Liebe Frauen, wie oft haben euch Männer von sich aus (!) mal gefragt, welche Erfahrungen ihr mit Sexismus/übergriffigen Männern/sexueller Belästigung gemacht habt?
Noch nie.
86.3%
Ab und zu
11.4%
Passiert regelmäßig.
2.3%
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Liebe Frauen: Würdet ihr euch wünschen, Männer würden euch häufiger von sich aus auf eure Erfahrungen mit Sexismus/übergriffigen anderen Männern/sexueller Belästigung ansprechen?
Nein, lieber nicht.
10.6%
Es kommt drauf an...
65.2%
Ja, definitiv.
24.2%
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Liebe Männer: Wenn ihr zu der überwältigend großen Gruppe gehört, die dieses Thema nicht von sich aus ansprechen: Woran liegt das?
Unsicherheit.
62.2%
Ich blende es lieber aus.
4.4%
Ich rede ungern über solche schwierigen Themen.
11.1%
Etwas anderes (Kommentar).
22.2%
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Sehr interessante Antworten, danke an alle, die hier kommentiert und abgestimmt haben!
Viele Männer sind unsicher, wie sie das Thema ansprechen sollen und ob sie ggf. traumatische Dinge hochholen.
So gut ich das nachvollziehen kann und auch die darin mitschwingende Vorsicht und Empathie schätze (!!): Diese Haltung lässt uns Frauen halt auch ungewollt ganz schön alleine damit. Wir *müssen* damit umgehen, ihr könnt euch aktiv entscheiden, ob und in welcher Form ihr euch damit auseinandersetzt.
Ich habe diese Unsicherheit oft auch einfach als Desinteresse der Männer interpretiert, dass sie es halt nicht genau wissen wollen und den Luxus haben, es ignorieren zu können. Einfach, weil man halt auch über das Darüber-Sprechen nicht spricht.
Und noch was: Den Müttern, Frauen, Freundinnen und Schwestern passiert es in aller Regel halt nicht, wenn sie dabei sind! Das macht es noch leichter, das Ganze abstrakt zu betrachten.
Gleichzeitig geben die Frauen hier an, dass es sehr darauf ankommt, wann und wie sie über ihre Erfahrungen sprechen wollen.
Es ist kompliziert. Aber vielleicht kann man, wenn dieses Thema allgemein aufkommt, mal nachfragen, ob es gewünscht ist, über Erfahrungen und Erlebnisse zu sprechen. Und dann abwarten, welche Unterhaltung sich daraus entwickelt.
Noch ein Nachtrag: Ich erwarte dagegen gar nicht (im Gegensatz zu vielen anderen Frauen hier), dass sich alle Männer jetzt auf jeden Fall zu #Ulmen und Co. äußern.
Mir persönlich (!) wäre mehr damit gedient, wenn diese Energie in den zwischenmenschlichen Austausch fließen würde.
(Aber auch hier: Wenn man Taten verurteilen kann, die irgendwo und irgendwem anders passieren, ist das halt leichter als sich anzuhören, was der eigenen Partnerin schon alles so passiert ist. Absolut verständlich.)
@ju_les Ich hatte das eher so verstanden, dass erwartet würde, dass sich Männer dazu gar nicht äußerten 🤷🏻‍♂️
@netzwege Es ist offenbar kompliziert - wie immer... Ich habe häufig die Erwartung gelesen, Männer müssten sich zwingend dazu äußern, was ich aber gar nicht nachvollziehen kann. Da gibts nicht nur Schwarz und Weiß.
@ju_les Ich habe in den vergangenen Tagen eher schwarz erlebt und mein vormals positiver Eindruck, dass es im #Fediverse eine ausgeglichenere Diskussionskultur gäbe, hat sich schwer eingetrübt.
@netzwege Die Illusion habe ich auch schon länger nicht mehr. Zumindest bei manchen Themen kann man das hier echt vergessen, da wird sich genau so bekriegt wie anderswo im Netz. :(
@ju_les Mein Reden - meine Schlussfolgerung: Klappe halten und mir meinem Teil denken 🤐
@netzwege Leider ist das manchmal wirklich das Beste. So schade...
@ju_les Wenn ich politisch falsch abgebogen wäre, würde ich jetzt sagen: "Siehst Du, man darf in Deutschland nicht mehr sagen, was man denkt ..." 😆🤪😂

@ju_les Verständlich. Mir wurde zu oft vorgeworfen, nach so etwas zu fragen sei übergriffig, das gehe mich nichts an, usw. -- auch wiederum verständlich, weil ich als Mann nun mal nicht vertrauenswürdig bin, und diese Art Informationen gegen die betroffene Person verwenden könnte -- oder scheiße reagieren: Man(n) wird sehr genau "geprüft", und so in etwa jede Reaktion kann (und wird) negativ ausgelegt werden, auch wenn sie überhaupt nicht so gemeint war. Ich mache sowas nach zu vielen für beide Seiten mindestens unangenehmen bis schmerzhaften Erfahrungen nur noch in entsprechenden Kontexten, z.B. Coachings in denen jemand mit mir solche Themen bearbeiten möchte.

Also, bei mir, Unsicherheit ja, aber vor allem Respekt und Vorsicht. Mit den von dir genannten Nachteilen.

Alles nicht einfach.

@gamambel Es ist nicht einfach. Ich respektiere auch jeden und jede, der/die über solche Themen nicht sprechen will. Zumal es ja wirklich viele Männer gibt, die sowas auch nicht ernst nehmen.
Aber gleichzeitig täte es uns als Gesellschaft schon gut, über all das offen(er) zu sprechen.

@ju_les

auch unsicherheit darüber wie ich möglichst effektiv helfen kann.

Beispiel: eine freundin hatte eine schlechte erfahrung mit einm mann gemacht, den ich auch kenne. Ich hatte angeboten, da ihr solidarisch in einem gespräch mit den beiden zur seite zu stehen. Hatte sie abgelehnt, wollte das Gespräch alleine machen. Das Gespräch ging für sie nicht so gut aus, sie hat nicht das gefühl ihre kritik sei angekommen.

1/2

@ju_les

mein problem: spagat hinbekommen zwischen "frauen können für sich selbst sprechen" und "solidarisch sein, andere männer zur verantwortung ziehen, aus sprachlosigkeit heraushelfen."

D.h. ich denke, in der situation war mein angebot nicht soo gut weil es irgendwie die falsche hilfe war. muss noch lernen die richtige hilfe leisten zu könnne.

hatte da glaub ich auch bisschen gemansplained bzgl "richtiges" arbeiten mit solchen männern.

2/2

@mohnblumengesang Das Wichtigste ist ja sowieso, sich da erstmal zu reflektieren, so wie du es gemacht hast. Und manchmal ist eine gute Hilfe ja einfach auch das Zuhören, ohne dass man direkt etwas aktiv machen muss.
@ju_les Habe "Etwas anderes" gewählt.
Der Grund, weshalb ich nicht von mir aus nach solchen Erfahrungen frage, ist, dass ich keine Wunden aufreissen möchte. Selbst bei sehr engen Freundinnen.
Im Laufe der Zeit haben viele Frauen mir von diesen Erfahrungen berichtet, von sich aus. In den Gesprächen darüber ging es aber nie über das Was, sondern darüber, welche Wirkung diese Gewalt gehabt hat und noch hat. Und wie es anfühlt, wie man sie hätte verhindern oder wenigstens mildern können.
1/2
@ju_les Danke für die Umfragen! Ich hoffe, ich kann etwas lernen 🙏
2/2
@ju_les 1+3 trifft auf mich zu. Ergänzend (oder auch davon umfasst) ist, dass ich nicht weiß, ob eine solche Frage überhaupt gewünscht wird von Frauen (da bin ich auf deine Umfrage gespannt). Und wie eine Gesprächssituation erreicht werden kann, in dem ein solches Thema nicht aus heiterem Himmel kommt (Stimmungen lesen fällt mir grundsätzlich schwer, wodurch ich sowieso wenige tief persönliche Themen von mir aus anspreche, komplett geschlechtsunabhängig).
@foobarblubb Kann ich nachvollziehen. Die Frauen, die hier teilgenommen haben, sehen das Ganze ja auch differenzierter. Vielleicht kann man gezielt nachfragen, ob das Thema okay ist, wenn man die Sprache darauf kommt bzw. kommen könnte.
@ju_les Unsicherheit und dass bereits die eigeninitiative Frage danach übergriffig sein könnte. Schließlich muss die Person selbst beurteilen, ob 1) sie soweit ist darüber zu sprechen und 2) das dann ausgerechnet mir anvertrauen möchte.
@ju_les es gibt wenige Menschen mit denen ich über sowas rede, bei fremden Frauen würde ich mich dabei als übergriffig empfinden. Es ist auch nicht unbedingt erwünscht, siehe oben.
@ju_les Ich finde es schwierig einen Ansatzpunkt für solche Gespräche zu finden. Mitte 30 ist es schwierig im Alltag Raum zu "sich vertraut machen durch abhängen" zu finden um mal solche Fragen rauszuholen. Das könnte durchaus an Lücken in meiner Sozialkompetenz liegen - aber es bedarf halt einer gewissen Nähe sich so zu öffnen (ich schätze besonders einem Typen ggü)
@ju_les Mit der Frage dannach hole ich eventuell Sachen aus der Versenkung, welche die Frau lieber vergessen will. Deswegen bin ich Grundsätzlich unsicher dannach zu Fragen. Es kommt auch auf die Beziehung, das Setting und die Intension an.

@ju_les Ich möchte keine Traumata aufreißen.

Wenn das Thema sowieso gerade aufkommt oder sie es von sich aus anspricht, hab ich kein Problem damit, dass wir darüber reden, aber "hey, erzähl mir doch mal von den Übergriffen, die du so erfahren hast" find ich n bisschen weird.

Offenheit, darüber zu reden, oder auch einfach nur zuzuhören, versuche ich aber immer zu signalisieren.

@ju_les naja was soll ich groß in anderer Leute Leben rummachen? Willste mir was erzählen bin ich offen, haste ein Problem helf ich, aber aktiv nachfragen? *Will* mir die Frau das grad überhaupt erzählen oder geh ich ihr auf den Geist damit?

Manchmal kommt man im Gespräch auf son Thema, grad im Ehrenamt, da frag ich dann ggf mal nach bestimmten Situationen, aber das muss halt zum Flow passen.

@Laird_Dave "Zum Flow passen" definitiv! Aber grds. spricht dann ja nix dagegen, erstmal zu fragen: "Willst du davon erzählen oder eher nicht?". Dann kann man ja immer noch schauen, ob das Gegenüber darüber sprechen will und in welchem Umfang.

@ju_les wie gesagt, ich bin offen, wenn jemand was erzählen will und die für mich relevanten Frauen wissen das auch. Irgendwelchen Wildfremden da jetzt ein Gespräch reinzudrücken wär ja auch übergriffig.

Ich weiß glaub ich besser Bescheid als die meisten anderen Kerle in meinem OV, wo es grad in unserem Dunstkreis im THW noch Schwierigkeiten gibt. *Weil* ich zuhöre und die Frauen im OV ein höheres Maß an Vertrauen zu mir haben als zu vielen anderen, leider.

@ju_les
Ich habe 'etwas anderes' gewählt. Mich erschrecken und beschämen diese Themen. Allerdings sehe ich auch, dass von vielen (noch nicht von allen) viel (nicht alles) dazu gesagt wird/wurde. Von mir also auch noch? G-tt bewahr! Damit ist keiner Frau geholfen. Dann lieber den Blick für meine Umgebung schärfen, um hier Missstände zu erkennen.
@Sendekomplex Aber wie würdest du konkret deinen Blick für deine Umgebung schärfen? Evtl. wäre ja gerade das Drüberreden mit Frauen in deinem Umfeld ein guter Start?
@ju_les
Direkte Frage empfände ich als übergriffig.
Ich erinnere mich, dass vor mehr als 20 Jahren mal eine Frau an meiner Kasse stand, die deutliche Spuren von Misshandlung trug. Die einfache Frage, ob ich helfen kann, würde aber so was von harsch abgebürstet.
@ju_les Ich wüsste nicht, ob dass von ihr gewünscht ist. Insbesondere hätte ich Angst, dass mein gegenüber nicht nur den alltäglichen Sexismus erfahren hat, sondern auch Missbrauchsopfer ist. „Hey, welche schlechten Erfahrungen mit Männern hast Du gemacht“, wäre dann eine krasse Frage.