Realistisch? Die Investments in die letzten Verbrennergenerationen sind im Grunde überall längst getätigt und wenn die noch ein paar Jahre länger laufen als geplant, werden die Profite gern mitgenommen, es gibt aber nebenher zunehmende Hybridisierung weil's anders andernorts kaum noch verkaufbar ist und die Profite längst amortisierter Anlagen fließen halt in Batterien und e-Antriebe. Die Investments waren nie höher als gerade eben jetzt, O-Ton Mercedes dazu und Entwicklung von Verbrennern oder Aufbau neuer Produktionslinien für Verbrenner findet eben nimmer statt.
Im Grunde ist das Thema auf Seiten der OEM längst durch, nur setzen Populisten in der Politik eben so schrecklich gern weiter auf Populismus und erzählen den Leuten was die hören wollen, konkret also, dass sich exakt gar nix ändert, während bei den OEM längst umgebaut wird, was das Zeug hält.
Vorab mal: Ich habe so etwa ein halbes Leben lang Zylinderköpfe und dann Kurbelgehäuse hergestellt. Bist Du Dir *wirklich* sicher und falls ja - was macht Dich glauben, jemanden seinen Job erklären zu können? Ist das dein Job? Stellst Du Zylinderköpfe oder Kurbelgehäuse her? 🤔
Spoiler: In den aktuellen AgiPro Linien in Untertürkheim machen in allen Linien alle Maschinen etwa exakt dasselbe, nur sind's inzwischen eben jeweils mehrere CNC-Maschinen, die alle dann *exakt* dasselbe tun und gemeinsam als „Maschine“ arbeiten. Fällt da also (worst case!) mal 'ne schweineteure CNC-Spindel aus, wird die routinemäßig generalüberholt und 'ne neue oder generalüberholte eingebaut, eingerichtet, Teile bearbeitet, vermessen, korrigiert, es gibt irgendwann die Freigabe und die Einzelmaschine wird angewählt und geht wieder regulär in Betrieb. Normaler Industriealltag. Werkzeuge? Reines Verbrauchsmaterial. Rest aber auch.
Die ollen Transferstraßen waren noch heikler, denn da hat eine Transferstraße dann die ganze Linie lahm gelegt. Selbst da gab's aber auch schon CNC-Cluster für einzelne Schritte, wo Einzelmaschinen auch mal ausfallen konnten ohne gleich alles lahm zu legen. Das ging so lange, bis am Ende selbst die PE-Druckluftschläuche derart spröde waren, dass die reihenweise wegplatzten - so auf den letzten Metern nach vielleicht 20 Jahren oder so. Hätte man das gewollt, hätte man auch die einfach mal generalüberholen können, tatsächlich sogar während ohnehin immer eingeplanter Wartungszeiten. Das wäre kaum groß aufgefallen, hätte lediglich nochmal etwas Kleingeld aus der Portokasse für Schläuche und Kram benötigt nebst bissle Personal in der Instandhaltung gebunden. Peanuts, zumal auch dort längst alle CNC-Spindeln mehrfach getauscht wurden, während der teure „Rest“ sicher noch gut für weitere 20 Jahre getaugt hätte.
Das wird in Untertürkheim auch zu kuriosen Situationen führen, denn die Linien mit den größten Magazinen sind am flexibelsten und werden sehr wahrscheinlich dann irgendwann „hinten raus“ den Rest abdecken, nur sind's nicht notwendigerweise die jüngsten Linien, die auch am längsten laufen werden. Werkzeuge ohnehin für alle etwa gleich, bzw. eher typbezogen auf's Produkt über alle Linen. Das spielt da also sicher keine Rolle - auch wenn's da Variationen gibt, weil hie und da lokal Kram separat optimiert, aber i.d.R. dann eben bei Verbesserungen übernommen wird in allen Linien. Auch Werkzeugversuche sind da aber überall Alltag.
Andere Entscheidungen sind eher politischer Natur. In Jawor wurde z.B. erst mühsam 'ne Fertigung aufgebaut, aber weil der Betriebsrat in Untertürkheim partout die Jobs halten wollte so lange es geht bekommt nun Jawor den modernen Battreriekram, um in Untertürkheim weiter die Linien auszulasten - obwohl dort gerade erst 'ne Fertigung aufgebaut wurde.
Werkzeuge sind da echt kein Thema. Null. Das mag in kuriosen Einzelfällen so sein, ist aber allgemein eher ein Thema am Rande, bzw. wird dann eben weit mehr angeschaut und entscheidend wird am Ende in Untertürkheim sehr wahrscheinlich die schiere Anzahl der Magazinplätze sein, um flexibel die anfallenden Reststückzahlen mit hoher Typenvielfalt abbilden zu können und die variiert halt stark über die Linien - mit resultierender, eingeschränkter Typenvielfalt.
Wovon ich sicher ausgehe ist eine Abwägung in genau der Richtung, es wird auf Basisdaten geschaut, einzelne Motorenvarianten werden sukzessive eingestampft und dann sterben da über die kommenden Jahre sukzessive die Verbrennerlinien zugunsten von E-Antrieben, Batterien und Kram.
Teils spielen da aber auch Hallenbelegungen 'ne Rolle. Will man z.B. 'ne ganze Halle weg haben, hat man auch bereits bestehende, teils sogar ältere Linien schon verlagert. Da passieren echt kuriose Dinge, die aber alle auch 'ner gewissen Logik und Plänen oder konkreten Zwängen folgen und eben auch betriebspolitischen, die aber eher selten als solche kommuniziert , sondern gern auch mal verbrämt werden. Ist schon bissle lustiger, das auch mal aus BR-Perspektive mitgemacht zu haben - wenn auch nur jeweils vertretungsweise, aber insgesamt eben nahe genug dran an allem, um auch da mal Einblicke gehabt zu haben.
Muss man aber auch nicht alles glauben, was einem da offiziell dann als „Begründung“ geliefert wird. Dass wir z.B. plötzlich keine Logistik mehr konnten und die deshalb fremdvergeben mussten, halte ich z.B. ebenso für ein Gerücht, wie den angeblichen „Platzmangel“ für Antriebswendethemen, denn der aus der Fremdvergabe resultierende Flächenverbrauch für primitivste, sinnfrei Platz fressende Bodenlager war teils derart offensichtlich, dass man schon echt naiv und komplett merkbefreit sein musste, um die Lüge zu schlucken.
Um das einigermaßen zu verstehen, brauchtest Du schon Zusatzinfos. Vordem war z.B. viel davon irgendwo draußen, aber mit steigender Stückzahl und Effizienz wurde eben Platz frei, ergo hat man den dann für Platz fressende Bodenlager genutzt - teils aber auch strategisch. Wo früher so ein Lager war steht heute z.B. der Anfang der ersten eATS-Linie, also elektrischer Antrieb In-House. Das war quasi nur 'ne Art temporärer Platzhalter, bis die Verbrennermontage schließlich raus flog und ersatzlos abgerissen wurde. Und das wird halt sukzessive weiter gehen.