Enver Şimşek wurde in der Türkei geboren. Schon als Jugendlicher verliebte er sich in Adile, die er sehr jung heiratete. Doch während Adile mit ihrem Vater und ihren Brüdern nach Deutschland ging, musste Enver Şimşek den türkischen Militärdienst ableisten. Anfang der 1980er Jahre konnte er endlich selbst nach Deutschland reisen; 1986 wurde seine Tochter, 1987 sein Sohn im hessischen Friedberg geboren. [1/5]
Enver Şimşek arbeitete hart, um seiner Familie eine Existenz aufzubauen: Er gründete einen erfolgreichen Blumengroßhandel und betrieb zusätzlich mehrere mobile Blumenstände und einen Blumenladen in Schlüchtern (Hessen). Im Frühjahr 2000 beschloss er, dass er künftig wieder mehr Zeit für seine Familie haben wolle. Er entschloss sich, seinen Betrieb im folgenden Winter zu verkaufen, und hatte bereits einen Nachfolger gefunden. [2/5]
Langfristig wollte er in die Türkei zurückkehren und dort in seinem eigenen Haus leben. Am 9.9.2000 vertrat Enver Şimşek einen Mitarbeiter an einem Blumenstand in Nürnberg. Gegen 15 Uhr informierte ein Kunde die Polizei, dass der Blumenstand verwaist sei. 2 Beamte fanden Enver Şimşek anschließend in seinem Lieferwagen. Er war um ca. 12.45 Uhr durch den NSU mit 8 Schüssen so schwer verletzt worden, dass er 2 Tage später in einem Nürnberger Krankenhaus starb. Er war das 1. Opfer des NSU. [3/5]
Die Polizei ermittelte wegen organisierter Kriminalität und Drogenhandel gegen die Familie Şimşek. Die Kriminalisierung ging sehr weit: Angehörige wurden abgehört, die Polizei behauptete sogar, Enver Şimşek habe parallel eine 2.Familie gehabt. Die Behörden hielten diese Ermittlungsrichtung auch dann noch für wahrscheinlich, als im Laufe der Jahre 8 weitere Männer mit derselben Tatwaffe ermordet wurden, die sich nicht kannten und deren einzige Gemeinsamkeit war, dass sie Migranten waren. [4/5]