Die #Osterferien haben uns erneut nach #österreich geführt. Und mal wieder wurde auf der #autobahn mehr als deutlich, warum ein #tempolimit nicht nur aus Gründen des #Klimaschutzes und in Zeiten einer #ölkrise eine sehr gute Idee ist, sondern auch aus ganz praktischen Gründen. Idealerweise kombiniert mit einem ebenfalls längst überfälligen #überholverbot für #lkw.

Autobahnfahren in Deutschland ist im direkten Vergleich einfach in höchstem Maß stressig und gefährlich.

Regelmässig die gleiche Situation:
LKW wechselt zum Überholen eines nur geringfügig langsameren LKWs auf die mittlere Spur. Gerne auch ohne große Vorwarnung, so dass das dort fahrende Fahrzeug entweder stark abbremsen oder hektisch auf die linke Spur ausweichen muss. Andere Fahrzeuge machen das gleiche, so dass innerhalb von Sekunden die linke Spur voll ist. Dann kommt dort von hinten ein (meist stark motorisiertes) Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit an, muss stark abbremsen, der Fahrer (es sind zu 95% Männer) gestikuliert heftig und ärgert sich. Lichthupe und/oder normale Hupe. Macht manchmal gefährliche Ausweichmanöver.

Oder alternativ: LKW oder langsames Fahrzeug ist auf der mittleren Spur, aber überholen auf der linken ist gar nicht möglich, weil sich dort mehrere Fahrzeuge ein Rennen mit deutlich höheren Geschwindigkeiten liefern und man unweigerlich und gefährlich einem dieser Fahrzeuge direkt vor die Stoßstange fahren würde.

Zweispurige Fahrbahnen funktionieren bei vielen LKWs und großen Geschwindigkeitsunterschieden der beiden Spuren schon gar nicht und auch Reißverschlussverfahren leidet massiv darunter, wenn die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge zu unterschiedlich sind. Dann muss stark gebremst werden und das Einfädeln bricht oft ganz zusammen. Ergebnis: zähfließender Verkehr oder sogar Stau, eigentlich ohne zwingenden Grund.

Auf der linken Spur schaue ich regelmässig in den Rückspiegel und empfinde fast Angst, ob da vielleicht wieder so ein Raser ankommt oder ich in Ruhe überholen kann. Dazu die ständig notwendigen Spurwechsel, weil praktisch jedes Auto mit einer anderen Geschwindigkeit unterwegs ist. Einfach nur schrecklich. In Österreich dagegen das genaue Gegenteil.

In gewisser Weise ist die unbegrenzte Deutsche Autobahn ein Sinnbild dieses Landes und (leider) seines Selbstverständnisses:

Wenn man das nötige Geld hat und sich ein teures/schnelles Auto leisten kann, dann hat man auf der linken (Überhol-)spur kein Problem. Man selbst entscheidet und handelt einfach ohne Rücksicht auf andere, alle anderen müssen sich danach richten. Man selbst muss sich nicht in die Niederungen und (Überholf-)Alltagsprobleme der restlichen 90% herablassen. Alle anderen müssen schauen, wie sie (auf der mittleren und rechten Spur mit normalen Fahrzeugen) zurechtkommen.

Vielleicht wird das Tempolimit deswegen dermaßen hart bekämpft.

@abulling wir haben vor jahren im ausland gelebt. wenn die ganze familie in den ferien zur restfamilie nach deutschland gereist ist, war die durchschnittsgeschwindigkeit und die entspannung auf den autobahnen mit tempolimit im ausland am hoechsten. sobald wir ueber die deutsche grenze gefahren sind, gingen der stress und der stau los.....
@abulling Same here - jedes Mal, wenn wir aus Skandinavien kommen und bei Flensburg die Grenze Richtung Deutschland überqueren, ist die Entspannung dahin und der Wilde Westen hält wieder Einzug auf der Autobahn. Davor - entspanntes Fahren, Cruise Control und hin und wieder Überholen.
@abulling Vielleicht müsste man sich dem Thema mal mit konkreten Zahlen nähern um gesellschaftliche Akzeptanz zu bekommen. Viele denken beim Tempolimit möglicherweise dass man nur noch 120 km/h fahren darf. Vielleicht wäre ein Tempolimit von 140 oder 150 km/h für die meisten akzeptabel? Die Durchschnittsgeschwindigkeit ob mit oder ohne Tempolimit liegt selten über 130 km/h.

@abulling
Ja.

Eigentlich reicht das schon.
In meinen Augen kommt dadurch ein weiterer Punkt hinzu: Die hohen Geschwindigkeitsdifferenzen führen zu herabgesetzter Bereitschaft, Spuren zu wechseln. Und damit entstehen dann die "Mittelspurschleicher".

Und damit wird's nur noch schlimmer.

Mittelspurschleicher habe ich außerhalb Deutschlands noch nicht gesehen…

@syn_rst Sehr guter Punkt - den habe ich tatsächlich noch vergessen, aber auch x-fach beobachtet. Und ich bin davon auch nicht frei - es ist schlicht anstrengend/stressig, auf die rechte Spur zu fahren, wenn man dann wieder "Gefahr läuft", ein langsames Fahrzeug auf dieser Spur nicht überholen zu können, weil auf der mittleren Spur Fahrzeuge mit (teilweise deutlich) höherer Geschwindigkeit angefahren kommen.

Unser Fahrzeug hat Abstandstempomat. Der hilft auch in Deutschland enorm, Stress aus dem Fahren zu nehmen. Aber hier muss ich den "Auto-Modus" häufig unterbrechen aufgrund der genannten Gründe.

Viel effektiver, da deutlich länger aktiv, ist der Abstandstemponat in Österreich.

@abulling
Hätte ich das Radar-Gedöns unter'm Herstellerlogo nicht, ich hätte ein ernsthaftes Mobilitätsproblem.

Aber gut, der Überzeugung war ich vor 20 Jahren schon: "Autonomes Fahren ist ein gelöstes Problem. Wir müssen nur endlich anfangen, den Deppen die Lenkräder wegzunehmen."

Und ja, damit meine ich auch mich selbst.