Sehr interessanter Artikel zur Ursache des Rechtsrucks hier im Osten. War zur Wende zu jung, um das Beschriebene umfassend selbst zu erleben, denke aber, dass ich Verwandte und Bekannte wiedererkenne.

Was denkt Ihr, sind die Thesen in diesem Artikel haltbar, oder hat der Artikel Fehler und Widersprüche?

https://www.spiegel.de/politik/rechtsextremismus-falsche-erklaerungen-ueber-gewalt-im-osten-korrigieren-a-8d70ac53-90e1-4a33-aea3-4281ebca460f [€]

#Rechtsextremismus #Ostdeutschland #Ethnologie

»Baseballschlägerjahre«: Was wir am Rechtsruck im Osten falsch verstehen

Noch immer kursieren falsche Erklärungen über rechte Gewalt in Ostdeutschland. Um den Durchmarsch der AfD zu verhindern, müssen wir sie endlich korrigieren.

DER SPIEGEL
@taschenorakel
Ist auch im Archiv:
https://archive.is/05TMc
Ich hatte die Entwicklungen beobachtet und teils auch erlebt, ohne da zu leben. In meinen Augen hatten da viele Dampf unter'm Kessel gehabt und das in Gewalt und Unterdrückung voll ausgelebt. Nach meiner Beobachtung wurde das politisch von rechtsextremen Bewegungen (die vom Westen aus startbereit waren) eingefangen und für eigene Zwecke instrumentalisiert. Keine staatliche, demokratische Organisation stellte sich in den Weg, da es sie schlicht dort nicht gab. Das Gewaltpotential war hoch und Bedrohungen alltäglich. Bist Du Punk oder Nazi hieß es schon auf der Schultreppe. Vorallem junge Leute wurden allein damit gelassen. Das ist die große Schuld der innerdeutschen Politik der Wendejahre, an der wir alle heute zu tragen haben.
@taschenorakel
Falls Dich im Zusammenhang Ost-West ein größerer Blick auf die deutsche Geschichte interessieren sollte, kann dieses Buch vielleicht interessante Anregungen für Dich beinhalten:
https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1050511934
@taschenorakel Da Bezahlschranke, vielleicht eine kurze Zusammenfassung der These des Artikels bereitstellen?

@stayinbed

- gängigen Erklärungen (autoritäre DDR‑Prägung, Vaterkomplex, Liebesentzug) greifen zu kurz und empirisch falsch
- der Umgang "des Westens" mit "dem Osten" ist paternalistisch
- ostdeutsche rechte Gewalt der 1990er entstand nicht aus autoritären Familienstrukturen: die üblich zitierten Biographien sind repräsentativ:
-- in untersuchten Skin- und Holigan-Milieus weniger familiäre Gewalt als in Westdeutschland
-- gute Beziehungen zu ihren Eltern und eine solide Schulbildung

@stayinbed
- spezifische DDR- und Nachwende-Sozialisierung wird ignoriert:
-- Rebellion gegen den Staat, nicht gegen die Eltern
-- Antiautoritäres Verhalten war im Osten nicht automatisch links
-- Staatlich verdrängter, aber deutlich präsenter Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus
- Staatsfeindschaft ist ein historisch gewachsenes ostdeutsches Motiv und wirkt bis heute fort
@stayinbed
- eigentliche Treiber des heutigen Rechtsrucks ist die soziale Lage nach 1990:
-- neoliberaler Staatsumbau, Massenarbeitslosigkeit, Deklassierung
-- objektiv belegbares Gefühl, Bürger zweiter Klasse zu sein
- öffentliche Diskurs ist verzerrt, da man staatsnahen DDR-Milieus (NVA, SED, Kaderfamilien) die Erzählung überlässt