1/ Habe jetzt #EdeUndUnku bekommen.

Dieses Buch handelt von einem Sinti-Mädchen und einem Arbeiterjungen, die sich anfreunden und Abenteuer erleben. Es wurde 1931 von der jüdischen Kommunistin #GreteWeiskopf unter dem Pseudonym #AlexWedding im #Mailik-Verlag veröffentlicht und 1933 von den Nazis verboten und verbrannt.

Ab 1959 war es für den Schulunterricht empfohlene Literatur für die siebente Klasse, ab 1966 Pflichtlektüre in der fünften Klasse.

In die erste Nachkriegsausgabe hat Grete Weiskopf am Anfang ein Kapitel eingefügt. Darin kann man neben der Erwähnung von Buchenwald folgende Stelle finden:
„Und Unku, Großmutter, Turant, die Vettern und Basen? Fragt lieber nicht! Julius Fučík, der in den ersten Jahren des Hitlerreiches illegal nach Berlin kam, war schon damals vergeblich auf der Suche nach ihrem Verbleib. […] Ich fürchte, meine Zigeunerfreunde sind nicht mehr am Leben. Die Hitler-Barbaren haben Juden und Zigeuner verjagt, vergast und erschossen, als wären sie keine Menschen, ja nicht einmal Vieh. So wie sie auch Julius Fučík, den Helden des tschechischen Volkes im Kampf gegen fremde, die Hitlerbesatzung, ermordet haben … Und doch habe ich – aller Vernunft zum Trotze – die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Oft eile ich hinter Fremden her, deren Bewegungen, Haltung, Haar oder Stimme mich an sie erinnern. Aber dann sind sie's nicht. Eine lange Zeit ist seit damals vergangen, eine Zeit, die auf schnellen Füßen lief und aus Kindern Erwachsene machte … “

Also: Der #Holocaust kam in der #DDR vor und zwar nicht nur intensiv im Geschichts- und Literaturunterricht der neunten Klasse, wie ich ja schon gezeigt habe, sondern bereits in der fünften Klasse in einem Kinderbuch (ab 10 Jahre steht in den Ausgaben, die ich habe).

Dazu ist das Buch antirassistisch und arbeitet gegen viele Klischees an.

#Literatur #Kinderliteratur #DDR

2/ Grete Weiskopf ist eine interessante Person. Sie hat viele Kinderbücher geschrieben. Und Geschichten anderer Kulturen aufgeschrieben. Antirassistisch.

Sie hat Kinder geliebt. Sie hat allen Kindern, die im Haus des Kindes lebten, 1000 Mark vererbt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Grete_Weiskopf

Grete Weiskopf – Wikipedia

3/ Und hier sind die Stellen aus den Lehrplänen.

Ich finde es total großartig, dass die #DDR-Lehrpläne digitalisiert wurden und frei zugänglich sind. #FediLZ

https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0111-bbf-spo-20060106

Der Lehrplan ist von 1983 und war ab 1966 gültig. Diese Lehrpläne galten für die ganze DDR. Die lilane Frau war zuständig. Weiß nicht, ob ihre Haare bereits 1966 lila waren.

#EdeUndUnku war obligatorisch.

4/ #EdeUndUnku wurde 1981 von der #DEFA verfilmt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Als_Unku_Edes_Freundin_war

Ein antirassistischer Film zu einer antirassistischen Geschichte, die sich so in den 30ern zugetragen hatte.

Das Lexikon des internationalen Films fand: „sensibler Bilderbogen nach einem in der DDR viel gelesenen Kinderbuch, der antirassistisches Gedankengut nachdenklich und unterhaltsam an jugendliche Zuschauer bringt.“

Als Unku Edes Freundin war – Wikipedia

5/ Vor einiger Zeit ist noch ein weiteres Buch über Ede und Unku erschienen.

In dem Buch wird genau beschrieben, wie das Leben der #Sinti ab 1933 ablief. Schikanierungen, Arbeitsverbot, Reiseverbot und letztendlich Abtransport nach Auschwitz. Fast alle Sinti wurden dort ermordet.

Janko Lauenberg, ein Nachfahre von Unku erzählt auch über sein Leben in der #DDR. Erst glückliche Kindheit, dann Umzug und rassistisches Mobbing, dann Kinderheim für Schwererziehbare, obwohl er sich nur gewehrt hatte. Ein DDR-Bürgerrechtler hat ihn befreit. Er musste nicht zurück ins Heim und in der nächsten Schule ging es besser.

Einen Angreifer hat er später auf ner Party getroffen. Der hat sich entschuldigt und meinte, er wüsste auch nicht, was ihn da geritten habe.

6/ Die Band kommt auch im Buch vor:

https://www.youtube.com/watch?v=__nGBoW4K_I

Häns´che Weiss Ensemble, 1991- Roma - Sinti Jazz / Gipsy Swing

YouTube

7/ Und das ist die Band von Lauenberger:

#SintiSwingBerlin

https://www.youtube.com/watch?v=fZTEsMVoTIc

BERLIN GLOBAL meets Sinti Swing Berlin!

YouTube

8/ Eine Rezensentin schrieb über #EdeUndUnku, dass es darin eigentlich nur um den Kampf der Arbeiter ging und es auch nur deshalb auf dem Lehrplan gestanden habe. Ich denke, dass das die übliche Masche ist.

Ich versuche gerade mit aller mir zur Verfügung stehenden Macht mir auszumalen, wie eine 1931 geschriebene Geschichte aussehen könnte, in der ein Bürgersöhnchen eine Sinta kennenlernt, die ihm dann hilft (wobei eigentlich?) und mit der er dann im Pferde-Wagen in den Sommer verschwindet, nachdem ihm sein Vater das erlaubt hat.

Fehlt mir nur Phantasie? Kann #FollowerPower mir helfen und vielleicht so ein (Kinder-)Buch finden?

Für mich ist Ede und Unku einfach ein schönes, antirassistisches Buch.

9/ Na, follower power hat hier versagt, aber ich habe in der Literatur über #Antiziganismus nachgelesen und bin auf #Carmen gestoßen. Tja, Räuber, Mord und große Liebe bzw. Sex, das ist es, was sich die Bürger*innen gern angesehen haben. Bzw. immer noch ansehen.

Tradiert Klischees und ist das absolute Gegenteil von #EdeUndUnku.

https://de.wikipedia.org/wiki/Carmen_(M%C3%A9rim%C3%A9e)

Carmen (Mérimée) – Wikipedia

@stefanmuelller

Unter 3/ hattest du bereits auf den Lehrplan verwiesen, aber nur einen Screenshot gezeigt, auf dem der Titel vermerkt war.

Anbei noch die detaillierten Lerninhalte und -ziele.

Ich habe die Wörter farblich hervorgehoben, die verdeutlichen, dass es um eine antirassistische Geschichte geht, dass Rassismus überhaupt ein Problem oder Thema der Geschichte ist, dass Sinti eine Rolle spielen.

https://scripta.bbf.dipf.de/viewer/image/516431544/23/LOG_0009/

Ansonsten gab es wohl auch jede Menge sog. "Mischehen" zwischen Sinti/Roma und nicht-Sinti/Roma, was vielleicht als Indiz herhalten könnte, dass es entsprechende Kontakte gab.

@stefanmuelller

Und übrigens als Beifang (Rentnerin kommt mit ihrer Rente nicht "hervorragend" zu recht und verdient sich durch Untervermieten etwas dazu):

Florentiner 73 mit PoC:

https://youtu.be/U-0y9HqNrC8?si=sxWGrc6t2viEpxAB&t=1769

Einerseits ist das gezeigte Kind PoC und von einem ausländischen Vater, aber andererseits sagen die Rollen auch, dass die Leute darüber reden, wie Menschen eben so seien, jedenfalls so sinngemäß. Leider gibt es kein Transkript zum schnellen Wiederfinden.

@peer Aber, dass es im Buch steht, glaubst Du mir, oder?

Da ist das Leben der Sinti sehr genau beschrieben.

Hast Du für die Ehen Quellen?

@stefanmuelller

Die entscheidende Frage ist doch, ob die Beschreibung des Lebens der *Sinti* irgendeine Relevanz für die Aufnahme in den Lehrplan hatte. Jedenfalls, wenn es um deine Kritik und deinen Vorwurf an die Rezensentin geht, hier die übliche Masche zu fahren.

Und da lautet die Antwort: vermutlich hat die Rezensentin zumindest in dem Fall Recht. Jedenfalls kann der Lehrplan sehr gut als Beleg dafür herhalten, dass die Beschreibung des Lebens der Sinti in dem Buch für die Lehrplanaufnahme völlig irrelevant war. Denn man wird ja wohl berechtigterweise erwarten dürfen, dass das relevante Lernziel im Lehrplan auch erwähnt wird.

Aber mehr noch: die Beschreibung des Lebens der Sinti wird im Lehrplan nicht mal erwähnt. Das spricht eigentlich Bände. Und wenn dieser erste Eindruck täuschen sollte, wäre es an dir, dazu zu argumentieren und das Gegenteil nachvollziehbar zu machen (wenn es nachvollziehbar werden soll).

Ich habe das Buch nicht gelesen. Dass es dort um Sinti geht, ist klar. Aber was genau meinst du damit, dass das Leben der Sinti im Buch "sehr genau" beschrieben ist? Werden dort nur Freundschaften ins Arbeitermilieu als existent bzw. möglich beschrieben? Und deshalb denkst du, es hat keine zu anderen Milieus gegeben?

https://www.bpb.de/system/files/pdf/WWG9D8.pdf

@stefanmuelller »Ede und Unku - die wahre Geschichte« ist wirklich lesenswert!
@stefanmuelller
Davon habe ich bis eben noch nie von gehört, aber klar, was in der DDR auf dem Lehrplan stand, war in W-Germany natürlich kein Thema. 🙄

@stefanmuelller

...danke fürs Erinnern ...#edeundunku waren für mich fester Bestandteil meiner literarischen Kindheit...

@stefanmuelller @wasesha Oh ja, ich habe »Ede und Unku« geliebt – das Buch und den Film. Das Buch hatte ich Zuhause, quasi „vererbt“ bekommen von meiner älteren Cousine und gelesen, lange bevor ich in der 5. Klasse war. Aber ich kann mich gar nicht mehr erinnern, dass das Buch in der Schule Thema war. Da erinnere ich mich nur an »Salvi Fünf« und »Robinson Crusoe«.

Immerhin weiß ich nun, dass es auch ein Sachbuch zum Thema gibt. 😍

@Commodore1351 @stefanmuelller

...oh! ...noch mehr Historie: Salvi Fünf und der zerrissene Faden... 🤗

@stefanmueller Ich hab Ede und Unku total geliebt. Den Trick mit der Briefmarke hab ich nie ausprobiert. "Pianke" fand ich auch sehr gut, eventuell sogar noch besser.

@stefanmuelller Danke für den Link zu dem Lehrplan.

Ja ja so war sie die DDR,
to much future.

@tunda Die #Trommel habe ich auch gelesen. Da waren immer „Die fröhlichen fünf Minuten“ drin. Mit Witzen.

Einmal habe ich einen Aufsatz über mein bestes Ferienerlebnis hingeschickt und einen Ball bekommen, auf dem Stand: „Der geht los wie die Trommel“. Mehr weiß ich nicht mehr von der Trommel. Da kann ich mich an #Bummi besser erinnern. =:-)

Und das Mosaik war natürlich gut. Insbesondere die alten Hefte von Hannes Hegen.

Doch mit ein bisschen Schummeln erinnere ich mich wieder. Der Graf von Monte Christo war damals wohl eine Comic-Folge. Daran erinnere ich mich dunkel.

https://www.ddr-comics.de/trommel.htm

Comics in der Trommel