Kampfansage von Reiche jetzt auch an die Erneuerbaren: “Völlig überzogen” nennt sie jetzt den erfolgreichen Ausbau der Erneuerbaren Energien beim BDI und kündigt an: Solar, Wind & Co. müssen unattraktiver werden!

Damit widerspricht sie klar dem Koalitionsvertrag.

Schaut selbst:

Im Koalitionsvertrag hatten sich Union und SPD noch darauf geeinigt, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien gezielt vorangetrieben werden soll.

Bislang hieß es lediglich technisch-harmlos, man wolle überprüfen wie viel Strom insgesamt wir künftig benötigen.

Mit dem gezielten Ausbremsen der Erneuerbaren, stellen sich Reiche und die Union auch einmal mehr gegen Europarecht.

Denn durch die EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie ist Deutschland verpflichtet, bis 2030 einen Anteil von mindestens 41 % Erneuerbarer Energien am Gesamtenergiebedarf zu erreichen.

Heute beträgt der Anteil der Erneuerbaren am Gesamtenergiebedarf aber erst 23%. Damit ist klar: Wir brauchen mehr, nicht weniger Erneuerbare. Schneller, nicht langsamer.

Auch der Netzausbau geht der ehemaligen Managerin eines Netzbetreibers offenbar viel zu schnell. Die Erneuerbaren sollten sich nun gefälligst am Netz orientieren - und nicht mehr umgekehrt.

Dafür sollen die Erneuerbaren künftig zahlen - unter anderem mit "Baukostenzuschüssen". Dabei sagt Reiche ganz offen, was sie damit bezwecken will: “Das wird den Business Case [für Erneuerbare] noch mal nach unten bringen”.

Das Versprechen des Koalitionsvertrages, die Stromsteuer für Verbraucher:innen zu senken, wird gebrochen. Dafür wird Gas mit Geld aus dem Klima-Transformationsfonds subventioniert.

Damit werden Wärmepumpen bewusst schlechter gestellt. Gasnetzbetreiber, deren Interesse Reiche lange vertrat, profitieren.

In ihrem gesamten Auftritt macht Reiche klar, dass sie die Energiewende für “völlig überzogen" hält.

Fernab vom internationalen energiepolitischen Mainstream. Glaubt sie ganz offenbar einfach nicht, dass sich Deutschland mit Erneuerbaren Energien versorgen kann.

Das Ausbremsen der Erneuerbaren schadet der deutschen Wirtschaft: 25% weniger Tempo beim Ausbau bedeuten bis 2030 65 Mrd. Euro weniger Investitionen und 65.000 weniger gute Jobs.
Genauer: https://foes.de/publikationen/2025/2025-02-28_GPE_wirtschaftliche_Vorteile_EE_clean.pdf
Während China bewusst elektrifiziert, um von den Kostenvorteilen der Erneuerbare zu profitieren und sich dauerhaft einen Wettbewerbsvorteil zu sichern, setzt Reiche auf teure, dreckige und schmutzige Importe von LNG-Gas von diktatorischen Scheichs oder Fracking-Gas von Trump.
Das Video oben ist ein Zusammenschnitt weitgehend unbemerkter Aussagen zu den Erneuerbaren von Reiche beim Tag der Industrie des BDI am 24. Juni 2025. Den gesamten Auftritt von Reiche beim BDI könnt ihr hier anschauen (ab ca. 6:00): https://m.youtube.com/watch?v=q3PsQTqBkEY
#TDI25– Tag der Industrie Tag 2 | Presse

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@sven_giegold da fällt doch aber ein sehr richtiges stichwort: ausbau erneuerbarer energien und netz zusammenbringen. es war natürlich volkswirtschaftlich schon immer blödsinn, anschlussgarantien zu geben, wenn keine geeigneten netzanschlusspunkte in der nähe waren. der ausbau der erneuerbaren hat damit einen netzausbau erzwungen, der bei gesamtheitlicher betrachtung vermeidbar gewesen wäre.
@young_ullrich @sven_giegold da würde ich widersprechen. Wenn du einen Standort und die Mittel gefunden hast, um EE zu bauen, braucht der Standort einen Anschluss, sonst wird er ja nicht gebaut.
Daher verstehe ich dein Argument nicht, inwiefern es volkswirtschaftlich sinnvoller gewesen wäre, das nicht auszubauen.
@Nephele @sven_giegold die erzeugungsanlagen sind gewinnorientierte unternehmen, die eine gesetzliche anschlusspflicht durch die netzbetreiber bekommen haben. die kosten dieser anschlüsse bezahlen wir alle durch entsprechend erhöhte netzentgelte. volkswirtschaftlich wäre es daher absolut zweckmäßig, zunächst mal dort eeg-anlagen zu bauen, wo nicht erst noch kilometerweise anschlüsse hergestellt werden müssen. das ist bis heute aber die gängige praxis.
@Nephele @sven_giegold deswegen fliegen uns auch die netzausbaukosten um die ohren. als weiterer irrsinn werden die daraus ggf. nicht vorhandenen netzkapazitäten, die zur abregelung von anlagen führen, ja auch noch auf die netzentgelte umgelegt.
@young_ullrich @sven_giegold die Antwort darauf sollte aber doch nicht sein, weniger EE auszubauen, sondern mehr Netzausbau?
@Nephele @sven_giegold im sinne eines geregelten netzausbaus ist es schon sinnvoll, das gesamtheitlich zu betrachten. schlussendlich kannst du die topologie mit straßen vergleichen - niemand baut auf verdacht ne bundesstraße, auf der dann keiner fährt. irgendwie muss das gesamtkonzept schon gesteuert werden, damit der zweifelsohne notwendige netzausbau im richtigen maße an den richtigen stellen vorgenommen wird. das sehe ich aktuell nicht.
@Micha @Nephele @sven_giegold ein schöner spaziergang beim sonnenuntergang lohnt sich immer
@young_ullrich @sven_giegold der Vergleich hinkt aber. Weil es ja genutzt wird, da wo du ne Leitung zum EE Park hinlegst
@Nephele @sven_giegold eben nicht. nur weil du ne abzweigung ins netz baust, heißt das noch nicht, dass am verknüpfungspunkt freie kapazitäten sind.

@young_ullrich @sven_giegold okay, ich hatte jetzt den ausbau da am Knotenpunkt mit inkludiert.

Aber wenn du das von dem Ende her denkst, müsstest du ja ee ausbau verbieten, wo keine freien Kapazitäten im Knoten liegen. Effekt: statt den park zu bauen und das netz begleitend auszubauen, wird kein Park gebaut.

Dann können wir uns auch einfach von Paris verabschieden.

@Nephele @sven_giegold es hätte vorausgesetzt, das kriterium in die windeignungsflächen zu integrieren, und ab da hätte man dann priorisieren können, um mit den geringstmöglichen netzausbaukosten am meisten ee-ausbau zu machen. die aktuelle gleichstellung aller ee-vorhaben bindet unnütz personelle und geldliche kapazitäten.

@young_ullrich @Nephele @sven_giegold

Der Vergleich mit der Topologie von Straßen hinkt ganz gewaltig.
Das Zusammendenken von EE-Erzeugung und Leitungen verengt den Blick.

1. Zur Abkehr von der klimaschädigenden Verbrennung fossiler Kohlenstoffe müssen EE-Erzeugungsanlagen gebaut werden.

2. Sonnen-ENERGIE und deren Derivate (Wind, Wellen, Biomasse) sind naturgemäß nur auf einer entsprechend großen Fläche einzufangen. Sonnenstrahlungs-DICHTE allein (Wüste) bringt's nicht.

3. EE-Produktionsanlagen müssen also über die Fläche verteilt gebaut werden - daran muß sich dann die Topologie der Leitungen orientieren.

4. Übersehen, weil aus der Diskussion rausgehalten, ist der Bedarf an Speicherkapazitäten.
Die zeitliche Fluktuation der Sonneneinstrahlung ist allgemein bekannt, wird von Kritikern als Argument gegen Solarenergie genüßlich eingesetzt und von Fossilisten mit fossilistischen Gegenmitteln angegangen: zentrale Gaskraftwerke.

5. Volkswirtschaften können nicht darauf setzen, daß die Batteriespeicher der PV-Betreiber plus die Akkus von E-Autos es schon richten werden.

Denkansatz:
Wir brauchen Quartiersspeicher, damit niemandem der gesetzlich sinnvollerweise garantierte (siehe 2+3) Netzanschluß zum Einspeisen wegen eines schwachen Verteilnetzes verweigert werden kann;
regionale Speicher, um lokale Teilnetze notfalls abgekoppelt betreiben zu können;
überregionale/nationale Großspeicher für überregionale Stromtransporte, falls eine Region oder das ganze Land mal länger unterversorgt ist. Diese Speicher könnten an den bisherigen Kraftwerksstandorten angesiedelt werden. Da heißt es nicht Kleckern (kWh oder MWh), sondern Klotzen (zig TWh insgesamt). Alles eine Frage der Zeit und der Prioritäten.

Höchstspannungsleitungen sind eher rausgeschmissenes Geld.

@NichtVielZuSagen @young_ullrich @sven_giegold

Den Gedanken, den ich hieraus mitnehme: dezentraler ausbau der leitungen ist nötig aufgrund der dezentralen Erzeugung. Damit sind wir ja im grunde auch wieder bei dem Argument vom Anfang, dass das eine nicht ohne das andere geht, zumal langfristig betrachtet.

Den Aspekt mit dezentraler netzdienlicher Speicherleistung, um das Netz zu entlasten, finde ich überaus interessant, hier stellt sich dann die Frage, wie netzdienlicher betrieb gesteuert wird

@Nephele @young_ullrich @sven_giegold
Vorweg:
Ich bin nur interessierter Laie und im Bereich Starkstrom-/Stromnetztechnik schon gar nicht beschäftigt. Wenn ich mich auf solche Diskussionen einlasse, gehen Kenntnisse und Fantasien durcheinander. Was mir absolut nicht behagt, ist das erzwungene Wegschmeißen/die Annahmeverweigerung von wertvoller Energie = Sonnenenergie.

Alles, was hier folgt, sollte daher im Konjunktiv gelesen werden, das heißt: Das gibt es noch nicht (sicher) in der dargestellten Form, sondern ist von einem Laien als Idee zur Diskussion gestellt.

Wenn der Begriff "netzdienlicher Betrieb" auftaucht, ist er nur bei den - vielen - relativ kleinen Einspeisern von Bedeutung, weil deren Aufwand für die Regelung relativ am größten ist. Der Begriff sagt derzeit, daß man das Problem bei den (fleißigen) Einspeisern sieht. Im Stromnetz läßt sich der Netzzustand aus Netzfrequenz und lokaler Spannung ableiten.

Wenn ein Quartiersspeicher z.B. im Versorgungsbereich eines Trafohäuschens gebaut wird, ist im Idealfall jeder angeschlossene Einspeiser gepuffert und tritt nach außen gar nicht weiter in Erscheinung. Der Quartiersspeicher fungiert dann als netzdienlicher Einspeiser, kommuniziert mit einer Leitstelle, ohne Rückschlüsse auf die angeschlossenen Verbraucher/Einspeiser zu erlauben, ist bestmöglich gegen Angriffe aus dem Netz gesichert.

Dann können die Kleinanlagen ohne Abregelung durch Smart Meter oder auf 60-70% laufen. Die bisher noch sogenannten "Überschüsse" bleiben in Akkus und Wasserstoff, aus denen in lokalen, zeitlich variablen Mangelzeiten etwas entnommen wird. In Nächten und sonstigen verbrauchsschwachen Zeiten können die Quartiersspeicher überregionale Speicher füllen. Die bestehenden Leitungen dienen dann zum "Überspielen" elektrischer Energie.

Nur die Verteilnetz-Leitungen, die die tatsächliche Maximalleistung überschreiten, müßten verstärkt werden. Beim Betrieb der bisherigen Kraftwerksstandorte für die überregionalen Speicher können die Leitungen, die für eine bestimmte Last ausgelegt sind, zum Anliefern von Speicherenergie mit gleicher Maximalleistung betrieben werden.
Keine Frage, daß das kaskadierte Speichern mit Verlusten verbunden ist. Sinnvoll fände ich eine "priorisierte" Vorgehensweise = Quartiersspeicher zuerst, Bereiche mit bisher hohem Abregelungsbedarf zuallererst und nah am größten Einzeleinspeiser.

Ob das irgendwo schon so gehandhabt wird, weiß ich nicht. Das "netzdienliche" Abregeln ist jedenfalls eine systemische Verschwendung.
"Jede Kilowattstunde zählt."

@NichtVielZuSagen @Nephele @sven_giegold um deine letzte frage zu beantworten: nein. erzeugung und netz sind regulatorisch streng getrennt, speicher zählen als erzeuger. daher insgesamt schwierig, aber politisch so gewollt.
@young_ullrich @NichtVielZuSagen @sven_giegold ich glaube so kategorie offshorewindpark ist auch gar nicht auf der niederspannungsebene unterwegs, das ist direkt auf hoch- und höchstspannungsebene. Also diese vision mit den quartierspeichern ist eher für die größenordnung karl otto seine efh dachsolar sinnvoll. Die kann man damit sicher wunderbar puffern.
Aber damit bekommt man auch nicht die ee aus nord nach süd, sondern höchstens von nord windreicher tag nach Nord flaute am nächsten Tag.

@Nephele @young_ullrich @sven_giegold

Sehr richtig!

Das Hauptproblem stellen die vielen PV-Dächer dar, die sehr sinnvoll genutzt werden können, bei denen aber viele Smart Meter mit all ihren sicherheitstechnischen Risiken zwangsweise unters Volk gebracht werden. Zur Freude der Elektronikindustrie, die nichts mit Speichern am Hut hat.

Vor rund 20 Jahren wurde schon abgeschätzt, daß der PV-Ertrag aller nutzbaren Dächer einen nennenswerten Beitrag zur Energiewende liefern würde (Drittel bis Hälfte). Neuere Abschätzung: mehr https://www.agora-energiewende.de/aktuelles/solarstrom-vom-dach-das-energiewendepotenzial-auf-deutschlands-gebaeuden .
Aber: Sinnvoll nur im Sektor 'elektrische Nutzung im Netz', weil heimische Elektrolyseure relativ teuer sind https://www.heizung.de/brennstoffzellenheizung/wissen/hohe-unabhaengigkeit-mit-elektrolyse-und-brennstoffzelle.html .
Dann fehlen noch die anderen Sektoren Verkehr, Wärme, Industrie und Chemie (z.B. H2, CH4, Methanol, Ammoniak).

Windanlagen sind dagegen Kategorie "groß" bis "riesig".
Die brauchen selbstverständlich eigene lokale Speicher und/oder dicke Kabel zur Einbindung ins nationale Netz bzw. Produktion transportabler stofflicher Energieträger. Siehe H2 und Derivate in Klammern.

Gibt's schon: https://www.iwes.fraunhofer.de/de/presse-medien/archiv-2021/windenergieanlagen-mit-integriertem-elektrolyseur-demonstrieren-.html
https://www.energie-und-management.de/nachrichten/energieerzeugung/detail//windkraftanlage-direkt-mit-zwei-elektrolyseuren-verbunden-233085

Dimensionierung jeweils nach Bedarf.
Die Stoffe können in Tanks per Schiff, Schiene und Straße verteilt werden ohne Leitungsbedarf.

Es gibt empfindliche Meeresregionen (Wattenmeer), wo das Verlegen von Kabeln kritisch gesehen wird. Das alles zu konzipieren wäre eine Aufgabe für Ingenieure, wo mir direkt @VQuaschning einfällt. Das ist nichts für Spinner wie mich.

Abschließend:
Ein Satz wie "Der Strom aus dem Norden muß in den Süden transportiert werden" kommt mir oft vor wie eine (finanzielle) Drohung und ein Abwehrargument: "Ist sehr kompliziert und stört die Leute, durch deren Heimat Hochspannungsleitungen gebaut werden müssen."

Solarstrom vom Dach: Das Energiewendepotenzial auf Deutschlands Gebäuden

Dächer können einen zentralen Beitrag zum Solarausbau in Deutschland leisten, wie eine neue Analyse von Agora Energiewende zeigt. Eine Schlüsselrolle spielen dabei große Gebäude, auf denen sich ein Viertel des Photovoltaik-Potenzials auf Dachflächen realisieren lässt.