RE: https://chaos.social/@netzpolitik_feed/116311078443651927

"Soziale Medien müssen langweiliger werden."

Oder sozialer.

Warum sagt uns kein Bot nach 3 Posts hin und her: "Wollt ihr nicht lieber direkt miteinander reden? Trefft Euch doch mal oder hier ist der Link zu einer Videokonferenz."

@kaffeeringe Nice try. Das wäre aber dasselbe, als wollte man dem Maler Pinsel, Farbe und Leinwand verbieten...

@kaffeeringe @DSB_BistumWuerzburg Der Vergleich hinkt, denke ich. Denn zu Leinwand und Pinsel entscheidet sich der Maler (oder ist wirtschaftlich getrieben), während die behandelten Medien mit viel Einsatz einen Sog erzeugen, dem nur schwer zu entkommen ist.

[..]ist kein Charakterproblem. Das ist das Ergebnis von Milliarden Euro[..]
@bionk @kaffeeringe Dass man auf den Plattformen gehalten wird, ist ja nicht einfach "blanke Bosheit" oder so.
Das Geschäftsmodell dieser Medien besteht ja darin, die psychologischen Profile der Nutzer möglichst gewinnbringend zu vermarkten. Das geht aber nur, wenn man möglichst genaue Profile erhält, indem man viele und genaue Daten zu den Nutzern erhebt und verarbeitet. Für die Erhebung muss man die Leute aber nun mal solange "beobachten" (bzw. deren Daten erheben) wie möglich. Das macht man, indem man sie möglichst lange auf den Plattformen hält und Wegwechseln möglichst effektiv verhindert.
Wenn man diesen Medien diese Möglichkeiten verbietet ist das schon dich am "Berufsverbot", vergleichbar dem Maler. Deswegen wird sowas IMHO niemals durchgehen.
#Fediverse als gemeinschaftliche Alternative zu Konzern (der ja seine Kosten decken muss) ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, da raus zu kommen.
@DSB_BistumWuerzburg @bionk Es heißt immer die Medien seien staatsfern. Der Staat dürfe sich da nicht einmischen. Das gilt aber nur für die Inhalte - nicht für die Organisation. Das Grundgesetz verpflichtet den Staat dazu, eine vielfältige Medienwelt zu organisieren. Wenn die Menschen 99,9 % ihrer Medienzeit auf vier Plattformen aus China und den USA verbringen, gibt es keine Medienvielfalt mehr. Dann verrottet auch die demokratische Öffentlichkeit, denn Medien sind nicht nur Unterhaltung.
Ich glaube, man wird am Ende gar nicht um ein Verbot der Plattformen herumkommen, weil sie sich nicht regulieren lassen. Sie lassen sich nicht regulieren, weil sie so groß und so mächtig sind. Und weil die USA das nicht zulassen. iPhone oder Demokratie. Das ist unsere Wahl: https://www.frankfurter-hefte.de/artikel/die-monopolisierung-der-aufmerksamkeit-4764/
Die Monopolisierung der Aufmerksamkeit

Der Medienwissenschaftler Martin Andree hat das Nutzungsverhalten der Menschen an ihren digitalen Geräten untersucht und gemessen, wie lange sie pro Tag welche Angebote nutzen. Dabei ist herausgekommen, dass die Big-Tech-Unternehmen praktisch die gesamte Aufmerksamkeit der Menschen bekommen.

@kaffeeringe @DSB_BistumWuerzburg @bionk der Vergleich "iPhone oder Demokratie" ist sehr befremdlich. Gerade im Hinblick auf Art. 5 GG gilt, dass dieser den Staat zur Sicherung der Meinungsvielfalt verpflichtet, ihm jedoch zugleich einen beherrschenden Einfluss auf Medienstrukturen untersagt. Ein Plattformverbot wäre daher nur unter extremen Voraussetzungen verhältnismäßig. Freiheit lässt sich nicht durch Verbote erlangen; insofern liegt ein Fehlverständnis des Grundgesetzes vor. 😆😉 // @reeeen
@thomas_watercolor @DSB_BistumWuerzburg @bionk @reeeen Freiheit ohne Verbote ist das Recht des Stärkeren. Das ist, wes wir gerade haben in der Medienwelt.
Ich sage auch nicht, dass der Staat die Plattformen JETZT verbieten muss, sondern wenn sich sich nicht an die Verbote halten, die wir uns überlegen, um eine lebendige, demokratische mediale Öffentlichkeit zu bekommen.
Bei Radio und TV ist geregelt, dass die Sender vorwiegend europäische Inhalte zeigen müssen. Weil das die Welt ist, in der wir leben. Die Welt, von der wir ein weitestgehend gemeinsames Bild haben. Für die Plattformen gibt es nur die Regel: Macht, was Euch am meisten Geld bringt.
Bei Radio und TV ist geregelt, wie viel Werbung gezeigt werden darf und wann. Online nicht. Warum nicht?
@thomas_watercolor @DSB_BistumWuerzburg @bionk @reeeen Es ist ein neoliberaler Irrglaube, dass Verbote an sich schlecht seien. Wir haben Kindern Alkohol verboten. Wir haben verboten, dass Menschen ganz einfach bestimmte Waffen kaufen können. Wir haben verboten, dass man Autos ohne Erlaubnis fahren darf. Wir haben verboten, dass man beliebige Substanzen in Lebensmitteln verwenden oder in Flüsse einleiten darf. Wir haben verboten, dass man länger als 8 Stunden am Tag arbeiten darf. Wir haben verboten, dass Eltern ihre Kinder schlagen dürfen. Wir haben verboten, dass Menschen einander umbringen. Wir haben sehr sehr viele Dinge verboten, um Freiheit zu schaffen. Wir geben unsere natürliche Freiheit an den Staat ab, der sie uns als Bürgerrechte zurück gibt. Zum Wohle aller.

@thomas_watercolor @DSB_BistumWuerzburg @bionk @reeeen Ja. Die Verbote sind nicht perfekt. Und die Gefängnisse sitzen voll mit Menschen, die sich nicht daran halten. Aber insgesamt haben die meisten von uns viel mehr Freiheit durch diese Verbote, als wir ohne sie hätten.

Bei Medien ist ein komplettes Verbot das letzte Mittel. Aber es ist ein Mittel. Das hatten wir gerade auch in der Diskussion um NUIS und Daniel Günther. Wenn sich ein Medium nicht an Regeln hält, können wir es am Ende natürlich verbieten. Bei Compact haben die Gründe offenbar bspw. nicht gereicht.

Aber bei den US-Plattformen sehe ich die Gefahr, dass die sich irgendwann nicht einmal an unser Recht noch halten dürfen, weil sie sonst zu Hause Ärger mit dem Regime bekommen.

@thomas_watercolor @DSB_BistumWuerzburg @bionk @reeeen ICH verstehe Artikel 5 GG als Auftrag an den Staat sich nicht nur nicht in die Medien einzumischen, sondern eine lebhafte Medienwelt zu gewährleisten: "[...] Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. [...]"

@thomas_watercolor @DSB_BistumWuerzburg @bionk @reeeen Und so sieht es auch das BVerfG im 3. Rundfunk-Urteil:

"Bei dieser Sachlage würde es dem verfassungsrechtlichen Gebot, die Freiheit des Rundfunks zu gewährleisten, nicht gerecht werden, wenn nur staatliche Eingriffe ausgeschlossen würden und der Rundfunk dem freien Spiel der Kräfte überlassen würde (vgl. BVerfGE 31, 314 [325]); dies um so weniger, als einmal eingetretene Fehlentwicklungen - wenn überhaupt - nur bedingt und nur unter erheblichen Schwierigkeiten rückgängig gemacht werden könnten. Es liegt vielmehr in der Verantwortung des Gesetzgebers, daß ein Gesamtangebot besteht, in dem die für die freiheitliche Demokratie konstitutive Meinungsvielfalt zur Darstellung gelangt."

@thomas_watercolor @DSB_BistumWuerzburg @bionk @reeeen iPhone oder Demokratie - wie würdest Du Dich entscheiden?
@kaffeeringe @thomas_watercolor @bionk @reeeen Hey, spannende Diskussion mit ganz unterschiedlichen Meinungen. Find ich super 🙂
Ich sehe da kein entweder oder. Ich finde vielmehr, dass iPhone (stellvertretend für allgemein aktuelle Kommunikationsmittel) sehr wohl Demokratie unterstützen kann. Fediverse kann man ja auch sehr wohl auf dem iPhone empfangen. Es ist halt die Frage, wie man es nutzt.
Die Frage ist doch eher, warum konnten sich die proprietären Konzernplattformen durchsetzen? Was waren die "Verkaufsargumente" (auch hier Anführungszeichen, weil die kostenlosen Dienste ja nicht verkauft werden "Wenn Du nichts zahlst, bist Du das Produkt") und könnte es einen Weg zurück zu gemeinwohlorientierten nicht-kommerziellen Angeboten geben? Das wäre IMHO eher der Weg.
Verbote sind halt oft nur ein Zeichen von Hilflosigkeit und führen im schlimmsten Fall zu Reaktanz. Da vermisse ich die Nachhaltigkeit in den Köpfen der Menschen.

@kaffeeringe @reeeen @DSB_BistumWuerzburg @thomas_watercolor

Verbote sind halt oft nur ein Zeichen von Hilflosigkeit

Jup, deshalb habe ich vorhin von Reglementierung gespochen.
Es gilt, einen für möglichst viele passenden Rahmen zu finden. Der orientiert sich an hiesiger Gesetzgebung, die normalerweise kulturell geprägt ist.

Die proprietären Konzernplattformen konnten sich durchsetzten, weil sie als erste die Idee zu solchen Diensten hatten. Das ist erstmal ok, aber Monopolisten in kapitalistischen Systemen machen dann halt, was Monopolisten so tun, wenn man sie lässt.
Und nun haben sie einige für Teile unserer Gesellschaft akzeptable Grenzen überschritten.

@bionk @kaffeeringe @reeeen @thomas_watercolor Die Dienste gab's ja schon länger (siehe z.B. #UseNet). Die Frage ist, was hat die Konzerndienste so attraktiv gemacht?
Bei SMS vs. WhatsApp waren's die Kosten. Bei Messengern (WhatsApp & Co. vs. Element/Matrix) würde ich auf Usability tippen.
Ist es bei den Konzernplattformen nur die Psychologie der Algorithmen, die die Leute an der Stange hält?
@DSB_BistumWuerzburg @bionk @reeeen @thomas_watercolor Es ist der Netzwerkeffekt - die Plattformen sind besser, wenn mehr Menschen dort sind. Wenn sie erst einmal dort sind, halten sich alle gegenseitig als Geisel, weil derjenige am meisten verliert, der als erstes aussteigt. Wer kennt nicht das Argument "Ich kann WhatsApp nicht deinstallieren, da sind alle meine Kontakte"? Niemand sagt: "Ich kannWhatsApp nicht deinstallieren, die haben so hübsche Sticker."
@kaffeeringe @DSB_BistumWuerzburg @bionk @reeeen dein Einwand vermischt Kritik mit unbelegten Vorwürfen. Markterfolg ergibt sich in der Regel aus Netzwerkeffekten, Skalierung und Umsetzung, nicht allein aus Kapital. Dass MySpace & Co. früher existierte, widerlegt das nicht. Pauschaler "Datendiebstahl" ist rechtlich nicht belegt. Übernahmen wie Instagram und WhatsApp sind zulässige Innvestitionen in Marktstrategien. Das Angebot zum Verkauf haben die damaligen Inhaber/Betreiber gerne angenommen.
@kaffeeringe @bionk @reeeen @thomas_watercolor Aber ein Netzwerk muss sich ja erstmal bilden. Also bleibt die Frage: Was war am Anfang so überzeugend, dass so viele Leute unbedingt auf Facebook mussten und nicht auf MySpace & Co.? Bei WhatsApp wie gesagt, waren's die Kosten (einmalig 1,99 statt 19Cent je Nachricht), da hab ich sogar Verständnis. Aber Facebook war ja anfangs kein Konzern mit Werbebudget (vgl. die legendäre Einführung von Win95).
Also was war an Facebook überzeugender als die anderen Plattformen? Oder war's einfach purer Zufall?
@DSB_BistumWuerzburg @kaffeeringe @bionk @reeeen wir befinden uns im ständigem Wandel - vermutlich hat Facebook ein besseres Benutzerinterface und mehr Funktionen geboten. Das hat sich im Netz rumgesprochen, es gab da keine große Marketingstrategie oder Investitionen. Sollte Facebook irgendwann mal Geld für seinen "Dienst" verlangen, findet eine Abwanderung statt (der Wandel). Wir bezahlen FB mit unseren Daten, es gibt nichts UMSONST. 😃 😉 🤷‍♂️ Freundschaft ✊🤓

@bionk @reeeen @DSB_BistumWuerzburg @thomas_watercolor
"Die proprietären Konzernplattformen konnten sich durchsetzten, weil sie als erste die Idee zu solchen Diensten hatten."

Nein. Sie konnten sich durchsetzen, weil sie rücksichtsloser und reicher sind als andere. MySpace gab es vor Facebook. Facebook hat die Daten aus MySpace geklaut und die Konkurrenz (WhatsApp und Instagram) aufgekauft.

@kaffeeringe @thomas_watercolor @bionk @reeeen Ach ja, kleine Werbeeinlage 😉 Zu dem Thema gibt es beim #Katholikentag in #Würzburg ein Panel, guckst Du hier:
(Edit: Eine Ebene höher verlinkt, das andere Thema ist ebenso interessant)
https://www.katholikentag.de/programmsuche#topic/type/15741/FB
Programmsuche

Programmsuche
@kaffeeringe @DSB_BistumWuerzburg @bionk @reeeen das BVerfG betont die Pflicht des Staates, Meinungsvielfalt zu sichern, ohne Medien zu beherrschen; Verbote sind nur als letztes Mittel verhältnismäßig. Vergleiche zu Alkohol-, Waffen- oder Umweltverboten sind rechtlich nicht übertragbar und treffen die verfassungsrechtliche Kernfrage der Medienfreiheit nicht. Es wird vieles vermischt, vllt. ein Grund warum der Beitrag keine relevante Ernsthaftigkeit erfährt und nur eine Meinung wiederspiegelt. 🤔
@kaffeeringe @DSB_BistumWuerzburg @bionk @reeeen und um kurz auf deine Frage zu antworten: "iPhone oder Demokratie - wie würdest du dich entscheiden?" Weder iPhone, noch ein anderes SmartphoneOS ist darauf gerichtet, die Demokratie zu unterwandern. Das wäre auch völlig unsinnig, da die Konzerne und Drittanbieter von Software darauf ausgerichtet sind, so viele Daten wie möglich von uns zu erhalten. Die reine Theatralik nutzt einem nichts, es entstehen Mauern. Ein wenig mehr Rationalität, bitte.