Ich muss jetzt mal eine etwas längere Geschichte über #mieter_innen #vonovia aus #bremen erzählen, weil ich leider selbst betroffen bin.
Wir wohnen in einem Riegel mit knapp 30 Wohnungen von Nummer 9 bis Nummer 17, Baujahr zwischen 1920 und 1930, inzwischen im Eigentum der #novonovia. Dort wohn(t)en über 100 Personen, darunter viele Kinder in großen Familien.
Ich sage wohn(t)en, weil die Vonovia die Menschen seit etwa 2 Wochen massiv zum Auszug drängt:
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Im ganzen Gebäude sind Setzungsrisse aufgetreten. Das kann natürlich passieren. Der Skandal besteht hier aus mehreren Teilen:
Erstens kennt die Vonovia das Problem nachweisbar mindestens seit 2018, hat aber niemals irgendwelche Maßnahmen unternommen, um die Schäden einzudämmen, zu untersuchen oder weitere Schäden zu verhindern. Es wurden lediglich Marker auf Risse gesetzt und gehofft.
(In den 20 Jahren, seit dem wir hier wohnen, wurden fast überhaupt keine Instandhaltung durchgeführt).
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Nachdem die Risse in diesem Jahr größer geworden sind, scheint die Vonovia jetzt darauf zu setzen, alle aus den Häusern zu bekommen, um sich eine Sanierung zu sparen. Dazu sollte mensch wissen, dass unser Wohnblock in einem Stadtteil mit den höchsten Grundstückspreisen der Stadt steht, die Mieten in unserem Haus wegen des alten Gebäudes und vieler alter Mietverträge eher sehr niedrig.
Hier wohnen (noch) viele große Familien in den Wohnungen, die kaum was ähnliches finden werden.
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Dabei geht die Vonovia teilweise fast überfallartig vor: In den am meisten betroffenen Gebäuden mit den Nummern 9 und 11 standen unangekündigt Personen des Vermieters vor der Tür und haben den Bewohner:innen gesagt, sie müssten quasi sofort die Wohnungen verlassen. Wer sich nicht auf das Angebot einer Ersatzwohnung eingelassen hat, bekommt zunächst ein Hotel finanziert. Wie es mit Wohnraum für diese Personen weitergeht, ist noch nicht absehbar.
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Die Bewohner:innen der weiteren Häuser (wir wohnen in der 13, direkt neben den jetzt leeren Häusern) bekamen eine Einladung für ein "Umsetzungsgespräch". In unserem Haus haben wir dieses abgelehnt und ein gemeinsames Gespräch geführt: Die teilnehmenden Vonovia-Mitarbeiter:innen hatten jedoch keine Vorschläge dabei. Es wurde jedoch klar, dass der Vonovia die Sanierung oder auch nur Erhaltung unserer Wohnungen schlicht zu teuer ist.
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Wir sind uns jedoch einig, dass wir hier wohnen bleiben wollen. Wir erwarten, dass einer der größten Wohnungskonzerne seiner Pflicht zur Erhaltung unseres Wohnraums nachkommt. Da wir dass kaum alleine oder nur auf juristischem Wege hinbekommen werden, ist uns klar. Wir haben deshalb erste Pressekontakte aktiviert und hoffen auch auf politische Unterstützung durch die Bremer Linke. Da wir aber jede Hilfe gebrauchen können, liebes #fediverse - boostet und trötet für uns! #fedihelp
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Heute gibt es einen sehr prominent platzierten und sehr wohlwollenden Artikel im WK dazu (leider paywall): https://www.weser-kurier.de/bremen/vonovia-mieter-in-bremen-wir-werden-vor-die-eigene-tuer-gesetzt-doc82tw27szs3m1mtf2ki1x

Es fehlt nur die Einordnung, dass die #vonovia schon eine Heizung eingebaut hat, dass diese aber a) nichts mit dem Erhalt der Gebäudestruktur zu tun hat und b) keine Modernisierung war (wie in mehreren Gerichtsvefahren geklärt), sondern nur existierende, gut funktionierende Thermen ersetzt hat und eine Verdopplung der Heizkosten zur Folge hatte
#bremen #novonovia

Vonovia-Mieter in Bremen: "Wir werden vor die eigene Tür gesetzt"

An der Fassade des Wohnkomplexes Schubertstraße 9–19 zeigen sich Risse. Vonovia legt den Mietern nahe, auszuziehen. Viele wollen das aber nicht und machen dem Unternehmen schwere Vorwürfe. Vonovia wehrt sich.

weser-kurier-de
@flns die Linke in eurem Stadtteil ansprechen.
@bookstardust Ja, haben wir und treffen uns in Kürze mit der Bürgerschaftsfraktion und dem Beirat (Ortsparlament in Bremen})
@flns Das tut mir total leid für euch. Wisst ihr was über die technischen Hintergründe? Ist es rentabel möglich, die Häuser sicher instand zu setzen?
@FrauZeitlos
Ursache ist wahrscheinlich ein Absacken des Untergrundes durch Austrocknung (Torflinse) - ob dies durch generelle Trockenheit oder durch die Bauarbeiten gegenüber vor einigen Jahren ausgelöst wurde: 🤷‍♂️
Eine Sanierung ist ziemlich sicher möglich und die #novonovia könnte es sich natürlich auch leisten - das sieht der Konzern aber anscheinend anders.
@flns Das booste ich gerne und drücke euch ganz furchtbar die Daumen. Dass man denen nicht das Handwerk legen kann, von der Vonovia hört man nur solche Horrorstories. 🥴
Es gibt zu dem Thema inzwischen auch einen Beitrag von buten und binnen aus #bremen https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/wohnung-mieter-bremen-schwachhausen-aerger-vonovia-100.html, der am 22.10. gesendet wurde.
Bremen: Warum diese Mieter Angst um ihre Wohnungen haben

Risse in den Wänden sorgen bei Mietern in Schwachhausen für Sorgen. Sie fürchten, dass sie bald aus ihren Wohnungen in der Schubertstraße müssen – und nicht mehr zurückkehren können.

buten un binnen
@flns Beweisstück 1357 oder Warum ich niemals in eine Wohnung der Vonovia ziehen werde. #vonoviaenteignen

@seufz das problem wie meistens an "ich niemals in eine Wohnung der vonovia ziehen werde" - die Menschen wohnen dort in relativ günstigen Wohnungen die dann bin der vonovia aufgekauft werden... Dann noch was ähnlich günstiges zu finden ist meist utopisch!
Bei meiner Oma ähnlich, sie hat noch einen Mietvertrag des ehem. AG ihres Mannes - von 1960, wurde verkauft, zuletzt an vonovia

@flns

@Ramonsta72 @seufz @flns ja, so kamen wir auch zu denen. Eingezogen sind wir damals eine kommunale Wohnung. Nach mehreren Verkäufen ist unsere Vermieterin jetzt die vonovia. Umziehen kam nie in Frage, eine vergleichbare Wohnung in ähnlich guter Lage ist mittlerweile in Dresden unbezahlbar.

@flns Was Du beschreibst, scheint vollkommen typisches Vonovia-Verhalten zu sein - und das anderer Hedge-Fonds, die Wohnungen handeln.

Sabine Nuss beschreibt hier bei Tilo Jung sehr gut, was die tun und weshalb: https://www.youtube.com/live/_NqOn2BCVOM?si=Xz7xoIGTH7oRKIG3

Vonovia und andere als "Wohnungskonzerne" zu bezeichnen, trifft schon die Sache nicht. Bei denen geht es nicht darum, Menschen Wohnraum zu bieten und dafür gerecht vergütet zu werden, sondern deren Geschäftsmodell ist es Kapital zu vermehren und Wohnungen sind das Handelsgut, welches sie dazu nutzen. Instandhaltung mindert dabei den Profit, weshalb die das nicht machen. Das ist ein so klar gessellschaftsschädliches Verhalten, dass "parasitär" dafür fast noch ein zu milder Begriff ist.

Berlin macht gerade vor, was geschehen sollte, nämlich dieses Geschäftsmodell durch Vergesellschaftung zu beenden.

Ich hoffe, dass Ihr irgendwie mit einem blauen Auge aus der Misere herauskommt. Allerdings sind hier die Machtverhältnisse und die rechtlichen Regeln so grotesk verzerrt, dass Ihr wahrscheinlich am Ende nur hoffen könnt, dass der Schaden für Euch irgendwie verkraftbar bleibt.

Sabine Nuss über Vergesellschaftung und Privateigentum - Jung & Naiv: Folge 782

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@flns Ich finde sie sollten die volle Härte des Art. 15 GG und des Wohnraumschutzgesetzes erfahren.