Die Schiene wird gegenüber der Autobahn benachteiligt!

Die Schienenmaut (oder Trassenpreise) sorgen immer wieder für hohe Kosten beim Bahnverkehr –insbesondere für die Güterbahnen. Woran liegt das eigentlich und wie ließe sich das ändern? 🛤️🤔

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Die Schienenmaut ist so hoch, weil sie nach dem sogenannten Vollkostenprinzip erhoben wird. Das heißt, dass nicht nur die durch eine Fahrt tatsächlich entstandenen Kosten einbringen soll, sondern ein Gewinn abgeschöpft werden soll. Die Idee ist, dadurch die Instandhaltung und Erneuerung der Infrastruktur der Bahn zu finanzieren.

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Bei den Bundesstraßen sieht es aber anders aus. Die Straßenmaut soll nach dem Grenzkostenprinzip nur die tatsächlichen Kosten decken. Neue Straßen werden ausschließlich durch weitere Investitionen finanziert. Genauso sollte es auch für die Schiene gelten!

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@VCDeV Ich dachte, Erneuerung und erst recht Neubau würde die Bahn eben nicht zahlen. Es war doch immer die Rede davon, dass die Bahn absichtlich die Infrastruktur verrotten ließe, weil sie die Instandhaltung bezahlen müsse. Ist aber eine Brücke so kaputt, dass ein Neubau nötig wird, tritt der Bund ein. Oder hat sich da was geändert? Oder verstehe ich da was falsch?

@worthuelse

Es ist kompliziert: Tatsächlich ist die Bahn für Instandhaltung und Erneuerung (z.B. einer kaputten Weiche) zuständig, aber nicht für Neubau oder Generalsanierungen. Es wird deshalb oft gesagt, die DB lasse die Infrastruktur extra verkommen - aber das können wir nicht bewerten.

Für die Trassenpreise ist das auch zweitrangig: Mit dem Vollkostenprinzip sollen Gewinne erwirtschaftet, statt nur die realen Kosten zu decken. Und das ist ein Problem für Kunden und Fahrgäste.

@VCDeV
Das Spannende ist ja:
Obwohl die Trassenpreise derart hoch sind, übersteigt die Nachfrage auf vielen Relationen das mögliche Angebot.
Es kann also von tragfähigen Preisen gesprochen werden.

Wir könnten vermutlich locker doppelt so viel auf der Schiene fahren, wenn denn die Kapazität vorhanden wäre und das Grenzkostenprinzip Anwendung finden würde.

Ein weiteres Problem ist, dass die Verkehrsprognosen fehlerhaft sind und die Nachfrage systematisch unterschätzen.
@worthuelse

@VCDeV So, ich dachte, mit der InfraGO wäre die Gewinnorientierung bei den Trassenpreisen aus dem Spiel. Ich habe mich mal über Grenz- und Vollkostenprinzip schlau gemacht. Das Grenzkostenprinzip ist nicht zwingend kostendeckend. Für einen zusätzlichen LKW wird nur das Geld verlangt, was der an zusätzlichen Schäden anrichtet. Frostschäden z.B. zahlt die Allgemeinheit. Das ist bei der Bahn anders. Das ist in der Grafik begrifflich wohl etwas verschoben. Mehr-/Vollkostendeckung würde passen.