Macbook Neo: Apple kann auch günstig

Das Macbook Neo: Anfang März vorgestellt, sorgte es für Furore. Das günstige Apple-Modell (um die 610 Euro bei Amazon bzw. 579 Franken bei Digitec) werde «die Laptop-Landschaft umpflügen», vermuten einige. Der Finanzchef von Asus, Nick Wu, sprach von «einem Schock für die ganze Branche». Und ich fand die Spekulation bemerkenswert, Apple habe sich eine kreative Lösung einfallen lassen, um einen Überbestand an A18 Pro-Prozessoren aufzubrauchen – obwohl ich für diese Behauptung keine harte Quelle auftreiben konnte.

Es ist aber eine Tatsache, dass mir das Neo wie gerufen kam. Nicht für mich selbst, denn für meine Zwecke wäre dieser Rechner untermotorisiert. Für den Einsatz im Arbeitsumfeld oder auch für anspruchsvolle Hobbyzwecke empfehle ich 16 GB Arbeitsspeicher, mindestens 512 GB Massenspeicher und mehr Flexibilität bei den Anschlüssen (das Neo hat zwei USB-C-Buchsen, wovon eine nur USB 2.0 unterstützt) – die ausführlichen Tipps von Digichris und mir zum Computerkauf finden sich übrigens hier.

Das Neo taugt auch als Bastelprojekt

Weitere Hinderungsgründe wären für mich die fehlende Tastaturbeleuchtung und die rein passive Kühlung, die dazu führt, dass das Gerät bei Arbeitslast zügig heruntergetaktet wird. Es existieren bereits Anleitungen, wie man den Rechner mittels günstiger Kühlpads leistungsfähiger bekommt. Aber ehrlich, mir fehlt das Heimwerker-Gen, um einen brandneuen Computer mit solchen Tricks frisieren zu wollen.

Doch die Ansprüche sind unterschiedlich. Ein Mitglied meiner Familie betreibt vor allem Websurfing und nutzt E-Mail, Online-Banking und das elektronische Fotoalbum. Vor sieben Jahren kauften wir einen Asus-Rechner in der ähnlichen Preisklasse, der sich aber als Rohrkrepierer erwies: Er war Windows 10 kaum gewachsen. Die Installation von Linux Mint verbesserte die Lage etwas. Aber sonderlich viel Spass machte dieser Computer auch mit dem schmächtigen Betriebssystem nicht.

Als nun Windows 10 endgültig das Zeitliche segnete und auch die Linux-Mint-Installation nicht mehr zeitgemäss war, reifte auch die Erkenntnis, dass es sich nicht mehr lohnen würde, diesen Rechner noch länger in Betrieb zu halten. Vielleicht wage ich aus reinem Spass an der Freude einen Versuch mit Puppy Linux. Doch für besagtes Familienmitglied war das kein attraktiver Weg.

Die Seitenansicht zeigt die beiden USB-C-Anschlüsse, wobei der linke der beiden nur mit USB-2.0-Tempo Daten überträgt (Kamil Switalski, Unsplash-Lizenz).

Das iPad ist nicht konkurrenzfähig

Als Ersatz hatten wir bereits mit einem iPad mit Tastatur und Maus geliebäugelt, als das Macbook Neo angekündigt wurde. Das war allein preislich ebenbürtig. Denn das normale iPad mit dem Magic Keyboard Folio kostet genau einen Franken weniger (578 statt 579 Fr.), hat für den Preis aber nur halb so viel Speicherkapazität (128 statt 256 GB). Zugegeben, man könnte statt der wirklich teuren Tastatur (249 Franken) etwa die Logitech Combo Touch für den halben Preis wählen und um die 120 Franken sparen. Aber da mein Familienmitglied das Laptop bevorzugt, gab das nicht den Ausschlag.

Eine Stärke spielt das Macbook Neo bereits im Laden aus: Mit seinem Aluminium-Unibody-Gehäuse liegt es angenehm in der Hand und wirkt um Welten wertiger als ein günstiges Windows-Modell, das typischerweise in die Kategorie der Plastikbomber fällt. Die Haptik hat Apple im Griff wie kein zweiter Hersteller: Man nimmt das Neo gern in die Hand, spürt den Unterschied zu einem Macbook Pro trotzdem in den Fingern. Und der erste positive Eindruck wird bei der Inbetriebnahme und in den Apps bestätigt. Ob Browser oder Mail, die Software reagiert flüssig und angenehm. Überzeugend auch die Performance in der Fotos-App: Sie reagiert blitzschnell, wenn man mittels Pfeiltasten rasant durch die Fotos in der Vollbildansicht blättert.

Ein Kassenschlager? Nein (wenn man der Verkäuferin glauben darf)

Apropos Laden: Wir haben das Neo im DQ in Winterthur gekauft, wo gleich drei Kaufinteressenten in identischer Konstellation wie wir die ausgestellten Neos inspizierten: eine Person im Seniorenalter, die von einer jüngeren Begleitung beraten wurde – und mindestens einer davon wählte auch das fast genau gleiche Gerät (silbrig, mit Ladegerät, aber ohne Apple Care). Das brachte mich dazu, die Verkäuferin zu fragen, ob das Neo denn tatsächlich so ein Verkaufsschlager sei, wie es den Eindruck hat. Zu meiner Überraschung verneinte sie – die Erwartungen seien höher gewesen.

Trotzdem: Ein für Apple untypisches Gerät, das es elegant schaffte, die Schar der Mac-Anwenderinnen und -Anwender um eine Person zu vergrössern. Mein Familienmitglied verwendet nach Windows und Linux erstmals einen Macintosh und darf sich rühmen, noch im Pensionsalter mit allen drei grossen Personal-Computer-Plattformen gearbeitet zu haben. Ich rechne dem Macbook Neo positiv an, dass man weiss, was man bekommt. Die Anschaffung eines günstigen Windows-Laptops ist im Vergleich eine Lotterie: Es kann sein, dass es den Zweck erfüllt. Aber wie das Asus-Beispiel zeigt, ist das Risiko gross, eine Niete zu ziehen.

Der Umstiegsschmerz ist zu verkraften

Es bleibt abzuwarten, wie zukunftssicher das Neo ist, d. h., wie viele Betriebssystem-Updates es verkraften wird, bevor es erlahmt. Das wird die Erfahrung zeigen müssen. Aber mit der richtigen Erwartung ist es eine gute Wahl für Alltagsnutzerinnen und -nutzer. Natürlich, wenn man es als Ersatz eines Windows-Rechners in Erwägung zieht, muss man gewillt sein, sich auf das neue Betriebssystem einzulassen. Bei meinem Familienmitglied war das kein Hinderungsgrund. Es kommen keine spezifischen Windows-Anwendungen zum Zug, und weil bereits ein iPhone genutzt wird, sind auch der Browser und die Fotos-App einigermassen vertraut. Die grössten Herausforderungen stellen sich beim Finder und bei der Mac-Menüleiste – dass die losgelöst vom Programmfenster am oberen Bildschirmrand klebt, sorgte für Verwunderung.

Die wurde eine Sache wettgemacht, die ich oft kritisiere, die im vorliegenden Szenario aber ein echter Pluspunkt darstellt: Das ist die Integration via iCloud. Die sorgte dafür, dass der ganze Bilderbestand automatisch in der Fotos-App auftaucht. Und sehr begrüsst wurde auch die Integration der Nachrichten-App (iMessage): Die Mitteilungen am Laptop mit der richtigen Tastatur beantworten zu können, ist ein echter Komfortgewinn.

Anmerkung: Dieser Beitrag enthält Links zu Amazon. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.

Beitragsbild: Das Macbook Neo in der silbrigen Variante. Und nein, wir haben es nicht mit der QWERTY-Tastatur gekauft – es blieb bloss keine Zeit für eine eigene Fotosession (Kamil Switalski, Unsplash-Lizenz).

@Matthias boah was ein Text. Bravo! Ich kaufe immer gebraucht und achte dabei auf die technischen Daten. Mein #laptop hat 50 Euro gekostet und ist super! bin seit langem auf #linux #linuxmint  umgestiegen. Völlig reibungslos. Im Gegenteil gibt es sogar einiges was unter #Windows nicht so geht. Wie auch immer. Ich kann es nur empfehlen!

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