eine Frage in die Kletter-Bubble: wie geht ihr damit um, wenn ihr bei fremden Kletterern potentiell gefährliches Verhalten seht? Sprecht ihr das an? Ignoriert ihr das kopfschüttelnd?

Oder wie geht ihr selber damit um, wenn ihr einen ungebetenen Hinweis bekommt - nervt euch das? Findet ihr das übergriffig?

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@Reinald Klettern kann ich nicht mit dienen, aber bei Tauchern und Bogenschützen: ansprechen, auf jeden Fall.
@Reinald Ich denke, dass sowas nicht nur eine Frage in der Kletterbubble ist, sondern überall im Leben: Wie geht man mit Leuten um, die etwas Dummes machen und wie weißt man sie höflich, aber bestimmt darauf hin?
@die_christine Du hast Recht, potentiell geht es natürlich immer um Verhalten, das sich für andere zu einem tödlichen Risiko entwickeln kann. Mir ist das am Samstag beim Klettern begegnet, und ich merke wie mich das weiter beschäftigt.
@Reinald Wobei das ja beim Klettern als potentiell tödliches Rsiko noch etwas anderes ist, als wenn im Fitti einer die Hantel falsch hält.

@die_christine daher die Frage - wenn sich jemand nur selber gefährdet, ist mir das i..d.R. ziemlich egal. Wenn es um Dritte geht, wird es (für mich) schwierig mich zu entscheiden - nehme ich es in Kauf, als Nervensäge wahrgenommen zu werden? Ist das mehr mein Ego, oder geht es wirklich um den Schutz Dritter?

Das etwas potentiell gefährlich ist, bedeutet ja oft genug, das es dennoch gut geht und nix passiert.

@Reinald Ich finde es unendlich schwer, in so einem Fall den passenden Tonfall zu finden. Insbesondere, weil ich dann auch noch Imposter habe und denke, dass ich ja sowieso keine echte Expertise habe.
@Reinald Hi Reinald! Ich versuche das ungefähr so zu handhaben, wie hier beschrieben: https://www.alpenverein.de/files/faltblatt_sprich-fehler-an_risikokultur-kletterhallen.pdf
@ChristofBayer danke. Das war überraschend gut gemacht und hilfreich. Und das solches Material existiert, freut mich sehr!
@Reinald Unbedingt ansprechen, auch wenn es schwierig sein kann den richtigen Ton zu treffen. Versuche möglichst freundlich und nicht allzu belehrend zu sein.
Aber gerade die erfahreneren oder starken Kletterer sind da leider häufig ziemlich uneinsichtig. Anfänger sind dagegen oft sogar sehr dankbar für Feedback...

@Reinald
Falls ich etwas falsch mache bin ich über jeden Hinweis froh.
Hinweise würde ich annehmen, darüber nachdenken und entscheiden wie ich damit umgehe.

Generell kommt es wie immer beim Feedback geben auf den Ton an.
Wenn es in der Halle ist kannst du auch immer zum Hallen Personal gehen und es dort mitteilen.
Mache ich von meiner Einschätzung abhängig, ob jemand mit sich reden lassen würde.
Meine Motto ist dabei lieber etwas sagen als sich nachher Vorwürfe machen.

Das früher verlinkte PDF vom DAV ist auch eine gute Richtlinie.
Generell gibt es auf der DAV Seite viele gute Informationen rund ums Klettern.

@Reinald Mir fehlt einfach die Empathie dafür, dass ein Mensch lieber nicht als Nervensäge wahrgenommen werden will und dafür lieber jemanden absehbar + vermeidbar sterben sehen will 🤷‍♂️

Klingt dramatisierend, aber genau dazwischen wählt man schlussendlich, wenn man etwas potentiell ernsthaft Gefährliches beim Klettern bemerkt.

Und die Empathie fehlt mir ganz besonders, weil meistens den Personen die Gefahr gar nicht bewusst ist – selbst wenn sie es eigentlich wissen, "träumt" jeder mal kurz. Ich freue ich mich dann über jeden Hinweis, ich finde die mitmenschliche Geste gut und mag mein Leben! 🙂 Ich spreche nur nicht an, wenn Leute sichtbar bewußt im Kontinuum von Sicherheit und Risiko einen Punkt weiter im Risiko-Bereich wählen als ich – im Extrem machen das etwa Ueli Steck, Baumgartner usw. bei ihrer Jagd nach Rekorden und es ist kein Zufall, dass davon viel mehr recht jung sterben als im Bevölkerungsschnitt.

Je nach Situation gehe ich unterschiedlich vor; das DAV-Faltblatt konkretistiert gut meine diffusen gefühlsgelenkten Überlegungen 👍 Seine Formulierungshilfen richten sich an Hallenpersonal, ich bin meist nur Gast am Fels.

@GeorgB easy, so dramatisch wie Du es vielleicht vermutest, war die Situation nicht. Sie hat mir gereicht, um die Frage bei mir aufzuwerfen, aber sie war wirklich nicht akut lebensbedrohlich.

@Reinald Der erste Absatz war durch deine Formulierung "potentiell gefährliches Verhalten" getriggert, aber nicht nur spezifisch auf Deine eine Situation gemünzt, sondern ganz allgemein – so ein Abwägen bekomme ich "da draußen" immer wieder mit und kann nicht nachvollziehen, was es bei gefährlichen Situationen überhaupt abzuwägen gibt. Wenn ein Satz sagen reichen könnte, ein Menschenleben zu retten oder jemanden vor vielen Brüchen oder Querschnittslähmig zu bewahren, sollte die Handlung IMHO klar sein.

Wenn die Situation nicht gefährlich ist, sondern bspw. nur ein mäßiger Sonnenbrand folgen wird – ganz andere Baustelle.

@Reinald Mir fällt wie @die_christine Tonfall + Formulierung jedes Mal schwer, meine Tendenzen: Sehe ich Leute mit zurückgerufenem Klettersteigset mitten in der Route, können sie/wir akut nichts an der Gefahr ändern, daher versuche ich primär Panik zu vermeiden und von unnötiger Risikobereitschaft abzubringen, sage etwa, ein paar Modelle mit ähnlichem Konstruktionsprinzip seien zurückgerufen, nach der Tour sollten sie mal schauen ob ihr konkrtes Modell auch betroffen ist, und beim Rest der Tour Spierenzchen besser meiden und einen möglichst frühen Ausstieg wählen. Gefährdet jemand andere akut, greife ich im Zweifel auch physisch ein, etwa wenn jemand das Sicherungsgerät falschrum hat so dass es keine Bremswirkung entfaltet, benenne ich die Gefahr während ich das Bremsseil unterhalb der Bremshand bei mir in die Sicherung nehme und als Backup fungiere. Bei allem dazwischen formuliere ich meistens als Frage (reduziert Wahrscheinlichkeit als belehrend rüber zu kommen), etwa "ist euch bewusst, dass ihr keine Redundanz habt?" oder "du stehst rund 4m weit weg, hast du schonmal bei einem Sturztraining erlebt, mit welcher Wucht du an die Wand gezogen wirst, wenn dein Partner stürzt?" – die Antwort lässt meistens sofort erkennen, ob jemand ziemlich genau weiß was er/sie tut (dann gehe ich weiter weg weil ich den Unfall nicht miterleben will) oder nicht (dann ist fast immer ein sachliches Gespräch möglich und oft in positiver Atompshäre). Gelegentlich kann ich mich nicht beherrschen, etwa wenn jemand sein Kind oder einen völligen Laien mit dünner Bandschlinge um die Taille als "Gurt" losschickt UND nach freundlicher fragender Ansprache völlig uneinsichtig ist, dann sage ich der gefährdeten Person ganz unverblümt, dass sie in Lebensgefahr schwebt und das dem "Partner" offensichtlich scheißegal ist, frage, ob sie wirklich weiter machen will oder lieber abbrechen und sich in einem Kurs die Kenntnis aneigenen will um es selbst einschätzen zu können. Ja, danach gab es schon Knartsch, aber der ist mir viel lieber als dass jemand stirbt ohne überhaupt von der Gefahr zu wissen.