@schike Kapitalismus ist am Ende, jetzt kommt der Cyberpunk-Konzernfeudalismus als Ablösung. Konzerne sichern sich Monopole und Oligopole auf Technologien und Branchen und bewirtschaften diese mit ihren Konzernleibeigenen (also mit uns Nicht-Reichen). Aktionäre und leitende Angestellte werden der neue Hochadel. Jedenfalls versuchen sie es so, aber das Industriezeitalter mit seiner High-Tech-Massenproduktion wird uns allen unter den Füßen wegbröckeln, und die Überlebenden* werden in ein dunkes Zeitalter stürzen, wo das schnellste Verkehrsmittel wieder das Reitpferd sein wird und die großräumige Organisation der Gesellschaft dementsprechend dünn. Wir werden vor dem Totalabsturz noch einiges an bizarrer Technologie sehen und natürlich auch mehr und mehr Experimente an Menschen, wenn Menschenleben keinen Pfifferling mehr wert sind, elektronische Hirnimplantate und all so'n Scheiß, aber das wird schnell enden aus Mangel an Ressourcen.
*(Ich rechne angesichts des desolaten Zustand der Biosphäre nicht mit mehr als vier bis fünf Milliarden Menschen am Ende dieses Jahrhunderts, wenn alles unglaublich gut läuft und es eine ökosozialistische Weltrevolution gibt. Kann auch gut sein, daß es nur ein oder zwei sind. In 300 oder 400 Jahren wird sich die Weltbevölkerung vermutlich auf einem sehr niedrigen Niveau stabilisiert haben, vermutlich weniger als eine halbe Milliarde, möglicherweise auch nur wenige Millionen, je nachdem, wie tragfähig die Biosphäre dann noch für große allesfressende Landwirbeltiere wie uns ist.)
All die Scheiße, die wir heute sehen, entwickelt sich beinahe zwangsläufig aus der Trägheit des zivilisatorischen Gesamtsystems, aus den sich in der Polykrisis ineinander verkeilenden konservativen Beharrungskräften in Wirtschaft, Technologie und Kultur, in der Reihenfolge. Wir sind vor Jahrzehnten mit den globalen ökologischen Wachstumsgrenzen kollidiert und befinden uns knietief im Overshoot, und jetzt kommen wir rapide an den Punkt, wo der Kaiser einfach nur noch nackt vor uns steht, wo alle sehen könnten, daß es nie wieder Wachstum geben wird und Schrumpfung unvermeidlich ist, wenn sie es denn sehen wollten. Der Glaube an das ewige Weltwirtschaftswachstum und den unaufhaltsamen technologischen Fortschritt sitzt aber so tief in vielen Köpfen, für die der Kapitalismus längst zu einer Religion geworden ist, daß sie sich weigern, das unausweichliche Ende dieses Wirtschaftssystems zu akzeptieren; lieber träumen sie von endlos nachwachsenden grünen Ressourcen, als betrieben wir nicht längst unnachhaltigen Raubbau an praktisch allen nachwachsenden Ressourcen, weil die Weltwirtschaft mehr benötigt als nachwächst. Lieber träumen wir von Asteroidenbergbau und Industriegebieten auf dem Mond, als zu akzeptieren, daß das Industriezeitalter langsam abstirbt, und daß die verbliebenen Ressourcen und die verbliebene Zeit nicht einmal mehr ansatzweise reichen, um irgendeine ernsthafte Industrie außerhalb der irdischen Biosphäre aufzubauen.
Rein hypothetisch könnte eine ökosozialistische Weltrevolution am nächsten Donnerstag den Absturz der industrialisierten Zivilisation noch sehr stark bremsen und in einen langsamen Niedergang umsteuern, aber das wird nicht passieren. Momentan rollt überall auf dem Planeten die Präventivkonterrevolution in Form verschiedenster Faschismen und sonstiger reaktionärer Nationalismen, aber auch in Form radikalreligiöser Gotteskriegerarmeen, die sich diverser Staaten bemächtigen, wie sie das etwa vor Jahrzehnten im Iran getan haben und später in Afghanistan. In Modis Indien sind die Hindu-Fundis auf dem Vormarsch, im Westen die diversen christlichen Fundis, in Afrika in unterschiedlichen Regionen christliche und muslimische Gotteskrieger mit noch ein paar Polytheisten hier oder dort; in Asien findet man auch buddhistische Faschisten. Und je mehr der allgemeine zivilisatorische Niedergang fortschreitet, je mehr Fahrt der Kollaps aufnimmt, desto radikaler und militanter werden diverse Endzeitsekten aller Art abgehen.
Unternehmen sind etwas, das auf diesem Planeten einfach nicht mehr lange existieren kann. Unsere gesamte Zivilisation kann nicht mehr lange existieren und wird enden. Entweder, wir bauen sofort eine radikal andere neue mit einer radikal anderen Kultur, mit dem Bewußtsein, Teil der Ökologie zu sein, als großer Allesfresser seine ökologische Rolle in der Landschaft zu spielen wie alle anderen Tiere auch (also eine Mentalität zu pflegen, wie man sie bei Naturvölkern findet), oder wir stürzen total ab, und die Überlebenden müssen dann, bevor sie zu neuen Naturvölkern geworden sind, erst einmal für Jahrtausende irgendwie herumkrebsen.
Für die nächsten zigtausend Jahre wird die Gattung Homo auf jeden Fall nur sehr kleine Brötchen backen, wenn sie es schafft, dem Aussterben zu entgehen. Die Biosphäre wird uns solche Extravaganzen wie in den letzten acht Jahrtausenden so schnell nicht wieder ermöglichen. Keine Hochtechnologie.
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