Mykhorriza - Pilze die in Symbiose mit den Baumwurzeln leben.
Meine Problemeiche, die nach 2.5 Jahren immer noch nicht richtig angewachsen ist, hat gestern eine Behandlung damit bekommen. Wir werden sehen, ob das was bringt.
Mykhorriza - Pilze die in Symbiose mit den Baumwurzeln leben.
Meine Problemeiche, die nach 2.5 Jahren immer noch nicht richtig angewachsen ist, hat gestern eine Behandlung damit bekommen. Wir werden sehen, ob das was bringt.
Dass Bäume und Pilze in Symbiose leben, ist kein Vodoo. Und wenn der eine Partner fehlt, wird der andere nicht gedeihen.
Meine Frage wäre bloß, ob der Pilz sich schnell genug dort ansiedelt?
Meine praktische Erfahrung: Wir haben zwei riesige Eichen auf einem Grundstück. In deren Kronen- und Wurzelbereich gedeihen Sämlinge prächtig. Anderswo (!) dagegen treiben sie zwar aus, bekommen zwei-drei Blätter und verkümmern dann. Theorie: Es fehlt der Co-Pilz.
Ja, das muss ich mal probieren!
Yes, mit lokalem Bodentransplantat impfen halte ich für das vielversprechendste!
Das 'Bodenleben'TM gibt mir hochpreisiger organischer Schnelldünger-vibes. Das würde die Effekte in den Studien auch erklären... (bin da immer etwas überskeptisch, sorry)
Die sagen auch nicht wirklich was drin ist. Und "aminosäuren" ist halt bissi unklar... das bedeutet entweder dass sie es das Rezept geheimhalten wollen oder dass die ihren Fermentationsprozess nicht ganz im Griff haben und da halt immer unterschiedliche Zusammensetzung raus kommt.
Dass an manchen Standorten (wie der ex-Mistkiepe vom @hof auf der jetzt die Eiche wachsen soll) wenig bzw nicht die passenden mykorrhiza im Boden schlummern, kann durchaus passieren.
Das Verständnis über Mykorrhiza und Durchbrüche bei der Inokulation haben zB den kommerziellen Pinus-Anbau im Globalen Süden erst möglich gemacht. Davor sind die die Setzlinge aus den Baumschulen häufig nichts geworden. Die Exoten-Monokulturplantagen haben wir also auch der Mykorrhizaforschung zu verdanken, yay! 😵
Mykorrhizaforschung ist natürlich trotzdem toll und wichtig, wollte das nur als Beispiel nehmen, warum beim Anbau von Pflanzen mit Verpflanzungsschritt Mykorrhiza (und andere inokula) durchaus was bringen können.
Sollten allerdings die richtigen sein. Mykorrhiza sind zwar generell weniger spezifisch als zB rhizobien (die bei Leguminosen die Stickstoffixierung erledigen), aber es kommt auf die Spezies an.
---- Achtung, nächstes Nerdlevel! ----
Bei den Mykorrhiza gibts die evolutionsmässig uralten arbuskulären Mykorrhiza (die in den Wurzel in die Zellen eindringen um den Nährstoffaustausch zu organisieren), von denen es nur ein paar hundert Spezies gibt und die deshalb ziemlich versatil sind. Arbuskuläre Mykorrhiza sind hauptsächlich an den typischen Gärtnereipflanzen (ausnahme: Kreuzblütler, Lupine, Gänsefussgewächse und ein paar mehr). Die Ectomycorrhiza haben sich parallell aus verschiedenen Pilzparasiten rausentwickelt, die bemerkt haben dass sie viel mehr zu Kohlenstoff vom Baum bekommen wenn sie ihm was zurückgeben. (Die meisten Bäume haben eher Ectomycorrhiza, allerdings gibt es auch viele die mit sowohl mit arbuskulären als auch mit Ectomykorrhiza eine Symbiose eingehen.)
So, das ist deshalb interessant, weil die Ectomykorrhiza etwas spezifischer sind (sind ja erst später evolutioniert, als die Pflanzen schon diversifizierter waren) und da gibt es mehrere tausend Spezies.
-> Deshalb kann es durchaus sein, dass deine Eiche gerade nicht die passenden Myks findet. So.
(auch wenn ich inokulationen extrem kritisch gegenüberstehe weil da oft mit relative schwacher Evidenz irgendwelche Produkte verkauft werden, die halt mal im Labor/Gewächshaus ein paar prozent mehr irgendwas gesteigert haben. Und natürlich hilft die Ideologisch "Wir wissenschaftlys rühren in der Ökologie rum, von der wir zwar eigentlich kaum verstehen wie sie funtkioniert, aber solange ein Vermarktungsfähiges Produkt dabei rauskommt, ist ja alles super").
Aber wie gesagt, kann trotzdem funktionieren, unter gewissen Bedingungen.
#Mykorrhiza #AMF #ArbuscularMycorrhiza #Endomykorrhiza #Ektomykorrhiza #Bodenleben #Bodenbiologie #Bodenmikrobiologie #IndigenousMicroorganisms #EffectiveMicroorganisms #Inokulation #RegenerativeLandwirtschaft
@earthworm Oh, wow, den Teil mit arbuskular und ekto kannte ich noch nicht. Aber wie funktioniert das dann mit den arbuskularen and den Gärtnereipflanzen? Werden die nicht quasi steril vorgezogen? Sind da Sporen schon am Saatgut vorhanden?
@levampyre @hof @CGdoppelpunkt
Es sind nur ein paar Orchideen obligate Symbionten (bei der Welt kenn ich mich weniger aus, aber da gibts natürlich die ganz krassen Sachen).
Die normalen Pflanzen wachsen halt nur schlechter wenn sie keine frühe Mykorrhizierung bekommen . Aber nix, wo nicht mit ner intensiven Saatbettbearbeitung, gezielten Starterdüngung, Bewässerung, und regelmässiger Bodendesinfektion etc. nicht doch hohe Erträge erzielt werden können (du siehst wahrscheinlich worauf ich hinauswill...).
Aber wenn sie dann verpflanzt werden, hängt halt doch eigentlich immer irgendwo ne Mykorrhiza-Spore rum (ein bis mehrere hundert pro gramm) und erbarmt sich der Jungplfanze.
Aber deshalb macht es halt auch Sinn, das mit der sterilen Aufzucht auf den Prüfstand zu stellen.
Ja, da passieren weniger unvorhergesehene Sachen, aber das hat natürlich dann Auswirkungen darauf, wie das System dann später geführt werden muss.
Aber da kommen wir zum nächsten Problem: der Zucht.
Wenn nämlich seit Jahrzehnten die Selektion unter besonder hoher mineral-Nährstoffkonzentration (bei der Pflanzen weniger Mykorrhizasymbiosen ausbilden weil sie es weniger "brauchen") stattfindet, dann züchten wir uns da natürlich sozusagen die Mykorrhiza-skills aus den Linien raus.
Und zufälligerweise sind dann die Sorten auf Mineraldünger getrimmt und weniger flexibel, über diverse mikrobiologische Prozesse an die Nährstoffe dranzukommen.
Ist also ne langfristigere Sache und wir müssten auch an die Züchtung dran (genauso wie vielleicht eine grössere Resistenz gegenüber Trockenstress bzw Wasserstau auch bei den Züchtungsbedingungen dabei sein sollte. Ausser natürlich wir nehmen Ertragshöhe als die einzige Zielgrösse, und die Aufgabe, die optimalen Bedingungen dafür zu schaffen überlassen wir BASF&Bayer).
@levampyre @hof @CGdoppelpunkt
lol, vielleicht sollte ich mal nen dedicated thread zu mykorrhiza machen...
- Ist Mastodon wirklich der Ort dafür (Praktiker:innendichte aus der Landwirtschaft ist eher überschaubar niedrig, sichtbarkeit auch und wiederauffindbarkeit schonmal gleich grade)
- sollte das lieber auf Deutsch sein oder ginge auch Englisch?
- Wären Quellenangaben (obwohl das eh meistens irgendwelche Englischen Artikel in Wissenschaftsjournals sind) hilfreich/nötig? (=mehr Arbeit & in Mastodon unübersichtlicher, aber halt rigoroser)
- bin ich zu flapsig in der Sprache und nimmt das Seriösität ? (ich schreib' halt grade wie ich spreche)
- Ist das überhaupt eine gute Idee oder soll ich meine Zeit lieber anders verwenden? (Rechtsruck & Genozidsupport sind ja auch wichtige Themen....)

@levampyre @earthworm @kris @hof
Warum nicht hier?
Mastodon/Fediverse verträgt hochwertige Inhalte.
@earthworm wenn es dir reicht, nicht auffindbar für ein paar Nerds zu schreiben, dann freue ich mich und lese mit.
Ansonsten wäre eine Verlinkung irgendwohin (redit, Gastbeitrag auf einem Blog,...) auch echt nice
@kathol @earthworm Wäre auch happy, es in einem Blog zu lesen, Deutsch oder Englisch ist mir wumpe. Wobei es auf Englisch vermutlich schon genug zum Thema gibt und eine gute deutsche Quelle zu sein, vielleicht eine Bereicherung wäre.
Deine Mischung aus aus Fachterminologie (wo nötig) und Einbettung in legere Phraseologie (wo möglich) ist sehr angenehm zu lesen.
Wenn du ein Buch zu diesem Thema schreibst, werde ich es kaufen.
Danke!
Tolle Antwort! Volle Packung Hintergrund zu Baum-und-Pilz-Gemeinschaften.
Auf diesem Niveau sollte Social Media und überhaupt jede gesellschaftliche Debatte verlaufen!