Kultursamstag 2026 KW11

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Kultursamstag 2026 KW11 - feddit.org

Hallo zusammen, Da es über die Monate immer mal wieder Nachfragen gab: die Liste sind nur Beispiele. Solange es jetzt keine Nachrichten sind und ihr der Meinung seid, es könnte andere Menschen interessieren, dann stellt es uns anderen Nutzern vor, erzählt was euch daran gefällt und warum ihr es mit uns teilt. Blogpost, Sachbuch, egal. Nur Memes und Nachrichten würde ich ausnehmen, da daraus schon der große Rest des Fediverses besteht. Was habt ihr in der letzten Woche so an tollen Büchern gelesen, Filme geguckt, Spiele gezockt, Musik entdeckt, Museen oder Veranstaltungen besucht, … ?

Fahrenheit 541 von Ray Bradbury stand schon lange auf meiner Liste. Jetzt hab ich’s endlich gelesen. Allerdings hatte ich vielleicht zu hohe Erwartungen weil ich am Ende enttäuscht war.

Aber zunächst das positive: Bradbury war hier durchaus prophetisch was die technologische Entwicklung der Unterhaltungsmedien anging. TikTok hätte ihn sicher umgehauen. Was er nicht gesehen hat, ist dass das Internet und Social Media uns zu aktiven Teilnehmern macht, die eher überfordert als eingeschläfert werden. Auch finde ich die Sprache, die er verwendet und die vollgepackt ist mit schönen Metaphern und poetischen Beschreibungen toll.

Nun zur Kritik: Bradbury kommt mir in seiner Haltung extrem konservativ vor, ein alter Mann der Angst vor der neuen Technik hat. Er sieht nicht, dass auch Fernsehen oder Audiomedien tiefgründige Botschaften transportieren können. Die Bücher, die er als den Schatz des Wissens hochstilisiert sind allesamt Klassiker von alten Weißen Männern, die zu seiner Zeit weit entfernt von radikal waren. Besonders sein Fokus auf die Bibel als Quelle transformativem Wissens ist für mich befremdlich. Frauen sind hier Zombies die sich den ganzen Tag beschallen lassen oder naiv fragende Kinder. Auch die Darstellung der nicht lesenden Bevölkerung als unmündige Schafe, die am Ende wegen ihrer Blindheit im nuklearen Holocaust untergehen und denen der Protagonist und seine Truppe Harvard Jungs keine Träne nachweinen offenbart eine zutiefst elitäre Sichtweise auf das Thema. Klassenbewusstsein oder eine strukturelle Analyse der Machtverhältnisse und Mechanismen, die Sie versklaven sindnicht gegeben. Stattdessen sind sie mit Schuld an ihrer Ausbeutung, da sie ja selbst nicht mehr lesen wollten. Ihr Tod wird nicht als schreckliches Verbrechen, sondern als Neuanfang gesehen, der ein neues, von den erleuchteten Lesern geprägtes Zeitalter des Wissens einleitet.

Danke für die Einordnung. Ich habe auch noch vor dieses Buch zu lesen, da man ja doch immer wieder Referenzen hört und dieses Buch auch eine ordentliche Reichweite hat. Da ist es gut, wenn die Erwartungshaltung etwas niedriger gepackt wird, denn all deine Kritikpunkte werden mir vermutlich auch sauer aufstoßen.

Ich kann trotzdem empfehlen es zu lesen, sind schon auch gute Seiten daran. Die Entfremdung die der Hauptcharacter fühlt ist zB sehr gut beschrieben.

Gegen einige meiner Kritiken sind im Text auch Argumente eingebaut, aber meistens leider nicht konsequent genug umgesetzt. Eine Figur sagt z.B. mal irgendwann, dass nicht nur Bücher die Funktion von Wissensvermittlung und Denkanstößen liefern können, sondern auch andere Medien. Das ist aber halt ein Satz, in einem Buch was sonst alles tut um das Gegenteil zu behaupten. Genauso sagen die Harvard-Brüder, dass sie als Individuum nicht wichtig oder besonders sind, aber sie sind gleichzeitig davon überzeugt dass sie der Menschheit die Flamme des Wissens zurückgeben können, als wären sie lauter kleine Prometheuse.