig hoffentlich auch was.
@speybridge @Reinald @DerSchulze
@junior42 @schattenspringer @speybridge @DerSchulze Männer müssen Role-Models für ihre Söhne sein. Mütter müssen Role-Models für die Töchter sein, und eine aufrechte Haltung gegenüber patriarchalem Verhalten zeigen, keine devote Unterordnung. Es ist ein langer Weg.
@Reinald @junior42 @schattenspringer @DerSchulze
Das wird für einen gewissen (gesellschaftlichen) Teil der Männer gelten.
Ansonsten - wir sehen das in jeder, aber auch jeder Statistik - nehmen die Vergehen an Frauen zu.
Vieles ist rückläufig!

@Reinald

Ganz ehrlich: Ich fände es creepy, nachts auf einer einsamen Straße von einem wildfremden Typen angesprochen zu werden (egal mit welcher Intention).

@speybridge @schattenspringer @DerSchulze @junior42

@giornodelsole @Reinald @speybridge @DerSchulze @junior42 Absolut verständlich. Aber auch creepiger als stumm verfolgt zu werden? Wie würdest du reagieren und welche Reaktion des Typen wäre dir am liebsten?
@schattenspringer @giornodelsole @Reinald @DerSchulze @junior42
Gar keiner.
Ich bin mit 18 mitten am Tag in einem Park angefallen worden & hatte nur das Glück, dass der Typ besoffen von seinem Fahrrad gefallen ist, als er mich schon fest im Griff hatte. Ich konnte fliehen.
Damals wurde meine Unbefangenheit schlagartig vernichtet. Seitdem habe ich solche Situationen vermieden.
Ich bin nicht überängstlich, gehe kalkulierte Risiken ein, aber nicht im Dunkeln allein auf eine einsame Straße.
@schattenspringer @giornodelsole @Reinald @DerSchulze @junior42
Das, was ich da mit 18 erlebt habe - und es ist nicht einmal wirklich etwas passiert -, zeigt, wie tiefgreifend Angriffe von Männern sind & dass sie enorme Langzeitwirkung haben können.
So etwas zerstört etwas in einem.
Ein Grundvertrauen ins Leben. Das Gefühl selbstverständlicher Existenzberechtigung. Das Gefühl, einfach sein zu dürfen.
Es bleibt eine Grundangst von Gefährdung - eine nicht fassbare, existentielle Verunsicherung.

@speybridge
Tut mir leid, dass dir das passiert ist.
Reaktion absolut verständlich.
Ich habe dann auch immer gerne meinen Schlüssel fest in Hand, mit der Intention im Falle des Falles damit zuzustechen.

Als ich noch jünger war bin ich nur bewaffnet aus dem Haus gegangen (Messer, CS-Gas). Ich weiß heute, dass das nich empfohlen wird, aber ich fühlte mich sicherer.

@schattenspringer

@giornodelsole @speybridge Macht alles nur betroffen und sprachlos. Faktisch bleibt auf die oben stehenden Fragen von @Reinald nur eine Antwort. Damit Frauem sich sicher(er) fühlen können, kann man als Mann im Grunde nur, so oft es geht, abwesend sein.
Mir persönlich fällt das nicht schwer. Bin ohnehin kein Fan von (fremden) Leuten. 😅

Mir muss nur irgendwas handfesteres einfallen, bevor meine Tochter in das riskante Alter kommt. Das ist etwas was mir wirklich Bauchschmerzen bereitet.

@schattenspringer @giornodelsole @speybridge was ich wieder für Unsinn halte - ich habe als Mann schon auch das Recht auf Existenz und meine Wege/ meinen Alltag und keine Verpflichtung, mich bei jedem Unwohlsein einer Frau in Luft auflösen zu müssen. Und neben einsamen Wegen gibt es genug Situationen - S-Bahn/ Tram/ Aufzug/ Parkhaus/ whatever.
Sich bewusst zu sein, dass Mann ohne jedes Zutun(!) bisweilen als Bedrohung wahrgenommenen wird, ist der erste Schritt.
@Reinald @giornodelsole @speybridge Der erste Schritt ist ja schön und gut. Aber das beantwortet deine Fragen nicht. Es nutzt überhaupt keiner Frau etwas 'n netter Typ zu sein.
"Unwohlsein" finde ich im Übrigen zu verharmlosend. Hier geht es nicht um Unwohlsein.
Ich will kein Teil eines Problems sein das literally Todesangst heißt.

@schattenspringer @giornodelsole @speybridge ob Mann Teil eines Problems "Angst" für eine Frau ist oder nicht, liegt ja vollkommen außerhalb unserer unmittelbaren Einflusssphäre. Es gibt Verhalten, was das extra befeuern kann (und auch das kann sehr individuell sein, und ist nicht zu erraten), und vielleicht gibt es auch Verhalten, was Support/ Unterstützung signalisieren kann.

Ich finde "kein Problem sein wollen" nicht genug, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

@Reinald @schattenspringer @giornodelsole
Das hat man leider nicht bei jedem Problem gleichermaßen in der Hand.
@schattenspringer @Reinald @giornodelsole
Das ist leider nicht zu vermeiden - wenn auch nicht persönlich gemeint.
@Reinald @schattenspringer @giornodelsole
Ja, natürlich. Das ist klar ein Dilemma.

@schattenspringer
Mir wäre es am liebsten, entweder einfach überholt zu werden oder dass der Typ sein Tempo verlangsamt, so dass es nicht wie Verfolgung wirkt

@speybridge

@Reinald @DerSchulze @junior42 Ich habe vor Kurzem mit einer Kollegin drüber gesprochen.
Sie meinte, dass sie in dieser Verfolgungssituation (wenn sie sich nicht präventiv vermeiden lässt) tatsächlich Kommunikation gut fände. Ansprechen, den eigenen Namen nennen, fragen ob es okay ist zu überholen, ob man sich zurückfallen lassen oder vorausgehen soll, anbieten dass man einfach abhaut oder eher in Rufweite bleibt um ggf. helfen zu können. Ich glaube die Angst der Frauen (anzu)erkennen, die eigene Awareness und evtl. Unsicherheit offen anzusprechen ist hilfreich. Einfach mal Frauen fragen was man tun oder lassen soll.
@schattenspringer @DerSchulze @junior42 das ist der Impuls, den ich geben wollte, danke für die alternative Formulierung.
@DerSchulze @junior42 +1 alternativ auch einfach strassenseite wechseln

@junior42 ich geh etwas schneller als die meisten Leute und hatte eine ähnliche Erleuchtung als Jugendliche, weil Leute ja nicht wissen wer hinter einem geht

und ich dachte immer, ich hab ja keine Angst (Risiko im Bekanntenkreis ist viel größer), aber ich hab an einer Strecke ohne Straßenbeleuchtung gemerkt, wie sehr ich schau ob die Schatten stimmen

@junior42

Und diese Erkenntnis ist erstmal ein Tritt in die eigene Magengrube.

Ich fand jetzt den Schluss „Ich will drauf achten und niemanden Angst machen“ zwar logisch und relativ einfach, aber nicht frei von innerem Rebellieren: Ich? Gefährlich?! (Bin ich immer noch nicht, aber das sieht man meiner Nasenspitze ja nicht an.)

@junior42 Ja, das ist ziemlich übel. Ich mache dass, wenn es passiert, so, dass ich entweder bewusst auf die andere Straßenseite wechsle und dort weiter gehe, oder wenn das nicht geht, dass ich mich dann deutlich zurück fallen lasse.
Aber in deinem Fall hast du es ja geschrieben, dass du träumend gegangen bist und es gar nicht mitbekommen hast.