Habe mir jetzt mal ein Stück des Oscar-Preisträger-Films "Ein Nobody gegen Putin" angesehen. Schwere Kost. Die Rezeption im Westen mit vielen Missverständnissen. Es ist wichtig, zu verstehen, was in Russland los ist. Das ist das Verdienst des Films. Könnte das Verdienst sein. //

„Ein Nobody gegen Putin“ gewin...
„Ein Nobody gegen Putin“ gewinnt Oscar: Schwere Kost

In der Doku „Ein Nobody gegen Putin“ filmt ein Pädagoge den Alltag in einer russischen Schule. Er zeichnet ein düsteres Bild der Propaganda-Maschine.

TAZ Verlags- und Vertriebs GmbH
Palankin ist nicht gegen Putin. Er bildet die Kinder aus. Er lehrt die Propaganda. Er behauptet, vor 2022 hätte Freiheit geherrscht, die Invasion der Ukraine begann aber 2014. Und auch davor gab es Invasionen. //
Viele im Westen glauben weiter, besonders nach diesem Film, es gäbe in Russland eine nennenswerte Opposition gegen den Krieg. Gibt es nicht. Die große Mehrheit unterstützt den Krieg, wünscht weiter einen Sieg. //
Im Film und bei der Preisverleihung dreht sich alles um Russland. Kein Gedanke an die Ukraine und die Menschen dort. Wie es ihnen erging während des Krieges, was werden sie nach dem Krieg tun. Interessiert nicht. //
Es stimmt: Russland wäre besser, gäbe es viele Menschen wie Palankin. Aber das ist noch lange nicht ausreichend. Wie stellt sich die russische Opposition zur Frage der Reparationen? Wie soll eine künftige Sicherheitsarchitektur aussehen, die Russland die Macht zur Aggression nimmt?//
Trägt dieser Film nicht zum Mythos des "Russlands mit dem guten Volk unter einem bösen Diktator" bei? Ist das vielleicht seine Aufgabe? Den Übergang in die Nachkriegszeit vorzubereiten?
@ustinoff.eurosky.social ich habe den Film gestern ganz gesehen und hinterher noch ein Interview mit T. Ich verstehe die Einwände, sie sind auch richtig, treffen aber m. E. nicht das, worum es im Film eigentlich geht. Die eigentlichen Protagonisten sind nicht die Erwachsenen, sondern die Schülerinnen und Schüler. Du siehst in den Gesichtern und in den Interaktionen, die der Film zeigt, was die staatliche Erziehungsgewalt in diesen jungen Menschen anrichtet. 1/
@ustinoff.eurosky.social dass das, was im Ural geschieht, nicht vergleichbar ist mit dem, was in der Ukraine passiert, wird im Film ausdrücklich gesagt. Aber es ist eben das, was T. beobachten kann und unter enormem persönlichen Risiko dokumentiert und bezeugt hat. 2/
@ustinoff.eurosky.social letzte Bemerkung: der Film spielt nicht in Moskau, St. Petersburg oder auch nur Jekaterinburg, sondern in einer Kleinstadt mit 10000 Einwohnern. Das ist eine Lebenswelt, die selbst für viele, die sich mit Russland auszukennen glauben, noch einmal um einiges fremder ist. 3/3
@stefan_hessbrueggen
Danke für deine Einschätzung. Ich konnte mir nur ein paar Minuten anschauen. Das war 100% meine Kindheit, das sowjetische System wurde wiederbelebt.
Trotzdem habe ich bei diesem Film kein gutes Gefühl. Das ist alles zu einfach, zu holzschnittartig, m.M. zu sehr auf Wirkung im Westen hin gemacht. Ich kenne den Hintergrund nicht, aber ich habe kein gutes Gefühl, wenn ich das sehe und die Reaktionen dazu lese.
@Ustinoff was die Situation sicherlich verkompliziert: der Autor der dokumentarischen Szenen ist kein Unbeteiligter. Er porträtiert seine Heimat, ohne autoethnographische Reflexion. Er ist eben kein gelernter Filmemacher. Zugleich ist der Film insgesamt Produkt eines westlichen Teams und zielt notgedrungen auf ein westliches Publikum. 1/
@Ustinoff zugleich ist die Frage nach Handlungsspielräumen, "erlernter Hilflosigkeit" etc. bezogen auf die Erwachsenen ein Problem, das ich schon vor '22 mit Russland hatte. Aber noch einmal: für die, die in meinen Augen die Protagonisten sind, stellen sich diese Fragen nicht. Let's agree to friendly disagree (possibly). Ich muss das alles auch erst noch verarbeiten. 2/2
@Ustinoff 3/2 jetzt habe ich auch die TAZ-Rezension gelesen. Es fällt auf, dass die Kinder dort kaum Erwähnung finden, obwohl sie eben sicherlich gefühlt mehr als die Hälfte der Zeit im Bild sind. 3/2

@stefan_hessbrueggen
Das ist diese Transformation in der Schule, wo die russischen Kinder zu Akteuren in der russischen Gesellschaft werden, mit ihrer Gewalt, der Korruption und den ganzen toxischen Sozialstrukturen. Im Film sieht man die Propaganda, aber nicht die Auswirkungen auf die Kinder und Jugendlichen.
@Kristian_Kiehling hat mich darauf hingewiesen, das Chodorkowski der Sponsor des Films ist. Der braucht ein Bild im Westen.

https://khodorkovsky.com/huge-congratulations-to-pavel-talankin-and-everyone-behind-mr-nobody-against-putin-on-the-oscar-nomination/

Huge congratulations to Pavel Talankin and everyone behind “Mr. Nobody against Putin" on the Oscar nomination

Huge congratulations to Pavel Talankin and everyone behind “Mr. Nobody …

Mikhail Khodorkovsky
@Ustinoff @stefan_hessbrueggen
Correction: One of Khodorkovsky's foundations sponsored part of the Oscar campaign for this film, as stated by Khodorkovsky himself in the article I linked.
@Kristian_Kiehling @stefan_hessbrueggen
"Helped support the film's production" , whatever that means.

@Kristian_Kiehling @stefan_hessbrueggen

Talankin does not want to be a traitor. He loves Russia. His problem is the propaganda and the lies against the children. No words about what happens at the front.
https://vot-tak.tv/84793857/talankin-propaganda-v-shkolah

@Ustinoff he explains in the movie how to understand this kind of patriotism. I can find nothing against a person that loves harsh winters, grey khrushchevki and (most/some) people in his small town. And what happens on the front, does have a place in the film, too. The brother of a protagonist seems to have deserted, but returned /was captured and died a few weeks later. @Kristian_Kiehling
@Ustinoff you can conjecture that this happened because of his desertion - as we know from reports here in the West. Does T. have a mature post-colonial awareness of the role of the Russian empire and the Soviet Union? Maybe, maybe not, but I don't see how we can judge the movie because of some perceived deficiency of its main author. @Kristian_Kiehling
@Ustinoff especially if the movie shows things that people in the West should know and be aware of and if this knowledge was made accessible to us by a person who acted nothing short of heroic. @Kristian_Kiehling

@stefan_hessbrueggen @Ustinoff
I highly recommend this semi-serious review of the film in pictures and quotes, as it perfectly illustrates how the film's apparent shortcomings are actually intentional. They mask a Russian soft propaganda instrument specifically targeted at receptive western audiences who think 'there is nothing wrong with loving your home and' designed to absolve Russians of any responsibility and target Western audiences.

https://twitter-thread.com/t/2033469289882136862

I watched this shit so you shouldn't have. by @ilovetzd(Crwꑭ) | Twitter Thread Reader

I watched this shit so you shouldn't have. No calls to rise up, or need do something, just a passive blog about poor ruzzian chunguses with deep sovl that have no will of their own. It's literally this https://t.co/fmquHWvGRn

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@stefan_hessbrueggen
I said "the film doesn't show what happens at the front" , I should be more clear.
Yes, it is shown what happens to Russian soldiers at the front.
It is not shown, what Russian soldiers do at the front. Russians are killing, murdering, torturing Ukrainians since many years now. They are devastating Ukraine, committing crime after crime.
How can T. still love his country? Not be ashamed?
Talankin has no thought for Ukrainians.
@Kristian_Kiehling
@Ustinoff @stefan_hessbrueggen
The answer is simple. He is a Russian nationalist who believes that he belongs to a Russian master race that considers Russian lives more valuable than Ukrainian ones. That's why the genocide in Ukraine is not focussed on, but Russian lives lost are. No rational person would claim to love their country in such circumstances. Many pro-Russian Westerners miss these signs of Russian fascism because they make the fatal mistake of comparing Russians to themselves.
@Kristian_Kiehling @stefan_hessbrueggen
Exactly. That's the point.
@Ustinoff @stefan_hessbrueggen
What I find most disturbing about the film's positive reception by certain European audiences is their sympathy for the devil. It's as if people from Germany, France, Italy, Spain, or Portugal are remembering their own fascist past and saying to themselves, "Look, here's another poor fascist who couldn't help but be a fascist. It's not his fault." So, there's a bit of self-absolution for fascism going on here as well, which is rather disgusting really.