Wer sich für progressive europäische Politik interessiert, ist sicher schon mal auf das Webinar Format #EuropeCalling gestoßen.

Diesen Freitag findet es zum Thema #DiDay statt mit @bjoernsta, dem Mitgründer von #SaveSocial als Headliner:

https://europe-calling.de/webinar/digitaler-unabhaengigkeitstag/

Grundsätzlich finde ich es super, dass diese Webinare zu wichtigen Themen stattfinden. 👍

ABER:

1. Sehe ich es als kritisch an, dass sie über #Zoom laufen.

2. Sehe ich noch viel kritischer, dass mit dem Scheinargument "Unser Zoom läuft nur auf Rechenzentren in der EU" das Problem geleugnet und Souveränitäts-Washing betrieben wird.

Es ist nun echt kein Geheimnis, dass es US-Gesetze gibt, die US-Behörden Zugriff erlauben, egal wo die Server stehen, siehe z.B.

https://opencloud.eu/de/der-cloud-act-machts-moeglich

@cark @bjoernsta Per Zoom? Genau mein Humor.

@anscha @bjoernsta

> Per Zoom? Genau mein Humor.

Ganz so einfach ist es glaube ich nicht. Wenn du eine Online-Veranstaltung für 1000 oder mehr Leute durchführen willst, dann kannst du halt leider nicht einfach einen @senfcall 💛 Link rumschicken und gut ist. Ich glaube aber, dass es grundsätzliche Möglichkeiten gäbe. Zoom ist aber vermutlich der einfachste/bequemste Weg so eine Veranstaltung durchzuführen.

Das Problem: Wenn man hier stehen bleibt, und durch das EU-Server-"Argument" auch noch suggeriert, dass man keine Nachfrage für Alternativen hat, behindert man effektiv deren Entstehen bzw. Reifung.

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@anscha @bjoernsta

Aus Veranstaltersicht ist das natürlich ein Dilemma: Prio 1 ist das Durchführen inhaltlich guter Webinare. Dafür nimmt man die mit den begrenzten Ressourcen (technisch) beste verfügbare Plattform (offenbar Zoom). Dass diese ein paar problematische Aspekte hat 🤷 ... irgendwas ist halt immer.

Mit genügend Geld und Vorlaufzeit könnte man das sicher komplett europäisch, souverän und quelloffen umsetzen. Aber aus isolierter Sicht von @europe_calling ist es nicht rational (falls überhaupt möglich) die eigenen Ressourcen dafür aufzuwenden.

Dummerweise geht allen anderen Webinar-Akteuren genau so: "Eine unproblematische Zoom-Alternative wäre nice, aber warum sollen ausgerechnet *wir* das pushen?

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@anscha @bjoernsta

👉 Klassische "Rationalitätenfalle" (d.h. individuell rationale Entscheidungen stehen im Konflikt kollektiv-rationalem Handeln, https://de.wikipedia.org/wiki/Rationalit%C3%A4tenfalle)

Zum Glück gibt es Auswege aus solchen Dilemmata:

1. Anerkennen,
2. problematische Anreizstrukturen identifizieren,
3. Mit anderen Dilemma-Betroffenen zusammenschließen
4. Anreizsstrukturen so ändern, dass individuelle und kollektive Rationalität zusammenfällt

Im konkreten Fall von @europe_calling könnten Schritt 3 und 4 so aussehen:

Fünf andere Webinar-Anbieter suchen, gemeinsam einen IT-Dienstleister beauftragen, das technische Problem auf Basis existierender OpenSource-Produkte zu lösen und sich dann die eingesparten Zoom-Kosten teilen.

Das wichtigste ist aber Schritt 1!

Daher: EU-Server-"Argument" raus.

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Rationalitätenfalle – Wikipedia