Tales from the Oranienplatz Protest Camp.

Es begab sich mal wieder, dass sich eine Gruppe von Activistys daran erinnerten: "Da war doch mal was" und außerdem: "We will come united". Oh dachte sich einer unserer Refugee Freunde, der von 2012 bis 2014 dort im Camp auf dem #Oranienplatz lebte,

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#Kreuzberg #Berlin #wellcomeunited

da schau ich mal vorbei. Zu seinem Erstaunen prankte ihm dann überall auf Fotos sein mehr als 10 Jahre jüngeres Ich entgegen. Nunja, der Herr war damals schon gerne vorne mit dabei und auch wir erkannten auf den Fotos der Fotos viele Menschen, die auch heute noch zu unserem Leben und Wirken

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gehören. Nunja, da stand er nun und wunderte sich, warum all das über ihn so ganz ohne ihn stattfindet. Aber es kam Hilfe in Form eines ihm unbekannten iranischen Flüchtlings, der sich bereiterklärte ihm über das #Oplatz- Protestcamp zu erzählen. Etwa eine Stunde lang lauschte unser Freund den

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Erzählungen. "Und hat er alles richtig erzählt?" fragte ich. "Nein, vieles falsch" sagte unser Freund. "Und dann?" fragte ich. "Dann hab ich ihm die Fotos gezeigt und gesagt: Das bin ich". Danach mischte sich dann eine weiße Supporterin ein, die wissen wollte, wie er es fände, dass überall

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Fotos mit ihm drauf wären. "Schlecht!" sagte er. Daraufhin verschwand die Frau mit einem Schulterzucken. Sie hatte sich wohl Applaus erhofft.

Was unseren Freund richtig wütend gemacht hat: Das Oranienplatz Protest Camp bestand zu 99% aus Schwarzen Refugees, an dem Tag, an dem er das

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Remember O-Platz-Camp besuchte, war er der einzige Schwarze dort. So wird Schwarze Geschichte überschrieben und mit anderen Protagonist*innen besetzt.

Was ihn auch sehr geärgert hat ist, dass mit Fotos von ihm Geld verdient wird. Er hat wortwörtlich gesagt: "Die verdienen Geld mit mir".

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Hier zeigt sich auch ein Dilemma, in dem wir immer stecken: Unsere Refugees sind zu O-Platz Zeiten und auch danach ständig abfotografiert worden und haben uns genau deshalb gebeten, keine Fotos von ihnen zu posten. Trotzdem werben immer wieder andere Initiativen und Vereine mit Fotos von

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unseren Leuten. Sie werden eingeladen auf Veranstaltungen, Sommerfeste, Weihnachtsfeiern, politische Veranstaltungen. Dann tauchen die Fotos im Zusammenhang mit Spendenkampagnen auf. Immer wieder. Das ist ungerecht für die Refugees, die gegen ihren Willen zu Werbefiguren werden, das ist auch

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ungerecht für uns. Seit 2016 leisten wir intensive Supportarbeit für ehemalige O-Platz-Refugees, viele hätten ohne uns keinen legalen Aufenthaltstitel bekommen.

Geld und Fame kassieren aber andere.

An dieser Stelle für uns aber am wichtigsten: Viele der ehem. O-Platz-Refugees wollen heute

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nicht mehr als solche identifiziert werden. Die wollen ein ganz normales Leben führen. Es ist schade, dass die Fotos von damals von immer neuen Activistys benutzt werden, ohne dass die, die darauf abgebildet sind, gefragt werden, ob sie damit einverstanden sind.

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