Noch einmal einen guten Morgen zusammen. Ich möchte heute mal wieder ein paar meiner persönlichen Gedanken los werden. Der Bundestag hat gestern das Ende des Bürgergeldes und die sogenannte Grundsicherung für Arbeitsuchende beschlossen. Das kleine bisschen Menschlichkeit, das die Ampel eingeführt hat, ist wieder weggewischt worden. Für die Betroffenen ist es die Rückkehr der Angst, der Erniedrigung und der gesellschaftlichen Ausgrenzung. Ich gehöre zu dieser Gruppe. (1)
Diese Reform, diese Herabwürdigung lässt sich ganz einfach in normale Sprache übersetzen. 1.: Wer nicht reich ist, ist selbst daran schuld und muss bestraft werden. 2.: Wer nicht reich ist, ist faul und hat kein lebenswürdiges Leben verdient. 3.: Wer den Reichen nicht bei der Vermehrung ihres Reichtums aktiv hilft, ist nicht Wert, würdig zu leben. Mit Angstmache, Druck und Strafen zwingen wir alle in Arbeit, notfalls mit oder unter Mindestlohn. (2)
Ich bin ehrlich: Ich bin feige. Wenn ich nicht eine liebende Partnerin und einen wunderbaren Freundeskreis hätte, würde ich mich vielleicht auch als lebensunwertes Leben empfinden, oder zumindest würde ich keine Chance auf ein würdiges Leben sehen. Erwarten die Politiker*innen, die zu Erfüllungsgehilfen der Reichen geworden sind, dass sich die, die keine Arbeit finden, massenhaft umbringen, um den Sozialstaat zu entlasten und ihre Kosten noch mehr zu senken? (3)
Dies alles hat meine Partei, die SPD mitgetragen, und daraus werde ich meine Konsequenzen ziehen müssen. Schon als Mensch mit Behinderung habe ich oft das Gefühl, nicht zu dieser Gesellschaft zu gehören. Mit einzelnen Menschen kann ich mich gut austauschen, in größeren Gruppen werde ich oft ausgesondert, oder Menschen mit Behinderung werden zusammengepfercht und abgesondert, aber das ist ein anderes Thema. Im Bezug auf Arbeit sind Arbeitslose auch zum Hassobjekt geworden. (4)
Ich sagte es schon: Ich bin feige und werde mich nicht umbringen. Ich ertrage es eher, generell als faul, lebensuntüchtig und unwert betrachtet zu werden, weil es mir nicht geglückt ist, zu erben oder mit Betrügereien Millionen zu verdienen. Die zahlen so gut wie keine Steuern und werden bewundert. Menschen, die keine Arbeit finden, Krankheit oder Behinderung aushalten müssen, werden gedemütigt, verstoßen und diskriminiert. Das kann man nur begrenzt aushalten. (5)
Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, hat ein Minister einmal gesagt. Jetzt wird das umgesetzt. Links ist vorbei in Deutschland, sagte der, den die meisten Menschen in Deutschland als Kanzler sehen wollen. Das heißt: Toleranz, Mitmenschlichkeit und staatliche Fürsorge sind vorbei. Und allen Unzufriedenheiten zum Trotz: Das gab es mal in Deutschland, und zwar in einem erstaunlichen Maß, für das ich noch heute dankbar bin. (6)
@RadioJens
Ich hab ja das Gefühl, es "Links" zu nennen macht es so politisch bequem unverfänglich..
"Links" ist doch einfach nur weiblich, und "Rechts" männlich, also stark, authoritär, maßlos unverhältnismäßig..? 🤔
@stubenhocker Ja, so weit hatte ich das noch gar nicht gedacht. Passt aber zu diesem Typen.