Wir befinden uns in einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit, die schlimmsten Klimafolgen (Verlust von vielen Küstenstädten, Hungersnöte, Konflikte, Kipppunkte etc.) noch abzuwenden, und die Politik macht…
Bislang hat die Wissenschaft die Klimaerwärmung korrekt vorhergesagt.
@rahmstorf ab in die Politik mit dir!

@rahmstorf @max_muehsal

Das sagt sich so leicht.

Ich fürchte, wer mit einer (man nennt es wohl:) 'Mission' in die Politik geht, fängt erstmal klein an und hätte schlechte Karten gegen ideologisch verbohrte Obere, die mit ihren Sprüchen auf eine Mehrheit der Menschen zählen können - und dadurch zu Leithammeln geworden sind.

Manchmal muß man für einen echten Fortschritt wohl auch zweifelhafte Kompromisse eingehen, wie an der Entstehungsgeschichte des deutschen EEG abzulesen ist: Wer würde Grubengas als "erneuerbare Energie" ansehen?

Erst mit diesem Definitionstrick, den Hermann Scheer benutzte, konnten ein paar fossil-sozialisierte SPD-Genossen zur Zustimmung bewogen werden https://www.telepolis.de/article/Protagonist-des-solaren-Zeitalters-10575290.html . Sonst hätten wir dieses Gesetz nicht.

Ein Wissenschaftler, der sich mit der Materie auskennt, müßte sich arg verbiegen, um bei sowas mitzumachen. Wo käme man hin, wenn man bei anderen Gelegenheiten in die Zwangslage käme, es "DIESES Mal" auch nicht so genau zu nehmen?

Wer - unabhängig von einem Entscheidungsgremium - AUFKLÄRT, kann möglicherweise genausoviel erreichen. Das hängt aber von der Reichweite ab. Wer in einem Kreis von Aufgeklärten nur Aufgeklärte aufklären will, gewinnt nichts. Das ist das Problem des Fediverse mit seinen Spartengruppen. Seh ich so.

Protagonist des solaren Zeitalters

Hermann Scheer gestorben

heise online
@NichtVielZuSagen @rahmstorf ja. Und die einen verweisen auf die anderen und sagen: warum liefert ihr nicht? Es ist lächerlich zu sagen: dann mach doch selber. Aber genauso lächerlich ist es, den anderen aufzufordern. Werte werden gegen Werte ausgespielt. Und da es keine natürliche Ordnung gibt, ist es Willkür.

@max_muehsal @rahmstorf

Nachtrag

Du schreibst: "die einen verweisen auf die anderen und sagen: warum liefert ihr nicht?"

Forscher:innen und Politiker:innen haben unterschiedliche Betätigungsfelder, Wirkungskreise und Verantwortlichkeiten.
Forscher erkunden, informieren über ihre Entdeckungen und sehen im besten Fall die möglichen Auswirkungen von Entwicklungen, die sie mit ihrem Wissen erkennen oder vermuten.

Politiker können, müssen aber nicht relevante Forschungsergebnisse in ihre für die Gesamtgesellschaft verbindliche Arbeit einbeziehen.

Dummerweise ist die Wirkung des Klimawandels nicht auf EIN Land beschränkt. Deshalb finde ich es es richtig, wenn sich Klimaforscher für das Wohlergehen der gesamten MENSCHHEIT einsetzen. Eigentlich sollte sich jeder Mensch verantwortlich für die gesamte Menschheit fühlen und entsprechend handeln.

Ob (aktuell:) Bauunternehmer, Vermögensverwalter oder reine Berufspolitiker in allen Fachgebieten gut informiert sind/sein müssen, muß man wohl nicht näher ergründen.

Wenn promovierte, also erwiesenermaßen zu wissenschaftlicher Arbeit fähige Menschen in der Politik arbeiten, ist das keine Garantie für Glanzleistungen.
https://climatejustice.social/@NichtVielZuSagen/116030802355770647

Georg Nowak (@[email protected])

@[email protected] Das Buch "Der Preis des Überlebens“ https://www.t-online.de/klima/leben-umwelt/id_91121858/klimabuch-von-1997-merkel-ist-an-den-eigenen-anspruechen-gescheitert.html hat eine Vor- und Nachgeschichte. Klaus Töpfer war seit 1987 Umweltminister unter Helmut Kohl https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_T%C3%B6pfer . Angela Merkel kam 1991 als Bundesministerin für Frauen und Jugend ins erste Amt, 1994 als Umweltministerin. Susanne Götze, Redakteurin im Wissenschaftsressort des Spiegel, im Rückblick 2021: "Angeblich hatte der Kanzler Merkels hyperaktiven Vorgänger Klaus Töpfer 1994 gegen sein »Mädchen« eingetauscht, um Ruhe ins Kabinett zu bringen." https://susannegoetze.de/preis-des-ueberlebens-angela-merkel-und-die-klimapolitik/ , was sie dann auch tat. Und weiter: "Das Thema Klimawandel stand da schon längst auf der Agenda: Bereits seit 1987 tagten Enquetekommissionen des Bundestags zum »Schutz der Erdatmosphäre«, wie es damals noch hieß. Stoppe man den Klimawandel nicht, könnte das »gravierende Folgen für die menschlichen Lebensbedingungen« haben, die nur durch »Vorsorgemaßnahmen« verhindert werden könnten, so der Tenor der Berichte von 1988 und 1992. »Dramatische Entwicklungen« könnten »nicht ausgeschlossen werden«." Nach ihrer Kanzlerinnenschaft konnte sie Krokodilstränchen vergießen und sowas wie Selbstkritik üben. Diese "gehört selten zu Merkels öffentlichen Auftritten, doch beim Klima wurde sie ungewöhnlich offen. Wenn sie sich frage, wo in ihrer Regierungszeit „zu wenig Herzblut“ gewesen sei, „dann nagt am meisten das Thema Klima“, sagte sie." https://www.tagesspiegel.de/politik/da-nagt-am-meisten-das-klima-angela-merkel-spricht-uber-feminismus-ihren-grossten-politischen-fehler--und-die-raute-15045117.html Warum nicht früher? https://climatejustice.social/@NichtVielZuSagen/111586146109060274

Climate Justice Social
@NichtVielZuSagen @rahmstorf naja. Es gibt keine wertfreie Wissenschaft - es gibt keine wertvolle Politik. Und wenn Wissenschaft nur für, oder in erster Linie für, Menschen da ist, dann ist mindestens eine Katze vier mal in den Brunnen gefallen. Mindestens.

@max_muehsal

Das Ideal "wertfreie Wissenschaft" endet nicht für alle, aber für manche - wie hier Stefan @rahmstorf - da, wo es der Menschheit an den Kragen geht. Es scheint, daß manche oder viele Politiker keine Werte mehr haben, wenn es ihnen gegen den Strich geht.

Es ist gut, wenn nicht jeder die Ethik an der Garderobe ablegt.

"Die Nähe zu den Betroffenen lässt abstrakte Daten und Modelle lebendig werden: Sie erhalten Gesichter, Stimmen und Geschichten."
"Wo verläuft die Grenze zwischen Anteilnahme und notwendiger professioneller Distanz?" https://klimareporter.de/gesellschaft/wenn-klima-forschung-unter-die-haut-geht

Wenn man den Klimawandel voll verstanden hat, auf einer Forschungsreise hautnah mit den Folgen konfrontiert wird und als Konsequenz eine Flugreise zurück zum Arbeitgeber vermeidet, kann man fristlos entlassen werden.
https://taz.de/Klimaforscher-Grimalda-reist-ohne-Flug/!5970815/

Das sollte man nicht unbedingt nachmachen zum Beweis, daß man es ernstmeint.

Wenn Klima-Forschung unter die Haut geht

Objektiv, wertfrei und distanziert, so ist das Idealbild wissenschaftlicher Praxis. Doch Wissenschaft ist nicht gefühlskalt – und sollte es auch nicht sein.

Klimareporter°
@NichtVielZuSagen @rahmstorf okay, woher kommen wir? Ich denke von meiner Abwehr von: weil dies der wichtigste Wert ist tut jenes. Das ist keine Ethik. Das ist Ausübung von Macht über die Darstellung vermeintlich höchster Werte. So agiert die Wissenschaft, so agiert der Politiker. Lass uns einen Schritt zurück gehen, vor einen ersten oder höchsten Wert. Wo befinden wir uns dann?

@max_muehsal @rahmstorf

Und ich dachte, die Diskussion über deinen Ausgangsbeitrag damit abschließen zu können.

Insgesamt habe ich mich auf deinen ersten Beitrag bezogen und auf "Es gibt keine wertfreie Wissenschaft - es gibt keine wertvolle Politik. Und wenn Wissenschaft nur für, oder in erster Linie für, Menschen da ist..."

Von "wichtigsten" Werten hab ich nichts gelesen, allenfalls implizit von wichtigEREN. So interpretiere ich deinen Satz "Werte werden gegen Werte ausgespielt."

Wissenschaft befaßt sich nicht nur mit Menschen, sondern auch mit Grundfragen.
Speziell Naturwissenschaft mit der Frage, woraus die MATERIE besteht, aus der Menschen und die ganze Natur bestehen. Das ist teilweise so abstrakt, daß man als Student wie der Ochs vorm Berge steht.

Noch spezieller geht es in der Klimawissenschaft um die Wirkung von Materie, deren innere Energie durch natürliche und menschliche Einflüsse verändert wird und dadurch auf Ökosysteme positive oder negative Wirkungen ausübt. Tut mir leid, daß ich sowas nur stümperhaft zusammenstottern / labern kann. Jedenfalls ist das Gebiet nicht auf den Menschen beschränkt!

In der Politik dagegen geht es um Menschen. Und nicht nur um das aktuell MATERIELLE WOHL der JETZT und in DIESEM Land lebenden Menschen, sondern auch um die LebensGRUNDLAGEN (Arbeitsbedingungen, Gesundheitssystem, Zusammenleben, Natur, Umwelt) sowie um die zukünftig lebenden (Rente, Gesundheitssystem) und die Menschen in der Ferne, die vom Lebensstil in diesem Land betroffen sind (Rohstoffabbau, Sklavenarbeit, Wegwerfgesellschaft, Tourismus, KLIMA?). Dazu hat das Bundesverfassungsgericht 2021 ein bemerkenswertes Urteil gesprochen. Du erinnerst dich, Stichwort "Klimaklage":
https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2021/bvg21-031.html .


Die Wissenschaft KÖNNTE (Ideal: sollte) ohne ethische Vorgaben arbeiten. Aber wenn das Leben von Menschen beeinträchtigt wird, SOLLTE sie - meiner Meinung nach - ethische Aspekte berücksichtigen.
" Prinzip Verantwortung" https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Prinzip_Verantwortung .

Zum Abschluß zu deiner Aussage "Das ist keine Ethik. Das ist Ausübung von Macht über die Darstellung vermeintlich höchster Werte. So agiert die Wissenschaft, so agiert der Politik" dies:

Wikipedia zu Ethik und Werten:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik

"Die (allgemeine) Ethik wird heute als die philosophische Disziplin verstanden, die Kriterien für gutes und schlechtes Handeln und für die Bewertung seiner Motive und Folgen aufstellt."

Muß ich noch andere Quellen hernehmen?

Verfassungsbeschwerden gegen das Klimaschutzgesetz teilweise erfolgreich

Mit heute veröffentlichtem Beschluss hat der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts entschieden, dass die Regelungen des Klimaschutzgesetzes vom 12. Dezember 2019 (Klimaschutzgesetz <KSG>) über die nationalen Klimaschutzziele und die bis zum Jahr 2030 zulässigen Jahresemissionsmengen insofern mit Grundrechten unvereinbar sind, als hinreichende Maßgaben für die weitere Emissionsreduktion ab dem Jahr 2031 fehlen. Im Übrigen wurden die Verfassungsbeschwerden zurückgewiesen. Das Klimaschutzgesetz verpflichtet dazu, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um 55 % gegenüber 1990 zu mindern und legt durch sektorenbezogene Jahresemissionsmengen die bis dahin geltenden Reduktionspfade fest (§ 3 Abs. 1 und § 4 Abs. 1 Satz 3 KSG in Verbindung mit Anlage 2). Zwar kann nicht festgestellt werden, dass der Gesetzgeber mit diesen Bestimmungen gegen seine grundrechtlichen Schutzpflichten, die Beschwerdeführenden vor den Gefahren des Klimawandels zu schützen, oder gegen das Klimaschutzgebot des Art. 20a GG verstoßen hat. Die zum Teil noch sehr jungen Beschwerdeführenden sind durch die angegriffenen Bestimmungen aber in ihren Freiheitsrechten verletzt. Die Vorschriften verschieben hohe Emissionsminderungslasten unumkehrbar auf Zeiträume nach 2030. Dass Treibhausgasemissionen gemindert werden müssen, folgt auch aus dem Grundgesetz. Das verfassungsrechtliche Klimaschutzziel des Art. 20a GG ist dahingehend konkretisiert, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur dem sogenannten „Paris-Ziel“ entsprechend auf deutlich unter 2 °C und möglichst auf 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Um das zu erreichen, müssen die nach 2030 noch erforderlichen Minderungen dann immer dringender und kurzfristiger erbracht werden. Von diesen künftigen Emissionsminderungspflichten ist praktisch jegliche Freiheit potenziell betroffen, weil noch nahezu alle Bereiche menschlichen Lebens mit der Emission von Treibhausgasen verbunden und damit nach 2030 von drastischen Einschränkungen bedroht sind. Der Gesetzgeber hätte daher zur Wahrung grundrechtlich gesicherter Freiheit Vorkehrungen treffen müssen, um diese hohen Lasten abzumildern. Zu dem danach gebotenen rechtzeitigen Übergang zu Klimaneutralität reichen die gesetzlichen Maßgaben für die Fortschreibung des Reduktionspfads der Treibhausgasemissionen ab dem Jahr 2031 nicht aus. Der Gesetzgeber ist verpflichtet, die Fortschreibung der Minderungsziele der Treibhausgasemissionen für Zeiträume nach 2030 bis zum 31. Dezember 2022 näher zu regeln.

@NichtVielZuSagen @rahmstorf vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Und deine Mühe. Mit Quellen kann man nicht die Wahrheit belegen. Meine Inspiration ist unter anderem die Ethik von Levinas, und die ist vermutlich nicht besonders nahe am Wikipedia Mainstream. Aber deshalb ist sie nicht falsch. Die Frage nach ww2 der poststrukturalisten: inwieweit sind wir nur Marionetten der Sprache - muss vorher beantwortet werden.
@NichtVielZuSagen @rahmstorf ich will damit andeuten: der Sprache selbst sind bereits Wertungen implizit. Mit positiven normativen Werten kann man jedoch nicht das Fremde wertschätzen. Diese Kultur des Unbekannten ist der in dieser Hinsicht heuristischen Herangehensweisen zeitgenössischer Ethik fremd, isv unbekannt. Deshalb bedeutet in unserer Kultur regelmäßig: entdecken = zerstören. Siehe: Planet, Regenwald, usw
@NichtVielZuSagen @rahmstorf die einzige Ausnahme ist womöglich die reine Mathematik: sie lässt in Ruhe und damit gedeihen und werden. Der Archimedes Move. Der gesamte Rest scheint der Kategorie anheimgefallen zu sein: entspreche meiner Kenntnis, und so wird ausgemerzt was sich dieser widersetzt. Du möchtest bestimmt Quellen … hmmm. Francois Jullien, Emmanuel Levinas, derrida und John conway

@max_muehsal @rahmstorf

Danke für die Erklärung zum Schluß!

Levinas kannte ich nicht.
Bin auch kein Philosoph, sondern klitzekleiner Physiker.

@NichtVielZuSagen @rahmstorf feynman in etwa: Physik ist wie Sex. Ja, dabei können Kinder entstehen, aber das ist nicht der Grund warum man es tut. In diese Richtung … aber die Moderne scheint nur die Kinder im Sinn zu haben, in jeder Hinsicht. Die Ethik von Levinas ist auch kein neu erfundenes Rad, man kann sie gut mit dem Skeptizismus oder zhuangzi in Verbindung setzen. Ein Kind das man kennt ist verdorben und ohne Zauber.