Beim Gautinger Internettreffen

Immer mal wieder hatte ich in den letzten Jahren vom Gautinger Internettreffen gehört oder gelesen. Dieses Jahr war ich selbst mit einem Impuls zu zukunftsgestaltendem Lernen dabei. Das Motto des diesjährigen Treffens lautete: digital und selbstbestimmt. Meine These dazu war:

Digital und selbstbestimmt braucht ganzheitlich und verbunden.

Ich habe mich dieser These in drei Schritten genähert:

  • Ausgangspunkt war für mich die Möglichkeitsmut-Wippe: Um im Kontext technologischer Entwicklungen weder in naiven Optimismus noch in Bildungsalarmismus zu verfallen, hilft eine bewusste Verschiebung weg von Abwehr, Angst und Fatalismus, hin zu Akzeptanz, Neugierde und Gestaltungszuversicht.
  • Diese Gestaltungszuversicht gerät allerdings unter Druck, wenn wir technologische Entwicklungen in ihrer Tiefe betrachten. Eine digitale Infrastruktur, die von Kommerzialisierung, Monopolisierung und Machtkonzentration geprägt ist, kann leicht das Gefühl von Ohnmacht erzeugen. Umso wichtiger ist es, sich klarzumachen: Diese Herausforderungen sind nicht nur äußere Bedingungen, denen wir ausgeliefert sind. Innere Entwicklung und äußere Veränderung hängen zusammen. Ohne ein ‚In die Zukunft lehnen‘ im Inneren bleibt auch Gestaltung von Technologie im Außen begrenzt.
  • Auf diesem Weg können wir den Blick auf die DeepSkills richten, die uns als Menschen zur Verfügung stehen. Sie entstehen in Lernkontexten, die Ganzheitlichkeit und Verbundenheit ermöglichen.
  • In diesem Sinne wird für mich verständlich, warum digital und selbstbestimmt ohne ganzheitliche und verbundene Lernprozesse nicht denkbar ist. Durch die so ermöglichte Entfaltung menschlicher Potenziale können Lernprozesse der Ermächtigung entstehen.

    Solche Lernprozesse sind natürlich kein Selbstläufer, aus denen automatisch eine bessere Bildung oder eine bessere Technologie entsteht. Wenn ich zum Beispiel als Pädagogin mit einem potenzialorientierten Blick auf Lernende schaue, dann kann ich in der Folge leicht in Konflikt mit der vorherrschenden Prüfungskultur geraten. Genau die so entstehenden Widersprüche können dann aber wiederum produktiv genutzt werden, um auch im Äußeren für Veränderungen einzutreten. Ohne die innere Entwicklung hin zu einem Growth Mindset hätte ich mich gar nicht auf diesen Weg gemacht.

    Was für die Gestaltung von Bildung gilt, gilt auch für die Entwicklung von Technologie. Mit Ganzheitlichkeit und Verbundenheit öffnen wir den Blick auf die Frage: Welche Technologie entwickeln wir für die Welt, die wir eigentlich wollen? Wir bleiben also nicht mehr bei der Frage stehen: Wie nutzen wir Technologie möglichst effizient innerhalb des bestehenden Systems?

    Spätestens dann wird deutlich, dass Technologie an dieser Stelle natürlich nur ein Ausschnitt ist. Wir können diese Herangehensweise insgesamt auf die Herausforderungen dieser Welt übertragen. Durch Entfaltung menschlicher Potenziale im Inneren im Sinne von Ganzheitlichkeit und Verbundenheit kommt eine bessere, weil l(i)ebenswerte Welt in den Blick.

    Im Ergebnis lässt sich dann sagen:

    Gute Pädagogik ist immer auch Aktivismus für eine bessere Welt!

    Herzlichen Dank für die Einladung und den schönen Austausch vor Ort in Gauting!

    Credits und zugleich Vertiefungs-Empfehlungen des Impulses waren:

    #DigitaleMündigkeit