"Amsterdam gilt seit jeher als Musterbeispiel gelungener Stadtplanung. Bereits 1851 begann die Stadt, systematisch Daten der Bevölkerung zu erheben, um optimal ihre Ressourcen zu verteilen. Fürs „Bevolkingsregister“ gaben die Einwohner bereitwillig Beziehungsstatus, Beruf und Religionszugehörigkeit an. 1936 stieg man sogar auf die Datenerfassung mit einem hochmodernen Lochkartensystem um. 1939 aktualisierte eine Volkszählung das Stadtregister nochmals.

Im Mai 1940 rissen die einmarschierten deutschen Besatzer das Register an sich und ermittelten anhand dieses Datenschatzes in wenigen Tagen fast alle jüdischen Einwohner. Ein Großteil der rund 100 000 Amsterdamer Juden wurde ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Von einem Tag auf den anderen entschied ein Marker im Big-Data-Pool über Leben und Tod. Zuvor hatte 90 Jahre lang niemand etwas zu verbergen gehabt – schließlich diente die Erfassung ja dem Wohl aller."

c't (2015)

#Datenschutz #SocialMedia

@pluvodancisto einerseits andererseits. Es gibt ja auch Problemfälle wo man sich umfassende #Daten wünscht. Im Falle der so leicht zu kriegenden Juden war es natürlich das einerseits. Aber die Lösung ist nicht Datenvermeidung, sondern Datentransparenz. Die Juden hätten nur wissen müssen dass sie fein sauber auf einer Liste stehn und die jetzt in die falschen Hände kommt. Transparenz, und Beidseitigkeit ist das Schlüsselwort. Was die einen wissen, müssen die anderen wissen dass sie es wissen
@Hans_Kastell
In welchen Problemfällen sind diese umfassenden Daten nötig? Würde mich mal interessieren und ob es dafür nicht auch andere Lösungen gibt.
@pluvodancisto

@hipdrop @pluvodancisto

...ich gehe von zwei Sachen aus
1. Es ist falsch dass nur die Eigentümer der medialen Foren/ Kommunikations-Infrastruktur den vollen Einblick in Nutzerdaten haben
2. Es ist eh unvermeidlich und nicht rückgängig zu machen, dass die Nutzerdaten einsehbar sind.

Ich leite davon ab, dass die Verwaltung von Nutzerdaten/ Bürgerdaten demokratisiert sein muss. Als mindestes dabei wäre, dass die Daten in juristisch relevanten Fällen für demokratische Institutionen einsehbar sind

@hipdrop @pluvodancisto
,Menschenhandel, Steuerbetrug, Hass und Hetze...

Noch besser wäre, wenn über #algorithmen ,Grad der Kommerzialisierung usw. demokratisch entschieden wird, ähnlich ÖRR, denn faktisch ist #SocialMedia ja ÖRR.
Das optimale wäre völlige #Gegenseitigkeit, d.h. was irgendwer einsehen kann, kann jeder einsehen, z.B. nicht nur irgenein Beamter kann sehen was ich mir zusammenschreibe, sondern ich sehe auch was der Beamte so tut. Denn er hat ja nix zu verbergen.

@Hans_Kastell
Ich habe immer noch nicht verstanden, in welchen Fällen umfassende Daten nötig sind.

Völlige Transparenz finde ich sehr schwierig. Warum soll z.B. mein Nachbar wissen, welche Krankheiten ich habe. Meine Ärztin braucht aber diese Daten und vielleicht ein Beamter, weil ich irgendeine Ausgleichszahlung bekomme.

Und schon jetzt kann ich meine Daten oder allgemeine Daten von Behörden anfordern. Das könnte natürlich noch einfacher sein.
@pluvodancisto

@hipdrop
...In juristisch relevanten Fällen müssten...

Im Falle des Nachbarn müsste er nicht, ist aber nicht vermeidbar dass er kann die Daten kriegen...

Mit anderen Worten, es ist gar nicht die Frage, wer was einsehen können sollte, sondern wie demokratisch das allseitige Einsehenkönnen gestaltet wird. Datengeheimnis, #datenschutz ist eine Illusion. Und wenn der Schutz an verschiedenen Stellen nur juristische Aufklärung verhindert ist es gar kontraproduktiv.

@Hans_Kastell
Nach meinem Wissen dürfen in juristisch relevanten Fällen sowieso Daten eingefordert werden.
Aber deswegen müssen doch nicht alle Daten gespeichert werden. Wann und mit wem ich Sex habe, ich liebe, welche Religion ich ausübe, welche Hautfarbe, welche Krankheit ich habe, wann ich zu Hause bin, mit wem ich mich treffe, sind keine Daten, die aus meiner Sicht jeder wissen muss.
Die Speicherung von vielen Daten verhindert Demokratie.
@Hans_Kastell
Und was mit vielen unrelvanten Daten möglich ist konnte man schön beim Spiegelmining sehen: https://dkriesel.com/blog/2016/1229_video_und_folien_meines_33c3-vortrags_spiegelmining
Video und Folien meines 33C3-Vortrags "SpiegelMining"

Video und Folien meines 33C3-Vortrags "SpiegelMining" Dieser Post enthält das Material zu meinem Vortrag „SpiegelMining -- Reverse Engineering von SpiegelOnline“ vom 33. Communication Congress. Aber erstmal vorweg: DANKE für die wieder unglaublich krasse Menge an Feedback! Ist wieder der Hammer. Es tut mir übrigens leid, dass so viele nicht mehr in den Raum gekommen sind <iframe width="700" height="394" src="https://www.youtube.com/embed/-YpwsdRKt8Q?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></if…

D. Kriesel
@hipdrop
,interessant, ja, da war #KI noch gar nicht mitberücksichtigt.
Ich hatte in der Jugend eine Idee, was wäre wenn es #Thelepatie wirklich gäbe. Und diese noch nicht ganz ausformulierte Idee von einer #TelepathischeGesellschaft sehe ich gerade im Sauseschritt der Wirklichkeit näher kommen. Die Frage ist nicht, ob, sondern wie.
Es wird machbar, Alles von Allen zu wissen. Sicher wird es dann auch machbar, bewusst etwas auszublenden oder sperren, ganz nebenbei, so wie man hört oder sieht...
@hipdrop
Das gegenteil von #Demokratie verhindert, Wäre das nicht die buchstäbliche Inkorporierung, die biologisch verwirklichte Demokratie?