Die Browser in die Schranken weisen
Ist es zu viel verlangt, von seinem eigenen Computer nicht bevormundet werden zu wollen?
Diese Frage stelle ich mir jedes Mal, wenn mir ein Browser vorschlägt, als Standardbrowser eingerichtet zu werden. Mein bevorzugtes Surfprogramm ist Firefox. Doch aus beruflichen Gründen nutze ich ebenso Chrome und gelegentlich Edge. Die letzteren beiden nehmen diese Gelegenheiten jeweils wahr, um in nervtötender Regelmässigkeit darum zu betteln, Firefox vom Thron zu stossen. Klingt es arg altväterlich, wenn ich darauf hinweise, dass es derlei Impertinenz früher nicht gab? (Als Internet Explorer 96 Prozent Marktanteil hatte.)
Also, fürs Protokoll: Mein Entscheid für Firefox fiel aus guten Gründen und ich beabsichtige nicht, ihn umzustossen. Und falls ich das tun würde, dann nicht aufgrund eines «Vorschlags» von Edge oder Chrome.
Keine KI, keine Telemetrie, kein Sponsoring und keine Pop-ups
Die Aufgabe liegt auf der Hand: Gefragt ist eine Methode, um dieser Belästigung Einhalt zu gebieten. Bei meinen Nachforschungen stiess ich auf justthebrowser.com. Das ist ein Open-Source-Github-Projekt, das den Browser auf seine wesentliche Aufgabe zurückführt und das Drumherum abstellt. Konkret werden viele der KI-Funktionen, die Übermittlungen der Telemetriedaten, gesponserte Inhalte und Integrationen mit Drittprodukten deaktiviert und das Pop-up zum Standardbrowser erhält den Todesstoss.
Diese Änderungen werden über die Einstellungen der Browser erzielt. Modifikationen am Programmcode werden keine vorgenommen. Ein Script erledigt die Arbeit. Um es auszuführen, verwenden wir unter Windows die Powershell, wobei wir sie mit Administratorrechten starten müssen. Am Mac und unter Linux kommt das Terminal zum Zug.
Das Script kann nach vollendeter Tat die Änderungen wieder rückgängig machen.Ist es sicher? Ein Assessment per KI
Und ja, ich weiss, dass euch in diesem Moment euer innerer CSO ins Ohr brüllt, ob ihr vom Affen gebissen seid. Aber wie erwähnt: Der Quellcode ist öffentlich. Und vorsichtig, wie ich bin, legte ich den Code Claude zur Inspektion vor. Er prüfte ihn gewissenhaft und berichtete, was er tut. Die KI empfahl mir, die Registry-Dateien manuell herunterzuladen, zu prüfen und zu verwenden. Diesen Aufwand sparte ich mir, zumal Just the browser grössere Kreise gezogen hatte, ohne dass Sicherheitsprobleme bekannt geworden wären. Aber die Erkenntnis am Rand ist nützlich: KI hilft, dass wir bei Open-Source-Programmen dem Hersteller nicht blind vertrauen müssen.
Fazit: Eine praktische Sache!
Auch punktuelle Eingriffe sind möglich
Der Einwand könnte an dieser Stelle lauten, dass es schön wäre, die Browser-Disziplinierung nicht nach dem «Alles oder nichts»-Prinzip vornehmen zu müssen. Viele Leute dürften es zu schätzen wissen, die zu deaktivierenden Optionen selbst zu bestimmen. Die komfortabelste Lösung wäre ein GUI, bei dem wir nur die entsprechenden Kästchen ankreuzen müssen. Für weniger versierte Anwenderinnen würde das die Hürden senken.
Alle anderen sollten Just the Browser als Aufforderung verstehen, die Fingerfertigkeiten im Umgang mit dem digitalen Arbeitsgerät zu trainieren. Die Detailseiten zu Chrome, Edge und Firefox erklären, welche Änderungen jeweils vorgenommen werden. Sie enthalten eine Anleitung, die wie die Konfigurationsdatei angepasst und vom lokalen Computer aus ausgeführt wird. Wir haben die Möglichkeit, eine individuelle Konfiguration vorzunehmen. Und falls sich uns die Scripte nicht erschliessen, wären Claude und Co. in der Lage und willens, uns bei unseren Anpassungen behilflich zu sein.
Und klar: Idealerweise wäre der ganze Heckmeck nicht nötig – wenn die Browser-Hersteller es als Verpflichtung ansähen, uns ein maximal nützliches Werkzeug zu liefern, und nicht ihr eigenes Süppchen zu kochen.
Beitragsbild: Wer ist ein guter Firefox? Ja, weeer ist ein guuter Firefox? (Petr Magera, Unsplash-Lizenz)
#Browser #Chrome #Firefox #FreieSoftwareFOSS
