2035: die deutsche Automobilindustrie fordert eine Kaufprämie für Verbrenner, da deren Kosten nicht marktfähig sind und fast niemand mehr sie kauft #wettendass

@ulrichkelber

Realistisch? Die Investments in die letzten Verbrennergenerationen sind im Grunde überall längst getätigt und wenn die noch ein paar Jahre länger laufen als geplant, werden die Profite gern mitgenommen, es gibt aber nebenher zunehmende Hybridisierung weil's anders andernorts kaum noch verkaufbar ist und die Profite längst amortisierter Anlagen fließen halt in Batterien und e-Antriebe. Die Investments waren nie höher als gerade eben jetzt, O-Ton Mercedes dazu und Entwicklung von Verbrennern oder Aufbau neuer Produktionslinien für Verbrenner findet eben nimmer statt.

Im Grunde ist das Thema auf Seiten der OEM längst durch, nur setzen Populisten in der Politik eben so schrecklich gern weiter auf Populismus und erzählen den Leuten was die hören wollen, konkret also, dass sich exakt gar nix ändert, während bei den OEM längst umgebaut wird, was das Zeug hält.

@GNUmatic @ulrichkelber sorry, aber so funktioniert komplexe Automotive Fertigung nicht. Bei den Stückzahlen kannst Du Linien nicht beliebig weiter laufen lassen, da die benötigten Werkzeuge irgendwann verbraucht sind. Und dann sollte man sehr genau kalkulieren ob man noch auf Stückzahlen für die neuen Werkzeuge kommt.

@75ohm

Vorab mal: Ich habe so etwa ein halbes Leben lang Zylinderköpfe und dann Kurbelgehäuse hergestellt. Bist Du Dir *wirklich* sicher und falls ja - was macht Dich glauben, jemanden seinen Job erklären zu können? Ist das dein Job? Stellst Du Zylinderköpfe oder Kurbelgehäuse her? 🤔

Spoiler: In den aktuellen AgiPro Linien in Untertürkheim machen in allen Linien alle Maschinen etwa exakt dasselbe, nur sind's inzwischen eben jeweils mehrere CNC-Maschinen, die alle dann *exakt* dasselbe tun und gemeinsam als „Maschine“ arbeiten. Fällt da also (worst case!) mal 'ne schweineteure CNC-Spindel aus, wird die routinemäßig generalüberholt und 'ne neue oder generalüberholte eingebaut, eingerichtet, Teile bearbeitet, vermessen, korrigiert, es gibt irgendwann die Freigabe und die Einzelmaschine wird angewählt und geht wieder regulär in Betrieb. Normaler Industriealltag. Werkzeuge? Reines Verbrauchsmaterial. Rest aber auch.

Die ollen Transferstraßen waren noch heikler, denn da hat eine Transferstraße dann die ganze Linie lahm gelegt. Selbst da gab's aber auch schon CNC-Cluster für einzelne Schritte, wo Einzelmaschinen auch mal ausfallen konnten ohne gleich alles lahm zu legen. Das ging so lange, bis am Ende selbst die PE-Druckluftschläuche derart spröde waren, dass die reihenweise wegplatzten - so auf den letzten Metern nach vielleicht 20 Jahren oder so. Hätte man das gewollt, hätte man auch die einfach mal generalüberholen können, tatsächlich sogar während ohnehin immer eingeplanter Wartungszeiten. Das wäre kaum groß aufgefallen, hätte lediglich nochmal etwas Kleingeld aus der Portokasse für Schläuche und Kram benötigt nebst bissle Personal in der Instandhaltung gebunden. Peanuts, zumal auch dort längst alle CNC-Spindeln mehrfach getauscht wurden, während der teure „Rest“ sicher noch gut für weitere 20 Jahre getaugt hätte.

@ulrichkelber

@GNUmatic @75ohm @ulrichkelber ich könnte mir vorstellen, dass er u.a. Presswerkzeuge meint. Stempel und Matritze plus Niederhalter und den zig Anbauteilen wie Schiebern, Gleitplatten etc. pp. Und wenn er sich mit "Werkzeuge" darauf bezieht, dann hat er absolut Recht, weil solche Tonnenschwere Presswerkzeuge sind auch Sackteuer und sollten schon Bleche in einer ausreichenden Stückzahl über ihre Lifetime abpressen. Wenn nicht , dann wird so eine rollende Heizung ziemlich unrentabel...

@jugger1511

Mja. Aber das sind eher die Fahrzeugwerke. Die haben das Dilemma wiederum auch nicht, weil die ohnehin alle x-Jahre ein neues, moderneres Blechkleid liefern müssen. Bei Getrieben kann's tatsächlich schon sportlicher werden, aber rein die Motorkomponenten? Auch da gibt's Spezialwerkzeuge, aber gemessen an 'ner ganzen Fertigungslinie sind das echt Peanuts - selbst wenn's in wenigen Ausnahmen dann echte Spezialanfertigungen mit mehreren Schneiden sind, also meist sündhaft „teure“ Spezialanfertigungen.

Die müssen ja auch nicht schick aussehen. Die müssen nur funktionieren und teils sieht man's denen dann eben auch irgendwann an, was sie auf dem Buckel haben - so nach zig Mal Schneiden tauschen, kleineren Reparaturen mit ggf. bissle Flickwerk nach Crashs und Kram... Industriell? Werkzeuge für spanende Fertigung? Echt nur Peanuts. Selbst die kurioseren Spezialdinger. Und meist ohnehin wirklich nur 0815 Kram wie Bohrer, Gewindeformer, Fräser und popeliger Kram „von der Stange“. Sind halt am Ende auch nur viele Löcher, teils mit Gewinde drin und allem was eben so nötig ist...

Honmaschinen sind da aber letztlich auch nur Alltagskram wie auch die recht spezielleren Werkzeuge nebst Einpressmaschinen für inzwischen bröckelharte Ventilsitzringe in der Zylinderkopffertigung. Hat nur eben so nicht jeder. Ist da aber einfach Verbrauchsmaterial. Das speziellste sind gerade glaub die Spritzschweißmaschinen für die Zylinderlaufbahnen, aber auch eher so CNC-mäßige Standardware die jederzeit ersetzt bzw. repariert oder planmäßig gewartet werden kann. Hat jetzt glaub nicht mal jeder OEM so rum stehen.

Klar - irgendwann erhöht sich der Wartungsaufwand, aber erfahrungsgemäß sind selbst das dann einfach nur Peanuts gemessen am ursprünglichen Investment und Wartungszeiten sind halt immer auch eingeplant, denn ohne geht's halt nicht. Da können dann nebenher auch Reparaturen durchgeführt werden seitens der Instandhaltung. Wir legen den Kram so oder so regulär lahm. Späne, Dreck, das Übliche eben...

@75ohm @ulrichkelber