Gestern Nacht lag in der Kälte am Ausgang des Bahnhofs in der Ecke am Snackautomaten regungslos ein junger Mann. Alle sind vorbeigegangen. Ich habe ihn angesprochen und an ihm gerüttelt: keine Reaktion. 112 angerufen und Atmung überprüft. Er war schon etwas steif aber vor seinem Mund wurde meine Hand warm. Er atmete noch. 8 Minuten mit dem Rettungsdienst am Ohr hat er nicht reagiert. Nach 5 Minuten habe zum ersten mal leichtes Wimpernzucken gemerkt.

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Ich habe ihn in die stabile Seitenlage gebracht und weiter angesprochen und ab und an gerüttelt. Nach 8 Minuten zuckte sein Fuß. Nach 10 Minuten wurde er wach. 2 Minuten später traf der Rettungsdienst ein. Kurz bevor er wach wurde ist das erste Mal eine junge Frau angehalten und fragte mich ob sie helfen kann. Alle anderen sind vorbeigegangen. Ich bat die Frau auf den Krankenwagen um die Ecke zu warten und die Sanitäter schnell herzubringen.
Als der Junge wach wurde und am ganzen Körper zitterte war er nach kurzer Verwirrung ansprechbar. Er is vor ein paar Tagen 18 Jahre alt geworden und wurde von seinen Eltern rausgeschmissen, weil er keinen Schulabschluss bekommen hatte. Er lebt seit 3 Tagen auf der Straße. Der eintreffende Rettungsdienst hat nach einem kurzen Austausch übernommen und stand noch gute 10 Minuten mit dem Jungen im Wagen bevor sie ins Krankenhaus fuhren.
Ich hoffe dem Jungen geht es gut. Ich hatte ihm gesagt, dass er nicht auf der Straße leben muss und vom Staat Hilfe bekommen wird. Im Krankenhaus wird ihm der soziale Dienst Hilfe anbieten. Hoffentlich war dies ein Wendepunkt in seinem Leben. Wie jemand letztes Jahr zu mir sagte: Wir müssen aufeinander Acht geben und füreinander da sein. Danke!
Für viele Menschen ist es in dieser Zeit nicht leicht. Eine Gesellschaft die von der Politik und den Medien vorgelebt bekommt, dass man nach unten tritt ist keine Gesellschaft in der ich leben möchte. Wir müssen füreinander einstehen; auch für uns fremde Menschen. Wenn wir uns mit Wärme begegnen werden wir als Gesellschaft auch wieder freundlicher zueinander. Wir können einen Unterschied zu der allgemeinen Ignoranz sein.
Die Situation gestern abend war für mich sehr fordernd. Aber der Rettungsdienst am Telefon hat mich beruhigt und mir genau gesagt was zu tun ist und mich gut betreut. Jeder Mensch mit einem Führerschein hat einen Erste Hilfe Kurs gemacht. Zumindest ansprechen und am Körper ruckeln kann jeder. Oder andere ansprechen ob sie helfen können.

Nehmt euch die Zeit und fragt wie es den Menschen um euch geht. Interessiert euch wirklich für sie. Ihr macht die Welt zu einer besseren! Vielleicht engagiert ihr euch auch mal ehrenamtlich. Das war mir wichtig loszuwerden.

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