Was ich aus Freundes-, Bekannten- und Unternehmenskreisen höre, macht mich nachdenklich - eigentlich fassungslos: Fast überall wird mittlerweile nur noch mit KI »programmiert« – der Code wird kurz von jemandem überflogen, der früher mal selbst entwickelt hat. Wenn sich das so fortsetzt, wird in ein paar Jahren kaum noch jemand wirklich programmieren können. Fehler verstehen, debuggen und Softwarearchitektur? Wird nur noch eine handvoll können. Auweia. 🙄

#KI #Programmierung #SoftwareEntwicklung #Tech

/kuk

@kuketzblog Drei plus ein Gedanken dazu, eigene Erfahrungen.

Fall 1. Anno 1985, kurz vorm Abi, Exkursion zur Uni, Informatik-Studium kennenlernen. Ein Studi sass vorm Bildschirm, programmierte in UCSD-Pascal. Der Rechner ein 8085-Dingens, eigentlich Terminal von der BS2000 "Mainframe“. Studi wunderte sich, weshalb seine mehreren Arrays mit je 20000 REALs angemeckert wurden. Unten links am Bildschirm war so ein Dymo-Schild: „64 KB RAM“…

Fall 2. Ca. Anno 2012. Riesengroßes Projekt einer Fluggesellschaft, Bereich Passagier- / Flug-Abfertigung. Sollte auf alle internationalen Standorte (Flughäfen) ausgerollt werden. Sehr anspruchsvolle, umfangreiche, komfortabel designte Anwendung. Deshalb sehr viele Datenquellen, die auch alle vorhanden sein mussten. Egal wie unwichtig. Amadeus, Wetterdaten, usw. Sprich: Wenn irgendwas davon nicht da war, selbst das Wetter am Zielort, ging die ganze Abfertigung nicht. Leider hatten zahlreiche Standort im Ausland maximal ISDN-Anbindungen…

Fall 3. Gleiches Projekt. Nachdem die Architektur top-down designed, alle Pakete eingebunden waren, die gut und high-level und convenient waren - Java! -, der Großteil programmiert und jetzt mal getestet werden sollte, stellte sich nicht nur obiges Problem heraus, sondern auch der immense Speicher und CPU-Bedarf, weil die hübschen Java-Lösungen einen riesigen Berg von Abhängigkeiten mit völlig überflüssigen Features importiert hatten.

Dieses Problem mit „ich verstehe eigentlich nicht, was ich hier tatsächlich mache“ ist absolut nicht neu. Ich denke auch, dass sehr viele Programme nur wegen "KI“ gebaut werden, die vorher mangels Kosten und_oder Können gar nicht entstanden wären. Ich erinnere mal an den „4GL“ Hype, mit dem angeblich alle BWL-Leute sich ihre Business-Software selbst zusammenklicken sollten.

Diese Schwemme von -hm- vielleicht nicht so hochwertiger Software können wir beklagen, auf der anderen Seite gibt es offenbar starke Push- und Pull-Faktoren, denn kaum irgendwer investiert Zeit, ohne einen Bedarf.

Fall 4. Anno 2017 bei einem großen öffentlichen Versorgungsbetrieb. „Die IT“ entdeckt anlässlich eines Office-Updates, dass zahlreiche Abteilungen sich mittels MS Access Anwendungen an der offiziellen EDV vorbei gebaut haben. Darunter neben Aktenverwaltung und Schlüssel-Listen auch Baustellen-Management, Formular-Abwicklungen mit Behörden und sogar Abrechnungs- / Bescheide-Berechnung. Fast 180 U-Boot-Projekte, zum Teil geschäftskritisch, mussten aufgefangen und "anders" gelöst werden.

Der Hauptgrund: „Die IT“ war unterbesetzt, aber auch unwillig für die arbeitserleichternden Anforderungen der Abteilungen, zu langsam und zu „das müssen wir erst mal standardisieren“. Deshalb haben die Leute sich was selbst gestrickt oder aus dem persönlichen Umfeld bauen lassen. Nicht als Hobby, sondern weil echter Bedarf für die tägliche Arbeit.

Jammern und klagen wird hier nichts bringen. Die wichtigere Frage aus meiner Sicht ist, wie der große Bedarf an Ge- und Verbrauchs-Software gedeckt werden kann und mehr Menschen in die Lage versetzt werden können, weniger schlechte Software zu produzieren.

#KI #Programmierung #SoftwareEntwicklung