Kennt sich jemand mit #Legasthenie , #Dyskalkulie und ähnlichen aus?

Frage: Eine Schülerin ist Legasthenikerin. Nun ist mir heute aufgefallen, dass sie auch bei Rechnungen öfter richtig rechnet, dann aber beim hinschreiben Ziffern vertauscht. Außerdem verrutscht ihr trotz richtiger Rechnung oft das Komma (Ergebnis wird vom Taschenrechner übernommen, Rechenfehler ist also wirklich ziemlich auszuschließen).

Sind das noch Symptome der Legasthenie, oder geht das...

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...eher schon die Richtung Dyskalkulie oder was ganz anderes?

Hintergrund ist, dass ich ihr, wenn das KEIN Symptom der bereits bekannten und attestierten Legasthenie ist, raten möchte, sich das "was auch immer es ist" für die Abschlussprüfung ebenfalls attestieren zu lassen, damit ihr das nicht auf die Füße fällt.

@DePaelzerBu hello. Also sollte es Dyskalkulie sein, kann sie sich das zwar bescheinigen, bekommt dafür aber keinen Nachteilsausgleich.
So ist es zumindest bei uns.

@KiwiMalAnders

Ich sag's mal vorsichtig: Auch wenn es keinen offiziellen Ausgleich geben sollte (der letztendlich eh meistens auf mehr Zeit rausläuft und in dem Fall wohl gar nichts bringen würde), hat niemand von uns im Prüfungsausschuss Interesse, jemandem dafür beim Korrigieren der Theorie eins reinzuwürgen. Aber halt nur, wenn es denn attestiert ist.

@DePaelzerBu

Habe eine enge Freundin, die Trainerin für Legastenie und Dyskalkulie ist. Das hängt wohl häufiger zusammen, vielleicht mal bei einem entsprechenden Verband nachfragen, die konnten mir vor Jahren auch mal weiterhelfen und auch einer Trainerin für die Person in der Nähe benennen.

@KiwiMalAnders

@DePaelzerBu versuchen sollte sie es auf jedenfall.
@DePaelzerBu eine offizielle Diagnose ist in jedem Falle hilfreich, nicht nur für den Abschluss, auch um Hilfe zu erhalten und auch bei der späteren Jobsuche.

@Ilka4You

Klar, aber sie hat ja bereits die Legasthenie-Diagnose. Wenn das auch darunter fällt, braucht sie nicht noch eine.

@DePaelzerBu ah, das hatte ich nicht verstanden.
@DePaelzerBu beides recht typisch für Legasthenie. Dyskalkulie ist eher eine grundlegende Rechenschwäche, wenn es darauf keine weiteren Hinweise gibt: unwahrscheinlich.
@DePaelzerBu Das klingt sehr nach mir, also nach ADHS: Ich hatte keine Probleme mit Rechenaufgaben, aber verschusselte sie dann mangels Aufmerksamkeit.
@DePaelzerBu
Hört sich für mich eher nach Legasthenie an, aber da sollte nochmal jemand Diagnostik betreiben.
Gut, dass du es gesehen hast!!!
@DePaelzerBu Auskennen ist viel gesagt, aber aus Jahren der Nachhilfe und aus der Schule erkenne ich die beschriebene Symptomatik von Legasthenie. Wenn nur Zehner und Einer vertauscht werden, ist das meiner Erfahrung nach bis in die 7. Klasse ein generelles Problem, bei Kommata, Zeilen, Spalten usw aber eher nicht.

@maos

Ist 3. Lehrjahr Berufsschule, und sie ist ansonsten eine RICHTIG starke Schülerin.

Aber da lag ich mit meinem Tipp, dass es wohl tatsächlich zur Legasthenie gehört, wohl richtig, danke.

@DePaelzerBu Meine Tochter hat Legasthenie und große Probleme 124 als hundertvierundzwanzig vorzulesen.

Ich denke, dass bei der Schülerin eine Form von Legasthenie vorliegt und keine Diskalkulie. Sie hat Probleme beim Erkennen von Symbolen.

@die_christine
Ja, klingt sehr ähnlich. Bei ihr ist es halt das übertragen, aber da ist lesen ja der erste Schritt.

@DePaelzerBu bin ohne jegliche Ahnung, aber weil ich mich gerade selbst damit beschäftige, da unsere Jüngste ähnliche Probleme hat:

Umgelernte Linkshänderin? Dann könnte es evtl eine gemischte Hand-Auge-Dominanz sein...?

Die Forschung dazu gibt es allerdings noch nicht lange. Nicht wenige Kinder lernen sich übrigens selbst unbewusst um, weil sie sich das 'richtige' Verhalten abschauen.
In solchen Fällen soll Ergotherapie (mit Schwerpunkt Hand-Auge-Koordination) etwas helfen.

@DePaelzerBu Ich bin Diplom-Sprachheilpädagogin und habe mich auf Legasthenie spezialisiert. Die von Dir beschriebenen Fehler sind typisch bei Legasthenie, Zeichen (egal ob Buchstabe oder Zahl) werden getauscht oder gespiegelt, auch Abschreibfehler (hier Komma) sind typisch.

@Sabine_Kruber danke dir.

Ich muss mal im Prüfungsausschuss klären, wie wir damit in der Gesellenprüfung umgehen. Zahlendreher wären gar nicht das ganz große Problem, aber eine Kommastelle kann in der Elektrik den Unterschied machen zwischen "Anlage ist einwandfrei" und "hoppla, der Kunde ist tot". Und im Gegensatz zu zahlendrehern kann ich da auch nicht leicht feststellen, ob's ein echter Fehler ist...
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@Sabine_Kruber
...Gibt es da irgendwelche Möglichkeiten, die "Legasthenie-Fehlerquote" zu verringern? Wird das besser, wenn sie das Ergebnis dreimal vom Taschenrechner abschreibt oder sowas?
@DePaelzerBu Abschreiben hilft da leider gar nicht. Wäre es möglich, dass die Schülerin die Ergebnisse in der Prüfung mündlich vorträgt? Wenn die Rechnung selbst kein Problem macht, sollte das Ergebnis dann eigentlich richtig sein.
@Sabine_Kruber
Nee, leider nicht. Die Korrekturen der Theorieprüfung (u.a. ich) sind in der Prüfung selbst meist gar nicht dabei.

@Sabine_Kruber

Ich meinte auch nicht, das Ergebnis hinschreiben und dann nochmal abschreiben, sondern das Ergebnis mehrfach vom Rechner abschreiben. Sowas wie "wenn dann bei dreimal dem selben Ergebnis zweimal das Komma an der richtigen Stelle steht, nehmen wir das"

Oder anders gefragt: Wird das Zeichen immer an der gleichen Stelle falsch gesetzt?

@DePaelzerBu ach so, ja, das könnte man mal probieren. Es wäre auch gut, wenn die Schülerin mehr Zeit bekäme, sodass sie die Ergebnisse in Ruhe kontrollieren kann.
@Sabine_Kruber OK, danke dir. Ich nehme die Ideen mal mit in den Ausschuss.
@DePaelzerBu Am wahrscheinlichsten ist, dass das Komma um eine Stelle nach links oder rechts verrutscht. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass der Sprung größer ist. Es ist jedenfalls nicht so, dass immer derselbe Fehler auftritt.
@DePaelzerBu Für das Berufsleben muss man dann schauen, welche technischen Hilfsmittel in diesem Bereich hilfreich sein könnten, damit es nicht zu fatalen Fehlern kommt, die im schlimmsten Fall tödlich enden können. Hier würde ich eine gemeinsam Begehung des Betriebs mit einer Legasthenieexpertin/ einem Legasthenieexperten empfehlen, damit hier geeignete Hilfestellungen mit dem Betrieb erarbeitet werden können.