Das #Kind (9) hatte einen intensiven Anfall von Weltschmerz. Ich kann mich so gut an diese Phase erinnern, in der auch ich damals in fassungsloser Trauer versank ob der Erkenntnis, dass die vermeintlich klugen Erwachsenen ihre Regeln und Gewohnheiten nicht an Vernunft oder gar Gerechtigkeit ausrichten. Dieser Moment zerplatzter Seifenblasen. Ein längerer 🧵

Alles fing damit an, dass das Kind genervt war über das Verhalten von A., mit dem zusammen (und I.) es ein >>

#FediEltern #Gerechtigkeit

>> Freundschaftskleeblatt gebildet hatte. I. und Kind aber trennen sich innerlich immer mehr von A. Da aber auch alle anderen Kinder der Klasse von A. genervt sind, stört sich das Kind an seinen eigenen ablehnenden Gefühlen. „Wenn die anderen ihn ärgern, kann ich nicht anders als ihn zu verteidigen. Wie in der alten Schule mit S.“ Es beginnt zu weinen. „Mama, ich würde sogar meinem schlimmsten Feind helfen, wenn er ungerecht behandelt wird. Ich habe das schon gesagt, als ich zweieinhalb war: >>
>> Mein Wesen ist zu helfen. Davon kann ich nicht weg, niemals. Aber … Ich halte das manchmal nicht aus: Ich fühle alles, was die anderen fühlen, richtig stark. Ich spüre alles, ganz intensiv, das können andere nicht, ich weiß das. Und dann kann ich nicht anders als zu helfen.“ Wir sprachen darüber, dass seine Aufgabe nun ist, mit der besonderen Gabe (Mitgefühl) umgehen zu lernen, mit der gefährlichen Grenze zum Mitleid. Und damit, wann ein anderer Mensch überhaupt Hilfe möchte und >>
>> wann nicht. Es meinte, das könne es nicht schaffen, niemals. Dann bräuchte es einen Psychologen. Und es hielt mir einen flammend-emotionalen Vortrag darüber, dass es nicht auszuhalten sei, dass die Welt so ungerecht sei. Dass es Menschen gebe, die arm seien. „Warum kann es keine Gesetze geben, damit Reiche etwas abgeben? Mama, wäre es vielleicht doch möglich, einen König der Welt zu haben, der wirklich etwas ändert?“ - Ich erkläre die Gefahren, die darin lägen. Das sieht es ein. Und auch, >>
>> dass man mit Mit-Leid nichts Gutes in die Welt bringt, das sagt schon das Wort. Es weinte bittere Tränen, weil es allein doch nicht wirklich etwas verändern könne. Wir sprachen über Möglichkeiten, wie das eben doch geht. „Aber wie soll ich die anderen Menschen finden, die auch leuchten und die Welt besser machen wollen? Selbst wenn es eine Million wären in Deutschland, wären das zu wenig. Und wenn man an die ganze Welt denkt, wie soll das gehen?“ Ich konnte nicht mehr tun als >>

>> ihm glaubhaft zu machen, dass ich ihm zutraue, wirklich etwas zu verändern, je größer es wird. Und dass ich froh bin, die künftige Schule gefunden zu haben: Plötzlich sieht es einen Sinn im sozialwissenschaftlichen Schwerpunkt, weil es im Gespräch verstand, was es bedeutet.

(Ende)

@fortyeight
Ich lese da nicht "nur" Mitgefühl oder Mitleid heraus, sondern (ungefilterte) Empathie, was eine große Stärke sein kann, die aber "reguliert" werden muss - zum eigenen Wohl.

Und als empathischer Mensch, mit Helferyndrom, glaube ich, das einschätzen zu können *tiefseufz*

Ich kann die Podcasts der @Wochenendrebellen ("Radiorebellen") empfehlen.

Vater und Sohn begannen ihren Podcast, als Jason (Autist) so 8/9 Jahre war.

In ihrer außerordentlichen Themenvielfalt - in Breite und Tiefe - sprechen sie auch immer wieder das Thema "Ungerechtigkeit" an, und Jason nötigt Mirco (dem Vater) ein Versprechen ab: "dass wir die Welt verbessern (wenigstens im Rahmen unserer Möglichkeiten, ein kleines bisschen)".

Heraus kam u.a. eine "Familievereinbarung" (alleine die ist schon wirklich knallhart! - auf ihrer Website beschrieben) und ihr Engagement für die "Neven Subotic / Well:Fair"-Stiftung, für die sie inzwischen ein paar zehntausend Euro an Spenden gesammelt haben.

Sehr hörenswert, ihre Bücher sehr lesenswert, der Film "Wochenendrebellen" sehr sehenswert.

#Wochenendrebellen #Autismus #Gerechtigkeit
@fasnix danke vielmals für dein sensibles Hineindenken und den tollen Tipp, das klingt, als ob es sehr gut passen könnte. Die
@Wochenendrebellen haben eine Followerin mehr 🥰