Bei #AnneWill war vor zwei Wochen Aladin El-Mafaalani zu Gast, Professor für Migrations- und Bildungssoziologie an der TU Dortmund.

Er beschäftigt sich vornehmlich mit dem Thema "Vertrauen". Oder vor allem mit dem Thema Misstrauen, und inwiefern das massive Auswirkungen auf unsere heutige Gesellschaft hat, auf die Bildung sogenannter Misstrauensgemeinschaften, die insbesondere durch Plattformen, aber auch die Personifikationen von Misstrauen (z.B. Trump, Milei) resistente Gruppierungen formen, die gegen einen Kernbestandteil liberaler Demokratien stehen.

Ich finde seine Perspektive interessant, weil sie ein zusätzliches Licht auf ein gesellschaftliches Problem wirft, das von einer anderen Warte aus gerne mal als ein Verlust an Problemlösungskompetenzzuschreibung (tolles Wort) gegenüber demokratischer Akteur*innen gesehen wird.

Ich persönlich bin von den Ausführungen von El-Mafaalani nicht bis ins Letzte überzeugt. Vielleicht, weil mir das zu endgültig wirkt, insbesondere wenn er behauptet, Misstrauen und Misstrauensgemeinschaften seien in der Form nicht mehr erreichbar. Oder wenn er sehr kategorische Aussagen zum politischen Erleben und dem Vertrauenserlernen junger Menschen diagnostiziert. Vielleicht spricht da aber auch eher der liberale Idealist aus mir, der diese Befunde schlichterdings nicht wahrhaben will, weil sie dem eigenen Weltbild fundamental widersprechen.

Trotzdem eine sehr bedenkenswerte Perspektive.

Interessant finde ich vor allem den Blick auf den Staat und seine Unfähigkeit, die ihm zugeschriebenen Kernaufgaben noch angemessen zu erledigen.

Mir fehlt in dem Zusammenhang in dem Gespräch ein bisschen der zeitliche Faktor.

Denn Dinge wie beispielsweise Mobilität - siehe Deutsche Bahn - sind keine neuen Probleme, sondern staatshoheitliche Aufgaben die seit Jahrzehnten in die Brüche gehen. Der Staat kommt seiner Aufgabe nicht nur nicht nach, sondern missbraucht das Problem als ideologische Munition in einem innerdemokratischen Kulturkampf. Autobahnen, Gleise, Bildung, Minoritätenschutz, Gleichstellung, Wahrung des sozialen Friedens, es gibt viele Felder in denen die demokratische Politik fundamental versagt, weil sie glaubt durch Versprechungen punkten zu können, wo der Karren schon lange so tief im Dreck steckt dass diese Versprechungen nicht mehr greifen.

Deswegen ist das vielleicht Wunschglauben. Möglicherweise hat Prof. El-Mafaalani Recht, wenn er Misstrauensgemeinschaften, wie er sie nennt, als so fundamental vertrauensfeindlich einstuft, dass sie nicht mehr greifbar sind.

Ich persönlich möchte aber eher an die Wirkmächtigkeit guter Kommunikation, demokratischer Teilhabe und einem (emotionalisierenden) Effekt echter Problemlösung festhalten. Ich halte es nicht für ausgemacht, dass die Zustände in dieser Form bleiben müssen.

Das ist aber keine wissenschaftliche Perspektive. Nicht einmal eine sonderlich gebildete. Das ist nur eine Hoffnung und ein Glaube, den ich als Bürger hege.

Jedenfalls lohnt sich die Podcast-Folge auf jeden Fall.