Weil ich in den letzten Tagen hauptsächlich mit Männern mehrere Gespräche zu verschiedenen feministischen Themen geführt habe und einige davon als sehr unangenehm empfand, mal eine Frage an alle Nicht-FLINTA:

Würdest du von dir sagen, dass du feministisch bist? Warum (nicht)? Was bedeutet für dich "Feminismus"?

Mich interessieren eure Gedanken dazu, ich möchte das nicht diskutieren, aber evtl stelle ich Nachfragen.

Same thing in English:

Had some unpleasant conversations about feminist topics these last few days, especially with men. So I'd like to ask people who *are not* women, lesbians, intersex, non-binary, trans, or agender people:

Do you consider yourself to be a feminist? Why (not)? What is "feminism" to you?

I'm interested in ideas, not discussion. I may ask follow up questions.

@Sci_Fi_FanGirl I do not consider myself a feminist, but I do consider myself someone who tries to be a good person, listen to peoples stories, and give everyone the opportunity to be themselves. I am not sure what the definition of feminist is tbh. If I had to self label, I would say I am an 'inclusionist'
@Aspiedan Well, I'd say there's not "the" (one and only) definition of "feminism". So I'm curious what it is to you.
@Sci_Fi_FanGirl For me, any 'ist' is someone who promotes/advocates for/educates about, so a feminist is (for me) someone who does these things specifically for women
@Sci_Fi_FanGirl da diese Definition nicht so ganz klar ist, ist eine Antwort schwierig.
@funbaker Die Definition "FLINTA" oder "Feminismus"?
@Sci_Fi_FanGirl letzeres.

@funbaker Das wäre ja ganz genau das Interessante für mich: was verstehst du persönlich unter Feminismus? Und wie stehst du dazu?

Da gibt es nicht die eine richtige Antwort. Deswegen find ich das ja so spannend.

@Sci_Fi_FanGirl mir reicht es da bereits, kein frauenfeindlicher Dinosaurier zu sein. Toleranz für erweiterte Konzepte inklusive.
@Sci_Fi_FanGirl mit diesem radikalen Feminismus widerrum kann ich nichts anfangen. Der ist über das Fehlen von Konsens heraus unnötig einschränkend.
@funbaker Ich vermute zwar, ich verstehe, was du mit "radikalem Feminismus" meinst, aber kannst du das evtl nochmal konkretisieren?

@Sci_Fi_FanGirl darunter fallen für mich Dinge wie das nordische Modell. Absolut unbrauchbar, weil gar nicht erst davon ausgehend, dass es beidseitigen Konsens geben kann.

Soll aber nicht auf Prostitution beschränkt sein!

@Sci_Fi_FanGirl Ich finde Diskussionen über Etiketten schwierig, oder noch besser für mich: Da bin ich nicht dabei.
@hiker Wenn du dich nicht angesprochen fühlst, warum antwortest du dann?
@Sci_Fi_FanGirl Ja, ich bin feministisch. Ich möchte eine Welt, in der das, was wir tun können (alle, auch Männer sind betroffen), nicht durch Geschlechtsrollen und Stereotype eingeschränkt wird. In der Ansprüche und Wertschätzung gerecht verteilt sind. In der "weiblich" oder "für Mädchen" keine Abwertung ist und letzteres ohnehin kaum noch verwendet wird.

@Newstrujew @Sci_Fi_FanGirl

"feminism, the belief in social, economic, and political equality of the sexes"
- Encyclopedia Britannica (for the western cultures)

@Philiphobo

Does this definition reflect your opinion? Do you consider yourself to be a feminist according to this definition?

@Newstrujew

@Sci_Fi_FanGirl

Klar, und daher gehört für mich auch zur Emanzipation von cis-dudes, dass sie sich von den gesellschaftlichen Konstruktionen von "Männlichkeit" eben emanzipieren, mit dem Ziel der Überwindung geschlechts-/genderbezogener Ungleichheiten oder Ungerechtigkeiten.
Wie @Newstrujew gerade beschrieben hat.

@Philiphobo Diese Definition sagt für meinen Geschmack zu wenig aus. Sie hört sich stark nach meinen Wissensstand von vor zwei Jahrzehnten an: es gibt den gesetzlich verankerten Gleichheitsgrundsatz, und der Feminismus hat nur noch dafür zu sorgen, dass dieser auch in der Praxis eingehalten wird. Eine solche Definition wird auch üblicherweise so gelesen werden, dass der Feminismus ausschließlich Frauen zugute kommt. Nach dem Motto: wählen dürfen sie, arbeiten auch, jetzt wollen sie noch den gleichen Lohn, dann ist basta.

Dass es eine tief verwurzelte Ungleichheit gibt, die sich auf sämtliche Bereiche der Gesellschaft auswirkt und sowohl uns allen als Individuen als auch der Gesellschaft als Ganzes schadet - das lese ich hier nicht heraus.

@Sci_Fi_FanGirl

@Newstrujew

Im Vergleich zu anderen renommierten Nachschlagewerken werden hier tatsächlich drei Domänen genannt und "all sexes" statt "women" inkludiert, also auch Männer*. Immerhin.
Wenn es reicht die Kette "feminist sein"->" feminin sein"->"nicht maskulin sein"->"nichts für mich"/"darf nicht dazu gehören" zu entgliedern nehme ich gerne diese Zeile aus einer Enzyklopädie, die als "dedicated by His Majesty" gilt.

@Sci_Fi_FanGirl

@Philiphobo Ja, ich glaube gerne, dass es noch die bessere Definition unter Nachschlagewerken ist. Da es hier aber um unser subjektives Verständnis des Begriffs geht und nicht darum, welche Definition die Welt erobern soll, ist sie trotzdem nichts für mich.
@Newstrujew Da hast du recht. Die Definition unter deinen Beitrag zu setzen wirkte dementsprechend überformend.

@Sci_Fi_FanGirl Ich habe Feminismus immer so verstanden: Alle Geschlechter sind gleichwertig und sollen überall gleichwertig behandelt werden (Rechte, Berufswahl, Gehalt, ...). Auf dem Weg dahin macht es Sinn, FLINTAs in wichtigen Positionen (Politik, Wirtschaft, Bildung, ...) per "Frauen-Quoten" zu erzwingen.

Nach dieser Definition bin ich Feminist, da für mich alle Menschen gleichwertig sind und Gruppen, die unsere Gesellschaft benachteiligt, gezielte Unterstützung verdienen.

@Sci_Fi_FanGirl Ich bin cis-männlich und ja, ich bemühe mich feministisch zu sein.

1. nehme ich täglich wahr, wie FLINTA* fast überall benachteiligt werden

2. wünsche ich mir eine Welt, in der zuerst die Persönlichkeit und das Wirken der Menschen gesehen wird

3. bin ich selbst manchmal ein sehr "überrollender" (im weitesten Sinne man-splain-ender) Mensch, dessen Empathie-Antennen dann einfach versagen. Das fällt mir leider oft zu spät auf und das ärgert mich sehr. Ich glaube aber, dass dieses "Überrollen" bei mir einfach alle Menschen gleichberechtigt abbekommen - trotzdem arbeite ich daran.

4. ich glaube, dass viele Probleme der Welt so extrem nicht vorhanden wären, wenn FLINTA* auf Augehöhe mitwirken dürften.

@Sci_Fi_FanGirl Feminist sein bedeutet für mich:

In keinem Zusammenhang eine rein männliche Sichtweise zuzulassen, sondern stets frauliche und diverse Aspekte gezielt zu suchen und einzubinden.

Ein Augenmerk auf Patriarchalische Strukturen zu haben und diese dann bewusst zu umgehen.

Auf sich überschneidende Diskriminierungen zu achten, (lesbische Migrantinnen oder behinderte Alkoholikerinnen...) und den spezifisch weiblichen Aspekt in Suchtarbeit oder Integrationsarbeit zu berücksichtigen.

@Sci_Fi_FanGirl Tue mir tatsächlich schwer das als Selbstzuschreibung zu verwenden. Nicht, weil ich gegen Gleichberechtigung wäre. Zu meiner politisch aktiven Zeit wurde von mir für das "Label" aber meist gefordert, mich zu einer sehr breiten Menge an Grundsätzen zu bekennen, die ich in der Fülle dann doch nicht alle teile. Seitdem verzichte ich eher drauf als Selbstzuschreibung, weil ich den Begriff nicht "kapern" will.
@AndiPopp Nur wenn du magst: könntest du ein Beispiel geben für einen Grundsatz, mit dem du nicht mitgehen konntest?
@Sci_Fi_FanGirl Ein sehr konkretes Beispiel ist, dass wenn eine Frau einem Mann sexuelle Gewalt vorwirft, ich als Feminist™ grundsätzlich der Frau zu glauben habe. Bzw. mich sogar dafür einzusetzen habe, dass die Rechtssprechung so verfährt. Das hat sich mit meiner Vorstellung vom Rechtsstaatsprinzip nicht vertragen.

@AndiPopp

Bedeutet Feminismus blinde Parteinahme? Ich hoffe nicht, auch, wenn es leider verbreitet so aufgefasst zu werden scheint.

In diesem Sinne bin ich dann meinetwegen ein Chauvi. Ich nehme niemals für irgendjemanden blind Partei, nichtmals für mich selbst.

@Sci_Fi_FanGirl

@Sci_Fi_FanGirl "Feminist" ist kein Term, den ich für mich benutze. Ich bemühe mich sehr für die Rechte anderer einzustehen. Allerdings hängen da noch ein Haufen Altlasten in meinem Hirn herum, denn ich bin weiß, cis, männlich, hetero und merke meine Privilegien oft gar nicht. Auch kommt ein Haufen Gedankengut aus meinem Elternhaus immer wieder nach oben und muss noch aufgearbeitet werden.
Ich arbeite daran. Es wird langsam besser. Feminist bin ich in meinen Augen jedoch nicht.
@Sci_Fi_FanGirl
Ich fasse diesen Begriff etwas weiter und sehe darin das Ziel die Gleichstellung aller Geschlechter.
@Seeker Siehst du dich gemäß dieser Definition als feministisch?
@Sci_Fi_FanGirl
Ich mich selbst nicht. Vielleicht würden Außenstehende mich so definieren.

@Sci_Fi_FanGirl Feminismus bedeutet für mich geschlechterbezogene Nachteile auszugleichen und zu eliminieren, und auch antipatriachalisch zu sein.

Ich bemühe mich Feminist zu sein, aber merke auch immer wieder, dass Vorurteile gesellschaftlich so tief eingepflanzt wurden, dass es ein noch lange Anstrengungen bedarf.

@Sci_Fi_FanGirl ich will nicht von mir auf andere schließen, aber meine Überzeugung, 'Feminist' zu sein war umgekehrt proportional zu meinem tatsächlichen Verhalten. Aus dieser meiner Erfahrung heraus klingeln Alarmglöckchen bei mir, wenn ein Mann sich im Brustton der Überzeugung als Feminist bezeichnet.
@Schafstelze Also du hast dich "Feminist" genannt, dich aber nicht so verhalten und jetzt umgekehrt? Oder du hast dich nie so genannt, aber dich so verhalten?
@Sci_Fi_FanGirl eher Ersteres
@Schafstelze Was hat in der Hinsicht dein Denken und Verhalten verändert?
@Sci_Fi_FanGirl Ich bin so erzogen worden, daß Frauen zu respektieren sind. Ohne Wenn und Aber, egal, was sie macht oder darstellt.
Ich bin verheiratet, meine Frau kümmert sich überwiegend um die Kinder, schon, weil sie das (als Lehrerin) besser kann als ich. Im Umkehrschluß bringe ich natürlich mehr Geld nach Hause, ich habe eine Zeit lang auch ihre Ausbildung mitfinanziert [weil Bayern damals lächerliche 780€/Monat für seine Referndare bezahlt hat, die dafür schuften durften!].
Für mich war das nie ein Problem und wenn ich andernorts sehe, wie Männer ihre Frauen finanziell "kurz halten", weil sie halt weniger Geld nach Hause bringen, könnte ich kotzen. Das halte ich zB für respektlos.
Für mich ist Respekt die Grundlage für Liebe.
Jemand sagte mal, daß der Feminismus der Aufschrei der Frauen gegenüber jahrhunderte langer Unterdrückung der Männer ist. Unterdrückung aus Respektlosigkeit heraus.
Ob ich nun "Feminist" bin, oder nicht,... sag du es mir ;-)
@HoSnoopy Ich sortiere hier niemanden ein. Finde die verschiedenen Antworten hier aber sehr spannend 🙂
@Sci_Fi_FanGirl bin für Inclusion, bin emanzipatorisch.
@Sci_Fi_FanGirl Wikipedia (D) sagt "Der Feminismus setzt sich für gleiche Rechte und Privilegien von Frauen in Gesellschaft, Politik, Familie und Arbeitswelt ein."
So würde ich Feminismus auch verstehen und in diesem Sinne versuche ich zumindest, mich feministisch zu verhalten.
Das Meiste darüber, warum Gleichberechtigung noch ein weiter Weg ist (Denkmuster, Rollenbilder, implizite Annahmen, Mental Load usw. usf.) habe ich in den letzten Jahren von Frauen auf Social Media gelernt.
@Sci_Fi_FanGirl
Wenn man mich zu feministischen Fragestellungen fragen würde, würde man vermutlich Antworten erhalten, die man als feministisch bezeichnen kann. Würde man mich fragen, ob ich feministisch bin, würde ich wohl auch eher mit ja antworten, weil es die passendere Antwort als nein wäre. Auch komme ich in Gesprächen wo stereotypischer oder diskriminierender Quatsch erzählt wird, schnell in die Situation, das nicht unkommentiert zu lassen.
@Sci_Fi_FanGirl
Aber würde ich mich von mir selbst aus als Feminist bezeichnen?
Vermutlich eher nein. Denn in meinem Kopf sind mein Denken und handeln einfach die natürlichen Schlüsse meines moralischen Kompass. Der Begriff Feminist hat für mich irgendwie eine aktivistische Komponente. Also dass man sich aktiv engagiert und nicht einfach nur macht, was man für richtig hält.

@Sci_Fi_FanGirl
Ich würde sagen Ja.

Für mich heißt es, für eine Gesellschaft zu sein, die versucht, gleiche Rechte und Lebensqualität für Menschen aller Geschlechter zu ermöglichen.

Ich weiß aber auch, dass der Umgang mit dem Begriff mittlerweile in mehrere Richtungen toxisch ist und dass die Zeiten vorbei sind, in denen man es als Mann von sich sagen konnte, ohne entweder von Rechten oder "Linken" angegriffen zu werden.
Ist ähnlich wie beim kulturellen Wechsel bei der ally Selbstbezeichnung.

@Sci_Fi_FanGirl
Deshalb würde ich es nicht von mir aus ansprechen.

Ich habe keine Lust auf Diskussionen und Vorurteile/Unterstellungen, die mit der Selbstbezeichnung oder Selbstbeschreibung kommen.

Die Selbstbeschreibung abzulehnen, wegen dem Ballast, den der Begriff hat, ist für mich damit vergleichbar, die Selbstbeschreibung antifaschistisch abzulehnen, weil man "keine Steine auf die Polizei wirft".

Wer nicht feministisch ist, ist wenigstens passiv sexistisch.