Mit dieser Einsatzfahrt in #Taucha ist's halt auch wieder so nen Punkt bei dem man in Deutschland notorisch schlecht ist.

Wenn du z.B. dir hier bei Feuerwehr oder Polizei entsprechende Dienstanweisungen anschaust, welche selbstverständlich öffentlich zugänglich sind, ist ganz klar geregelt, wie bei gewissen Dingen z.B. Einsatz- oder Verfolgungsfahrten umzugehen ist und ab wann die Verkehrssicherheit und Liability der Stadt in den Vordergrund rückt (und ab wann sie z.B. bei ner Verfolgungsfahrt lieber jemanden abhauen lassen sollen). - Auf der anderen Seite weiß halt auch jeder, wie zuverlässig Brandmeldeanlagen sind. Je nach Statistik bist du da bei mindestens 75% Fehlalarmquote.

Nichts und niemand hätte die Kommune daran gehindert, dies in entsprechenden Dienstanweisungen festzuhalten.

Der Bürgermeister sagt zwar, dass es einen solchen Fall noch nicht gab, trotzdem hätte man ja festhalten können, dass die Stadt bei Einsatzfahrten ab +20 km/h (und möglicherweise insbesondere bei Brandmeldeanlagen) die Verkehrssicherheit in den Vordergrund stellt und nicht "wissen se eh":

"Grundsätzlich verfahre man in Taucha nach dem Grundsatz, dass Strafzettel für geblitzte Feuerwehrleute bei bis zu 20 km/h Überschreitung ad acta gelegt werden. Bei mehr entscheide man je nach Situation. Und das wüssten auch Feuerwehrleute, die länger dabei seien." - "Kann ich Ihnen jetzt auch nicht so sagen ob die das alle so wissen."

Mich wundert hier eigentlich fast schon nen bisschen, dass hier noch niemand die DSGVO-Keule gezogen hat um zu prüfen ob die Weiterleitung der Fahrerdaten hier überhaupt rechtmäßig war. Denn eigentlich weiß die OWi-Behörde ja erstmal nur, dass es sich um ein städtisches Fahrzeug gehandelt hat.🫠

https://www.radiodresden.de/beitrag/mit-blaulicht-geblitzt-feuerwehrmann-soll-trotzdem-zahlen-888577/

Mit Blaulicht geblitzt: Bürgermeister erklärt, warum Feuerwehrmann trotzdem zahlen soll

Riesenärger um ein Blitzer-Foto eines Feuerwehrmanns in Taucha. Der 55-Jährige ist letztes Jahr im Mai im Feuerwehrwagen mit Blaulicht auf dem Weg zu einem Einsatz zu schnell gewesen. Und zwar deutlich zu schnell: Er wurde mit rund 72 km/h in einer Baustelle geblitzt, wo nur 30 erlaubt waren. Bürgermeister Tobias Meier wollte ihm daraufhin das Bußgeld zwar erlassen, dafür sollte der Feuerwehrmann aber etwas an eine Einrichtung für Verkehrserziehung spenden. Daraufhin hat der Mann die Feuerwehr aus Frust nach über 30 Jahren verlassen - und der Wehrleiter von Taucha ist gleich mit zurückgetreten. Im Interview hat uns der Bürgermeister nun ausführlich erklärt, warum es eine sehr schwere Entscheidung für ihn gewesen sei und er den Strafzettel nicht einfach in den Müll schmeißen konnte …Schnell fahren ja, Rasen neinNach Abzug der üblichen 3 km/h waren es immer noch 39 zu viel in der Baustelle. “Gleich nach der Baustelle befindet sich auch eine Kreuzung, die von Schülern genutzt wird", so Meier. “Ich will mir nicht ausmalen, was da hätte passieren können.” Grundsätzlich verfahre man in Taucha nach dem Grundsatz, dass Strafzettel für geblitzte Feuerwehrleute bei bis zu 20 km/h Überschreitung ad Acta gelegt werden. Bei mehr entscheide man je nach Situation. Und das wüssten auch Feuerwehrleute, die länger dabei seien.Im konkreten Fall sei es so gewesen, dass die Brandmeldeanlage an einer Grundschule nachmittags einen Alarm ausgelöst hatte. Doch an der Schule wurde zu der Zeit noch gar nicht unterrichtet, was allgemein bekannt gewesen sei. Es habe also keine Lebensgefahr bestanden und es wäre nicht auf jede Minute angekommen. Generell gelte auch: Schnell fahren ja, um rechtzeitig bei einem Einsatz zu sein. Doch Rasen sei natürlich nicht erlaubt. Denn dadurch gefährde man natürlich auch andere Verkehrsteilnehmer.Gericht soll entscheidenMeier bedauert, dass es letztlich zu keiner Einigung gekommen sei. Er gibt auch zu, dass er sich nicht ganz sicher ist, ob er richtig entschieden hat. Nun kommt die Sache vermutlich vor Gericht und ein Richter muss abwägen …

@wifi_freak hm, ja, so ne "ach ja wir ignorieren nach eigenem Gutdünken Dinge bis 20 km/h und schauen uns die nicht mal im Einzelfall an" ist ja schon mal so rein von der Idee, dass Gesetze irgendwie ja erstmal für alle gelten, echt fragwürdig. Das hätte aufgeschrieben gehört, und nicht nur für die (gefühlte) Rechtssicherheit der Feuerwehrleute, sondern für alle.
Es hebt mein Vertrauen jetzt nicht, wenn da Ordnungsbehörden so ganz willkürlich mit VerkehrsOwidrigkeiten umgehen.

Und naja,

@wifi_freak Baustelle, wenn man dem Bürgermeister glauben darf, in der Nähe von wo Kinder sind (Wohngebiet? Spiel/Sportplätze?) mit 30 km/h. Die wird jetzt nicht ne 5 km lange Autobahnrenovierung gewesen sein, da braucht man dann als Kraftfahrer mit 70 km/h statt 50 km/h für die 250 m (50 m Baustelle inkl. Bremsen und danach Beschleunigen), auch äh +5,1 s. Mir nicht klar weshalb man da wirklich mit 70 Sachen durchbrettern muss, das offensichtliche "lieber 5 s später als gar nicht" bleibt ja.

@funkylab ich kenne weder Taucha noch die Straßenverhältnisse dort. Irgendwo war die Rede davon, dass es da nen Discounter und ne Schule gab.

Ob man halt mit nem ~16 Tonnen schweren Gefährt innerorts bei erlaubten 30 70 fahren muss steht meiner Meinung noch auf nem ganz anderen Blatt Papier.

Ich mein, in anderen Ländern hättest du als Stadt jetzt erstmal nen Verfahren wegen Diskriminierung am Hals hängen, weil diese inoffizielle +20km/h Policy vermutlich nirgendwo sauber runtergeschrieben ist (und sie den HLF Maschinisten ja haben davon kommen lassen).

Die ganze Aktion sendet halt, meiner Meinung nach, viel fatalere Signale an alle anderen Blaulichtorganisationen in Deutschland. - Wäre ich irgendwo nen Maschinist, würde ich aktuell nen Teufel tun und irgendwo auch nur 1km/h schneller fahren als erlaubt, bis das geklärt wurde. - Vielleicht wäre diese Solidarität aber auch das, was Deutschland hier gut tun würde. Alle halten sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen, Hilfsfristen würden überall massivst gerissen werden und dann gibt's halt plötzlich überall ne saubere Regelung.

@funkylab "Rasen hat mit Sonderrechten nichts zu tun, sondern mit Dummheit" (51:10)

Danach noch Rechenbeispiele wie schnell du fahren musst um 60 Sekunden zu sparen, Ampeln & Co.

https://www.youtube.com/watch?v=EYVyOTx2ghM&t=2592s

FIRE-Abend | Kraftfahrerbelehrung §35/38stVo

YouTube
@wifi_freak hach seufz, ja. Bin letztens am Durlacher Tor vollbeleuchtet nach Norden radelnd beinahe von ner Polizeistreife angefahren worden, die beschlossen hat, vor meiner Nase über die für sie rote Ampel zu fahren, nachdem sie für mich unsichtbar beschlossen hat, hinter dem rostbraunen KVVler-Gebäude das Blaulicht einzuschalten und dann mal ohne Horn das Wechselsignal zu ignorieren. Als ich dann etwas entsetzt gefragt habe ob das deren Ernst sei, kamen die mir noch mit "ganz dringender…
@wifi_freak Einsatz", und ich hatte eh nen gemischten Tag gehabt, es war kurz nach Mitternacht, und ich wollte jetzt nicht es drauf anlegen mit denen über die polizeilichen Aufgaben, und ob ohne Sirene über ne Hauptverkehrskreuzung zu fahren dazu gehört, zu diskutieren. Hätt vielleicht zuhause mal den Wachdienstleiter anrufen sollen, naja. Das nächste mal. Die roten Ampeln scheinen für die Polizei bei Nacht da generell mehr so "wir haben doch kurz Blaulicht aufleuchten lassen"-optional zu sein.
@wifi_freak … aber die Aktion hätt ich mal damals mit dem THW-Küchen-T2 ziehen sollen, und schauen, wie die Polizisten reagieren.
Echt, voll d'accord mit deinem "Ausnahmerechte für Einsatzkräfte gehören korrekt kodifiziert". Sowohl aus "sonst kein Rechtsweg für die Einsatzkräfte", als auch "damit anderen klar ist, was nicht geht".