Ich bin Bücher, Comcs, Serien und Filme leid, bei denen sich "die Guten" dadurch auszeichnen, dass sie wie in einem Videospiel am Ende "die Bösen" im Kampf besiegen. Überhaupt dieses Konzept "des Bösen" als Endgegner ...
Das ist als gelegentlicher Eskapismus nett, aber in der Breite einfach nur flach, unterkomplex und fern jeder Realität. Aber leider ist es inzwischen Mainstream und das ödet mich an.

#Literatur #Film #Unterhaltung #Kultur #SchwarzWeissDenken #Medien #Bücher #Serien

@Nike_Leonhard bei Serien und Filmen bestimmen mittlerweile die streaminganbieter wie Apple oder Netflix Struktur, Plot und Look der Inhalte. Und die können das halt fachlich nicht. Die Suche nach kreativen, frischen Einfällen wäre da also vergeblich. Bleibt unterm Strich der eigenverlag. ✊
@Nike_Leonhard Das ist die Grundlage unserer Gesellschaft: Primitives Schwarz-Weiß Schema plus Deutungshoheit über Einteilung in Schwarz-Weiß ist absolute Macht.
@crymond @Nike_Leonhard Nicht die libertäre Selbstanmaßung wie in vielen 'Superhelden'-Filmen zu vergessen.
@reginald @Nike_Leonhard Ich versuche mal eine abstraktere Erklärung:
Eine moralische oder anders gelagerte Begründung (sei sie auch so dumm wie die libertäre) für eine Überhöhung dient ausschließlich zur Legitimation roher Machtinteressen.
@crymond
Das ist mir bewusst.
Was mich nervt ist, dass so viele aus dem Kulturbereich dieses Spiel mitspielen. Ganz besonders nervt es mich bei denen, die sich als "unabhängig", "links", "progressiv", "Indy" oder auch nur "neutral" verstehen.
Und mich nervt die Banalität dessen, was sie produzieren.
@Nike_Leonhard Die Antwort liegt auf der Hand: Sie wollen sich auch erhöhen / exponieren. Daher sind sie anfällig für das Spiel und machen es mit. Entweder unbewusst oder mit dem falschen Argument "Der Zweck heiligt die Mittel" oder der Druck zum Mitspielen ist zu groß. Es gibt fast kein Entkommen.
@crymond
Weißt du, was mich auch nervt?
Leute, die nicht verstehen (wollen), dass mir ein Problem bekannt ist und darauf beharren, mich wie ein Dummerchen behandeln und mir den Status quo der Welt erklären zu müssen, ohne auch nur einen Ansatz für Veränderungen zu liefern.
Diese sehr deutsche bedingungslose Kapitulation vor einer zum übermächtigen Popanz verzerrten Realität ist die Kehrseite der amerikanischen Erzählung von der Erlösung durch Superheldentum.
#Doomsplaining
@Nike_Leonhard Sorry für die Störung, Tschüssle
@Nike_Leonhard Ja, die Filme müssen wie Goldnuggets im Fluss gesucht werden.
Ich empfehle Vesper Chronicles, Children of Men, Stalker (Tarkovski-Klassiker!), Akira und Eden Log.
@reginald
Ich bin jetzt eine ganze Weile in K-Dramen abgetaucht, weil denen diese Dichotomie fehlt und sie einer anderen Dramaturgie folgen.
@Nike_Leonhard Ja, auch Games. Die Suche nach den wenigen Produktionen, die nicht diesem 0815-Schema folgen, ist zeitraubend. Danke für die Tipps im Thread.

@Nike_Leonhard
Yepp. Ich mag es nicht, wenn als Lösung sämtlicher Probleme nur "der Böse muß sterben" gezeigt wird. Wir haben hierzulande keine Todesstrafe, Mord ist ein Verbrechen (außer für Soldaten und Polizei). Im echten Leben müssen wir damit zurechtkommen, daß "die Bösen" weiterhin existieren, also wie geht man damit um?

(Marvel sieht das Einsperren der Gegner nur als Gelegenheit zu spektakulären Ausbruchsszenen.)

@slowtiger
Ich habe vor kurzem zwei Serien mit einer ganz ähnlichen Ausgangssituation gesehen: Zwei Familien gegeneinander; die eine reich und privilegiert, die andere ein zusammengewürfelter Haufen dubioser Gestalten. Die arme Familie will, was die Reiche hat.
Eine Serie war us-amerikanisch, die andere koreanisch, und damit beginnen die Unterschiede:
In der amerikanischen Serie bestand die reiche Familie aus miesen, neid- und gierzerfressenen Gestalten (mit vielleicht einer Ausnahme);
-> 2
@slowtiger
die arme aus unterdrückten aber herzensguten Wesen, die sich gegenseitig lieb hatten und unterstützten. In der koreanischen Serie war es genau anders rum - oder schien wenigstens so, denn im Lauf der Geschichte änderten sich zwar die Charaktere nicht großartig, aber der Blick auf sie. Je mehr man über sie erfuhr, desto weniger eindeutig waren sie "gut", "böse" oder anderen moralischen Kategorien zuzuordnen.
-> 3
@slowtiger
In der amerikanischen Serie bestätigte dagegen jede neue Information die bereits getroffene Einschätzung. Und weil die Einen gut und die Anderen mies waren, kam es am Ende zum blutigen Gemetzel, dessen Ausgang ich mir dann nicht mehr angesehen habe.
In der koreanischen Serie war die reiche Familie am Ende immer noch reich und privilegiert (wenn auch mit Einschränkungen) und die arme bestand immer noch aus dubiosen Underdogs
-> 4
@slowtiger
(wenn auch nicht so, wie anfangs gedacht) - aber nicht nur, dass alle überlebten; sie Taten sich zusammen und bündelten ihre Fähigkeiten. Zum Vorteil aller.
Rate, welch Serie mir mehr Spaß gemacht hat. ^^
5/5

@Nike_Leonhard @slowtiger

erinnert mich jetzt etwas an Parasite von Bong Joon-ho.

@echopapa
Ist aber "Beinahe Helden" (The Atypical Family)
@slowtiger
@Nike_Leonhard ein US-amerikanisches Phänomen, wie mir vorkommt - Thriller und Krimis sind da seit jeher so.
James Bond auch.
@abuerkl
Ja, teilweise. Die systemstützende Bedeutung des Krimis wird ja immer wieder mal hervorgehoben. M. E. unterlaufen einige Autor:innen die dann doch recht gekonnt. Sarah Paretsky z. B. (die ich sehr verehre) lässt ihre Protagonistin aus jedem Fall kaputter rausgehen als sie reingegangen ist.
Ganz extrem ist natürlich Dürrenmatt (auch wenn ich den überhaupt nicht mag) mit dem Ende von "Es geschah am hellichten Tag." (Buch, nicht Film).
@Nike_Leonhard Ich hatte zwischenzeitlich den Eindruck, dass sich das auflöst und mehr Raum für Grauzonen bleibt. Inzwischen hat das Konzept aber echt ein Comeback :/
@Nike_Leonhard Da hast du sehr recht, ich bin damit auch nicht so glücklich.

@Nike_Leonhard Ein Konzept, das mich besonders stört: Böse™ Menschen, die „die Weltherrschaft“ anstreben.

Ich wollte die Macher solcher Filme schon immer mal gern fragen, wofür die das wollen. Was sie sich davon versprechen. Das wird nämlich nie erwähnt.

@Nike_Leonhard der ewige Vorwurf an meine historische Fantasy-Trilogie: es gibt keine drei Armeen, die sich von Anfang bis Ende bekämpfen und keine (mindestens) drei wackere Helden, die sich dazwischen stellen. Aber wenn ich mir schon eine Geschichte ausdenken darf, warum Krieg, dann könnte ich gleich Zeitung lesen.
@Sabine_Bauch_Autorin
Aber das ist ja gar nicht mein Vorwurf. Wer über Krieg schreiben will, soll es tun. Wer es nicht will, soll es lassen.
Mein Vorwurf ist, dass die moderne Darstellung wäre, dass der Krieg durch jene drei (Super-)Helden beendet würde - und zwar nur durch sie und niemand anderen, und dass daraufhin ein Zeitalter des Glücks ausbräche, in dem alle Probleme überwunden und alle Wunden magisch geheilt sind.
@Nike_Leonhard manche wollen träumen
@Sabine_Bauch_Autorin
Wenn das deine Antwort ist, solltest du noch mal den ersten Post lesen.
@Nike_Leonhard ich schrieb 'manche' nicht 'ich'.
Der Wunsch, der Traum, dass das Gute immer gewinnt. Wer will sich schon der Realität stellen. Ich lese doch die ganze Zeit von von den Bokkies, die sich in ihre Geschichten flüchten. Und eine Geschichte macht sich einfach besser mit edlen Helden. Was sollten die anderes tun, als das Böse zu bekämpfen. Es wäre keine Helden, wenn sie nur zu Hause sitzen und Zeitung lesen.
@Sabine_Bauch_Autorin
Du hast schon gelesen, dass es um Mainstream geht und nicht um "Einige"?
Und dass im ersten Post ausdrücklich steht, dass solcher Eskapismus _manchmal_ ganz schön ist?
Sorry, not sorry, wenn ich dir die Möglichkeit genommen habe, für deine Bücher zu werben, aber dafür war mein Post nie dafür gedacht und ich lasse die Diskussion auch von niemandem dafür kapern.
@Nike_Leonhard Ich habe deinen Post gelesen und dachte, wir meinen dasselbe. Vor einigen Jahren hörte ich einen Vortrag zum Thema 'erfolgreich Schreiben'. Nein ich hörte ihn nicht, denn nach der Einleitung bin ich gegangen. Die lautete etwa so: Suche dir ein Genre aus, hol dir das erfolgreichste Buch daraus und kopiere es. Dann kommst du von deinem 'manchmal schön' zum Mainstream. Ich habe dich schon verstanden, aber ich will nicht stören.
@Nike_Leonhard
Mich hat die Begrifflichkeit des "Mythos der erlösenden Gewalt" von Walter Wink nachdenklich gemacht. Ich finde dieses Narrativ so übermächtig, dass es mir auch schwerfällt, alternative Plots zu finden.