Ich wollte ja auch mal über Geld sprechen und wie schwierig es für Autorinnen ist, von ihrem Beruf leben zu können. Zumal in D das Schreiben als Hobby angesehen wird. Dafür auch noch Geld verlangen, ne, haha, ganz schön abgehoben. Muss auch heißen, deine Romane sind Schrott, den Kunst und Geld, das geht ja auch nicht zusammen.
Haken wir das mal eben ab, ja? Danke.
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#selfpublishing #autorinnenleben #KDPSelect #tolinomedia #tantiemen
Seit Jahren ist Amazon verpönt und verrufen und in vielerlei Hinsicht absolut zu Recht. Für Autorinnen allerdings hat dieses Unternehmen sehr viel getan, denn man muss nicht glauben, dass ein gutes Buch automatisch einen Verlag oder vielmehr einen Agenten findet. Es muss perfekt in den Markt passen und sich verdammt gut verkaufen. Wovon die Autorin in der Regel nicht so viel hat, dazu muss es sich noch besser verkaufen.
Wer aber diese Schiene gar nicht fahren will, hatte nun eine Chance: KDP.
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Klar, dahinter steckte eine Agenda: Da hatte man dieses wirklich gute Produkt - den Kindle - aber nichts, was darauf gelesen werden konnte. Am liebsten wollte man etwas, was es woanders nicht gab. Also bot man Autorinnen, die bereit waren, alles in die eigene Hand zu nehmen, leichten Zugang zur Veröffentlichung. Und wer damals einstieg, hatte allerbeste Chancen, ganz schnell ziemlich viel Geld zu verdienen.
Das ist eindeutig vorbei.
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Aber noch immer war mit guter Arbeit und viel davon, mit viel Liebe und Mühe in Bezug auf Cover, Klappentext, Gestaltung und natürlich Inhalt - der hier sehr viel diverser sein durfte als bei jedem Verlag - in der Lage, davon leben zu können. In meiner besten Zeit vor 2 o 3 Jahren hatte ich die passende Trilogie geschrieben - ahnte ich vorher nicht; ein Dienstmädchen aus der Eifel im Jahrhundertwende-Bonn? Schlug ein udn Amazon half mit Deals und Prime Reading. Plötzlich erhielt ich Boni für
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die gelesenen Seiten, dafür, dass Leserinnen meine Geschichte liebten. Im besten Monat hatte ich einen Umsatz von 9731,-€ und konnte es nicht fassen. Gut, so viel war es danach nicht mehr, da kam alles zusammen, aber ich hatte mich auf einen Mindestumsatz von 4000 hochgearbeitet - und ich war täglich, auch an den WE, locker 12 Stunden beschäftigt.
Das Geld an ich war nicht mal so wichtig, es stand für Wertschätzung, für Bestätigung, für Motivation.
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Dass das nicht so bleiben würde, war klar, das sind immer nur Hochzeiten. Aber wie stark man abstürzen kann (und davon berichtete neulich endlich auch mal eine der Autorinnen, die sehr, sehr viel verdiente, und andere schlossen sich an - es betrifft die meisten nun, das ist systemisch), das hatte ich mir doch nicht vorgestellt.
Zum Teil ist es meine Entscheidung gewesen. Zu sehen, wie Bezos in die Knie ging, Zuckerberg eh, wie sie den Faschismus pushen, obwohl sie Geld genug hätten,
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Widerstand zu organisieren, das ekelte mich an. Das waren die Männer, von denen ich ganz direkt abhängig war. Ohne Insta und FB, ohne auch die Ads dort zu bezahlen, lief nichts. Ich versuchte es im März zum 6. Mal mit Tolino - weg von der Exklusivität, die mir im Januar 25 immer noch 4500,- Umsatz brachte. Deutlich mehr als die üblichen 50 pro Monat, die ein deutscher Autor im Durchschnitt verdient.
Ich ging all in, bekam auch Werbeplätze, ich redete mir den Mund fusselich, nutzte Insta + FB
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@Andrea Dieses auf und vor allem das extreme runter ist für den normalen Arbeitgeber kaum vorstellbar.
@MichaelD Ich denke, die meisten Selbstständigen können das ganz gut nachvollziehen, wobei ich das ja auch hinter mir habe und da konnte ich ein Plateau erreichen und halten, unter das ich nie fiel. Hier ist einem jede Planbarkeit genommen.
Dazu kommt, dass du das Geld erst nach Monaten erhältst. Was ja aber doch eine gewisse Planbarkeit beinhaltet.
Ah, und sollte man dir das Konto schließen, dann wird das Geld natürlich einbehalten.