Was mir gerade auffällt: Die vielen, großen Demonstrationen zum Thema sexualisierte Gewalt werden als politische Demonstrationen kaum ernst genommen. Und das, obwohl es bei vielen dieser Demonstrationen ganz klar nicht nur um politische Forderungen geht, sondern auch um gesellschaftlichen Wandel.

Bei allen Demonstrationen wird die aktuelle Politik der Bundesregierung kritisiert. Die rassistischen Äußerungen von Merz werden kritisiert.

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Trotzdem hab ich den Eindruck, das wird als große politische Bewegung nicht verstanden. Auch das hat am Ende was mit dem gesellsch. Frauenbild zu tun.

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@fraunora ich weiß nicht, wann das letzte Mal eine Protestbewegung auf der Straße ernst genommen wurde. Ich bin Mitte 30 und protestiere seit 2011 herum gegen Internetzensur und -Überwachung. ACTA damals hat noch was bewirkt, aber die vorratsdatenspeicherung werden wir nicht los. BayPAG 2018 wurde ignoriert, die Polizeigesetztewerden Jahr für Jahr schlimmer. Klimabewegung hat keinen politischen Erfolg, aktuell harter Rollback der baby steps der Ampel. Die Gegen Rechts Proteste, die größten der vereinten BRD, hatten NULL Effekt auf die Regierungspolitik.
Nicht auf die Straße gehen ist nichts, was ich daraus schlussfolgere, aber ich (ver)zweifle daran, was eigentlich helfen soll, um Politik noch von der Straße aus zu beeinflussen.

@JaneraTiciano Verstehe ich total. Es ist immer auch eine Frage der Nachhaltigkeit. Und ich würde sagen, dass sich ja trotzdem was tut. Wir haben in den letzten Jahren zB eine neue Welle feministischer Literatur erlebt, feministischer Diskussionen, Podien, etc. Die Wirkung ist nicht immer so leicht messbar. Und die Babysteps haben schon auch dazu geführt, dass sich Menschen organisieren.

Was das Digitale angeht verzweifle ich aber auch. Trotz aller Bündnisse und Aktionen.

@fraunora aber wie sollen wir leute im Protest nachhaltig bei Stange halten, wenn es eben so krass ignoriert wird? Das fühlt sich enorm wirkungslos an, ist es dann irgendwie auch. Protest muss immer in der Freizeit stattfinden, ich bin seit einem Jahr in einer lokalen Gruppe aktiv, wir sind so 6 Leute die noch wirklich was tun. 250.000 Leute auf eine Demo bekommen klappt nur wenn die Presse berichtet, das tut sie vorher fast gar nicht mehr und nachher nur als Randnotiz. Wir können hier mit 40 Orgas zu ner Demo aufrufen und erreichen damit dann 1000 Leute.
Ehrenamt komplett ohne Selbstwirksamkeit für Jahre tägl8ch betreiben ist unrealistisch. Und genau deswegen können die Unternehmen und Reichen uns immer weiter die Butter von Brot nehmen. Sie können Leute dafür bezahlen, 40h die Woche unsere Interessen zu untergraben. Und mir fällt einfach wirklich nichts mehr ein, wie man dagegen noch ankommt.
@JaneraTiciano Wenn ich mir andere Protestbewegungen ansehe, wie zB in Serbien oder Georgien, dann muss man leider sagen: Wir sind hier in Deutschland noch sehr bequem. Dort gehen die Menschen seit über einem Jahr täglich bzw. allabendlich auf die Straßen. Weil sie müssen. Weil so viel auf dem Spiel steht. Was mich ja da sehr berührt hat ist das Buch, das Luisa Neubauer zusammen mit ihrer Oma geschrieben hat: "Gegen die Ohnmacht: Meine Großmutter, die Politik und ich" - kann ich sehr empfehlen

@fraunora unsere Gewerkschaften haben zu viel Angst, ihren kompletten rechtlichen Schutz zu verlieren, wenn sie politische Kämpfe unterstützen. Wir giftig diese altnazi-rechtsprechung dauerhaft ist zeigt sich genau jetzt. Die etablierten Gruppen, die Infrastruktur für lange Proteste beisteuern könnten haben Angst ihre bisherigen Erfolge für neuen Protest zu verlieren. Neue Gruppen tun sich so schwer diese Infrastruktur aufzubauen, in einer so kaputten Gegenwart wie unserer, in der die Leute oft schon so arm sind, Angst um Wohnungsverlust haben, sich neben Arbeit schon um so viel Care-Arbeit alleine kümmern müssen. Die Leute können in der Situation halt auch schwer so viel spenden, dass man mal eben vollkommen neue, riesige Strukturen aufbauen kann.

Und es ist nicht sustainable, dass 5 Leute eine unbedeutende tägliche Mahnwache wohinstellen, die nur lächerlich gemacht werden wird.

@JaneraTiciano Guck dir mal die Protestbewegung in Serbien genauer an. Empfehle da @dejan zu folgen, der das genauer im Blick hat.

Also ohne deine Analyse da kleinreden zu wollen. Da ist schon was dran. Aber es haben sich neue Strukturen gefunden bei einer jungen Generation, die genau das durchbricht.

Da hin zu schauen kann gegen dieses Ohnmachtsgefühl helfen. Dieser kreative Protest dort ist durchaus inspierend, finde ich.

@fraunora
Das ist immer leicht aus der Oberschicht auf ein Ohnmachtsgefühl zu schliessen, wo man nur ein bisschen am eingebildeten Gefühl drehen müsste...

Wir Unterschicht HABEN diese Ohnmacht tatsächlich! Wir können kaum laufen, müssen schwarz fahren, brauchen Fahrservice und Begleitungen etc. Da ist schon physikalisch, von der Psyche gar nicht zu sprechen, keine Macht auf eine Demo zu "gehen", mit nur etwas mehr Motivation und Willen..(Inspiration..) 🙄
@JaneraTiciano @[email protected]

@stubenhocker @fraunora @JaneraTiciano Ich erinnere an die Anti-Atomkraft-Proteste. Jahrelang, gegen prügelnde Polizei und Wasserwerfer. NULL Wirkung. Erst als Fukushima explodiert ist und Merkel persönlich die Meinung geändert hat, kam plötzlich der Ausstieg. Aber nicht wegen der Proteste.
Demonstrationen sind ein wichtiges Mittel der Meinungsäußerung, aber man sollte nicht die Illusion haben, dass eine Regierung sich davon beeinflussen lässt.
@bnthepm leider haben ausgerechnet die Bauerndemos das Gegenteil bewiesen. // @stubenhocker @fraunora @JaneraTiciano

@ruoff
Ausnahmen stellen keine Regeln auf den Kopf.

Und wenn du die Bauenrnproteste mit den Klimaklebern vergleichst, zeigt das eher die Kontraproduktivität der friedlicheren Proteste (auf kurze Sicht..) 🤷‍♂️
@bnthepm @fraunora @JaneraTiciano

@stubenhocker @ruoff @fraunora @JaneraTiciano Es macht ganz klar einen Unterschied, welche politische Richtung gerade protestiert.
Welcher Protest wirkt? - 42 - Die Antwort auf fast alles - Die ganze Doku | ARTE

Weltweit gehen derzeit ungewöhnlich viele Menschen auf die Straße. Sie protestieren für mehr Freiheit, mehr Rechte oder für die Gleichheit aller Bürger. Wir leben in einem wahren Protestzeitalter, sagt die Philosophin Sandra Laugier. Manche dieser Proteste sind erfolgreich und erreichen ihre Ziele. Andere nicht. Woran liegt das? Welcher Protest funktioniert?

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