Über Jahre habe ich sehr regelmäßig viele Stunden in den Lesesälen der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig verbracht. Ich habe dort mit Publikationen gearbeitet, die evtl. nie digitalisiert werden.
Trotzdem staune ich, wie persönlich ich die hanebüchene Idee des Kulturstaatsministers nehme.
Seit Monaten komme ich aus dem Entsetzen, Kopfschütteln, Sorgenmachen und Doomscrollen nicht raus. Im Rahmen meiner Möglichkeiten versuche ich etwas gegen rechtsextreme und teils faschistische Tendenzen zu tun, informiere mich usw., beobachte aber auch, dass und wie ich abstumpfe.
Mich macht es nachdenklich, dass ich offenbar den Bezug zu meinem ziemlich privilegierten Leben brauche, um die Empörung wieder deutlicher zu spüren. Ulkigerweise fällt mir ein Begriff ein, über den man sich in meinem Umfeld lange Zeit auch immer wieder lustig gemacht hat: Betroffenheit.
Vielleicht ist das auch so eine bildungsbürgerlicher Reflex bei mir. Wenns an die Buchhandlungen und Bibliotheken geht, schlägt ein spezifischer Alarm an.
Darüber werde ich jetzt weiter nachdenken, während ich der Stadtbibliothek einen samstäglichen Besuch abstatte.
@C_Kenneweg Welche Idee ist das denn genau? Ich habe das nicht so mitbekommen (ich Cosplaye den Bildungsbürger ja nur)
@jvanvinkenroye der Herr Minister will nicht, dass ein schon geplanter, für den Sammlungsauftrag der Bibliothek wichtiger Anbau gebaut wird.
20260312FinanzierungEB5

Deutsche Nationalbibliothek
@C_Kenneweg "Zur Begründung seiner Entscheidung erklärte der Staatsminister, die Sammlung körperlicher Medienwerke bis weit in die Zukunft hinein sei nicht mehr zeitgemäß; die Deutsche Nationalbibliothek solle sich stärker auf die digitale Sammlung konzentrieren."
Ah...Einscannen und entsorgen dann?