Eine mir nahestehende Person hat sich gestern auf den Weg ins #Westjordanland gemacht, um dort als "protective presence" eine palästinensische Familie zu unterstützen, die von Siedlergewalt und staatlichem Landraub bedroht ist.

Wie im vergangenen Jahr https://berlin.social/@oliverknabe/114987955358524289 werde ich hier von der Reise berichten, denn:

Internationale Solidarität tut Not. Und sie ist machbar, jeden Tag, durch uns alle.

Ein Thread.
#Westbank

Die Reise ins Westjordanland begann am Dienstag, dem Tag des Trump-Ultimatums, da Tel Aviv derzeit von Deutschland aus nicht angeflogen wird. Zweiter Zwischenstopp ist Jordanien, wo vor Grenzübertritt noch Zeit war für eine Wanderung auf den Berg Nebo, von dem – der biblischen Überlieferung zufolge –Moses auf das "gelobte Land" schauen durfte.
"Du weißt, wie die Lage ist", war die Antwort eines Mitglieds der palästinensischen Familie in der Westbank auf ein "Wie geht's" – verbunden mit der Frage, ob der Aufenthalt als protective presence diesmal nicht länger sein könnte. Jetzt sind fünf Wochen geplant.
Angekommen auf der Farm.
#Westjordanland
Es ist Frühlung in Palästina. Überall grünt und blüht es auf der Farm.
Nachwuchs gibt's auch.
"Das Licht ist jeden Abend anders, wie ich es auch von früher kenne. Ich genieße die Natur hier, viele Wildblumen, das Grün, das Licht, der Himmel. Die weniger schöne Sachen fotografiere ich (noch) nicht, werde aber darüber schreiben."
"#Palestine is beauty which exists parallel to the tribulations of the indigenous people. There is life and joy in its nature and its people, I want to honour that."

In order for me
to write poetry
that istn't political
I must listen to the birds
and in order to hear the birds
the warplanes must be silent
- Marwan Makhoul

a stone on the farm in the #westbank

Wurden Euch schon einmal Steine in den Weg gelegt?

Für Palästinenser*innen in der Westbank kein Sprachbild, sondern Realität. Zwischen der Farm und dem wenige Kilometer entfernten Betlehem liegt das Dorf Husan. Seit letzter Nacht blockieren diese Steine die Fahrt durch das Dorf. Zur Arbeit, zum Arzt, zu Verwandten. "Erfahrungsgemäß bezeichnen Blockaden der Straßen mit Steinen oder Müll den Anfang von größeren Schikanen", schreibt die Person, die als protective presence auf der Farm arbeitet.

Ein flying checkpoint, also ein kurzfristig errichtete Kontrollpunkt, blockierte den Weg von der Farm für die palästinensische Familie heute über Stunden. Wie lange es bei der Rückkehr dauert, ist unklar.
Die Farm ist von fünf israelischen Siedlungen umgeben. Eine davon beginnt unmittelbar an der Grundstücksgrenze. Damit verbunden sind Sicherheits- und Überwachungseinrichtungen der Siedler*innen, wie ein Wachturm neben einem Eingang zur Farm. Kürzlich wurde ein Kabel über (!) das Farmgrundstück zum Wachturm gelegt. Nach Intervention eines Anwalts wurde es wieder entfernt. Ein vor zwei Wochen von Siedlern zerstörten Zaun der Farm haben die Freiwilligen mittlerweile wieder repariert.
Während bei uns die Bundesregierung bei den #Erneuerbaren auf der Bremse steht, geht es anderswo voran. Z.B. auf der palästinensischen Farm, wo die Familie und ihre Helfer*innen diese Woche eine kleine #Biogasanlage installierten. Hier werden Teile dafür gerade angeliefert...

Heute geht's weiter mit angewandtem Ressourcen- und Umweltschutz auf der Farm im Westjordanland:

"Wir verbessern das Wassersystem, um Abwasser von den Duschen und der Waschmaschine zu filtrieren und für die Bewässerung der Pflanzen/Bäume zu nutzen."
#Nachhaltigkeit in #Palästina

...and make no mistake: das es hier so idyllisch aussieht, ändert nichts an der aktuell und zugleich dauerhaft schwierigen Lage unter israelischer Besatzung. Ein Familienmitglied hat jetzt eine geplante Auslandsreise abgesagt, weil die Situation – wie überall in der Westbank – dafür zu prekär ist.

"Wir leben wie in einer Utopie, während um uns herum Vertreibung und Krieg herrschen", sagt die Freiwillige über die Arbeit auf der Farm.

Täglich überfliegen Kampfjets über der Farm, häufig sind Hubschrauber oder Drohnen in der Luft.

Alltag im Westjordanland, hier in al-Khader, ganz in Nähe der Farm: eine neue Straßenblockade, heute früh. Und die Sorge, was als nächstes passiert.
#alKadher #Westjordanland
Hier seht Ihr in Gelb das Land der Familie Nassar. Umgeben ist es von fünf illegalen Siedlungen. Die weiße Fläche, die unmittlbar neben der Farm liegt, ist die neueste Siedlung.